Projekt

Haus der Kunst: Der Umbau verzögert sich

Das Haus der Kunst soll umgebaut werden: Ein Projekt, mit dem sich viele Hoffnungen verknüpfen. Nicht alle Fragen aber sind geklärt.
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Das Haus der Kunst soll umgebaut werden: Ein Projekt, mit dem sich viele Hoffnungen verknüpfen. Nicht alle Fragen aber sind geklärt.
  • VonNadja Lehmann
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Förderung durch das Land im Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept ist gedeckelt – Die Kosten aber steigen.

Burscheid. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der damit verbundene Gasmangel und die explodierenden Kosten in der Materialbeschaffung haben Gewissheiten ins Wanken gebracht. Nicht nur in der großen weiten Welt, sondern auch in der kleinen, direkt vor Ort. Waren Politikerinnen, Politiker und Verwaltung bislang damit beschäftigt, den durch das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) vorgegebenen Fahrplan abzuarbeiten und zu verfolgen, wie obere und mittlere Hauptstraße, wie der Innenstadtpark West mitsamt Gartenweg ihr jeweiliges Antlitz erneuern und verändern, so ist derzeit offen, wann künftige Maßnahmen realisiert werden. Und ob.

Zu diesen Beispielen zählt auch das Haus der Kunst. Eigentlich hätte es schon längst geschlossen sein sollen. Die Musicalische Academie machte, so ging man jedenfalls damals davon aus, mit ihrem Konzert im Juni den musikalischen Rausschmeißer.

Auch die Politiker hatten sich schon etwas wehmütig vor der Sommerpause von dem Haus verabschiedet, das in großem Stil umgebaut werden soll, und in dem die Rats- und Ausschusssitzungen stattfinden. Stattdessen aber werden sie, wenn in Burscheid das politische Leben wieder beginnt, erneut im altvertrauten Saal Platz nehmen – so, wie es am Dienstag bereits der Betriebsausschuss tat. Der Baubeginn hat sich, wie es Bürgermeister Dirk Runge im Sommer beim Stadtgespräch der Senioren-Union erklärt hatte, auf voraussichtlich Dezember verschoben – es könnte aber noch später werden ().

Eine gewaltige Kostenexplosion kann sich die Stadt, Stand heute, nicht leisten. Denn die IEHK-Maßnahmen, zu denen der Umbau des Haus der Kunst als größter Posten zählt, werden zwar vom Land gefördert, sind aber gedeckelt. Rund 14 Millionen Euro stehen zur Verfügung – nicht nur allein fürs Haus der Kunst, sondern für die Umgestaltung der oberen und mittleren Hauptstraße, des Umfelds rund ums Kulturbadehaus, für den Innenstadtpark West sowie für den Einzelhandelsstandort an der Montanusstraße und für die Umgestaltung der Unteren Hauptstraße. Wird in diesem Paket eine Maßnahme teurer als geplant, muss an anderer Stelle gespart werden. „Wir beziehungsweise die Politik muss entscheiden, ob man das ein oder andere schiebt“, sagt Dirk Runge.

Eine Belebung der Kulturszene

Geplant war, das Haus der Kunst aus- und umzubauen und zu einer sozio- und interkulturellen Begegnungsstätte zu machen. Multifunktionaler und damit vielseitig einsetzbar sollte das Haus der Kunst werden, unter dem Arbeitstitel „Haus der Kultur(en)“.

Im November 2019 hatten sich die Burscheider Politiker für den Entwurf des Bochumer Büros „Archwerk“ ausgesprochen. Das Projekt ist der größte Brocken im IEHK und im „Interkommunalen Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept Burscheid/Wermelskirchen 2030“ und mit Kosten von rund 4,6 Millionen Euro taxiert. Das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung hat Städtebaufördermittel in Höhe von 4,6 Millionen Euro bewilligt.

Der Entwurf des Büros Archwerk nimmt auf die bestehenden Strukturen Rücksicht, erweitert aber das Erdgeschoss. Damit verbunden sind Blickbeziehungen in den benachbarten Richartz-Luchtenberg-Park. Das Haus wird barrierefrei umgestaltet und energetisch ertüchtigt. Herzstück bildet im Erdgeschoss ein Saal, der multifunktional genutzt werden soll. Im Untergeschoss findet die hausinterne Logistik plus Catering/Bewirtschaftung ihren Platz. Gruppenräume sind Anlaufstellen für die Musikschule und weitere Vereine.

Davon erhofft sich Burscheid eine Belebung der Kulturszene über Stadtgrenzen hinweg – beispielsweise in Richtung Wermelskirchen. Denn der Umbau soll sinnbildlich das Stein gewordene interkommunale Kulturmanagement verkörpern, das Burscheid und Wermelskirchen miteinander umsetzen wollen. Dafür wurde mit Jasmin Dorner eine Kulturmanagerin eingestellt, die einen gemeinsamen Kulturentwicklungsplan für beide Städte erstellt. Dass dieser in Arbeit ist, merkten die Burscheider kürzlich, indem sie an verschiedenen Stellen in der Stadt auf Postkarten stießen, auf denen sie Wünsche und Bedürfnisse zur Kultur äußern sollten.

Ein neues Haus der Kunst wäre also weit mehr als nur ein neues Gebäude. Wäre weit mehr als nur eine vergrößerte Bühne, auf der dann wieder die Musicalische Academie und „hoffentlich auch der Orchesterverein Hilgen“, wie Dirk Runge sagt, auftreten. Letzterem war die Bühne zu klein geworden.

„Das wird ein Aushängeschild für die Kultur“, ist sich auch Jelle von Dryander sicher. Die Vorsitzende des Kulturvereins ist überzeugt von Plänen und Entwurf: „Ich freue mich auf das neue Haus der Kunst.“ Sie hält es für alternativlos, will Burscheid in Sachen Kultur mit starker Stimme sprechen. Und weiß aus eigener Erfahrung, dass ein Paket aus großem und kleinem Haus (wie dem Kulturbadehaus) Agenturen besonders anspricht. „Dann müsste das Ganze aber auch dringend professionalisiert werden“, mahnt von Dryander an. Es könne nicht sein, dass Ehrenamtliche dann Programme konzipierten. „Dieses Haus der Kunst muss bespielt werden. Nicht nur an Wochenenden, sondern auch unter der Woche. Und dazu müssen dann auch auswärtige Künstler von Rang geholt werden.“

Ein Anspruch, der ohne Kooperation nicht geht, sagt Jelle von Dryander. Sprich: Es geht nur im Miteinander von Burscheid und Wermelskirchen. „Wir wollen etwas bewegen und wollen diese Kooperation schon lange“, wird die Kulturvereinsvorsitzende deutlich. Sie weiß aber auch um Wermelskirchener Ängste, Befürchtungen und Vorbehalte. Um die dortige Sorge, dass mit einem neuen Haus der Kunst Konkurrenz auftaucht. „Wir können die Wermelskirchener nur befrieden, wenn es auch ihr Haus der Kunst wird“, betont Jelle von Dryander.

Mit neuen Mauern allein ist es nicht getan

Und auch dem Bürgermeister ist klar, dass es mit neuen Mauern allein nicht getan ist. „Natürlich machen wir uns bereits Gedanken, wie das Haus der Kunst dann mit Leben erfüllt wird.“ Denn auch nach dem Nutzungs-, Kosten-, Finanzierungs- und Trägerkonzept soll der Unterhalt des Gebäudes durch die Einnahmen aus den zusätzlichen Veranstaltungen finanziert werden. Es soll eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Paul-Luchtenberg-Stiftung geben, die Trägerform wird allerdings noch politisch festzulegen sein.

Weiterer Ablauf und Baustart

Mit Blick auf den inzwischen anvisierten Baustart im Dezember sagt Dirk Runge nun im Gespräch mit dem Bergischen Volksboten: „Das wäre schon früh.“ Denn nach der Ausschreibung müssten nun die Aufträge vergeben werden, zunächst aber die politischen Gremien passieren. Damit rechne er im September. Und wie das Ganze dann im Detail aussehen wird, wo gegebenenfalls abgespeckt wird, ist offen.

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