Pläne

Haus der Kunst bekommt einen Rucksack

Haben gemeinsam den Blick auf die Umbaupläne: Beigeordneter Marc Baack (rechts) und Projektleiter Ivo Kretschmer.
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Haben gemeinsam den Blick auf die Umbaupläne: Beigeordneter Marc Baack (rechts) und Projektleiter Ivo Kretschmer.
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Gebäude wird durch den Umbau vergrößert und rückt an die Höhestraße heran.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Es ist ein Balanceakt, den Marc Baack und Ivo Kretschmer vollführen. Zum einen wollen der Beigeordnete und der Projektleiter aus dem städtischen Gebäudemanagement das Haus der Kunst so ansprechend und ästhetisch umbauen, dass es wirkliche Strahlkraft entwickeln kann. Zum anderen aber sind Einsparungen das Gebot der Stunde. „Wir gucken da auf die kleinsten Dinge“, sagen beide. Und zeigen die Pläne des Fachbüros Archwerk aus Bochum, die belegen: Das Haus der Kunst wird ein neues Gesicht erhalten.

Es ist der entscheidende Baustein, den Burscheid in eine gemeinsame Kulturlandschaft mit Wermelskirchen einbringt. Ein Solitär, der die Kunst an den ihr gebührenden Platz rücken soll. „Das ist hier mit dem Rathaus und Sankt Laurentius gegenüber eine städtebaulich sehr markante und exponierte Stelle“, sagt Ivo Kretschmer, selbst Diplom-Bauingenieur.

Die Umgestaltung des inzwischen etwas behäbigen Haus der Kunst in ein multifunktionales Haus der Kultur(en) ist Bestandteil des Integrierten Entwicklungs-und Handlungskonzepts (IEHK) Burscheid 2025. „Und mit Abstand der finanziell größte“, bestätigt Marc Baack. Im Jahr 2015 wurde das Projekt auf 4,6 Millionen Euro taxiert. Möglich wurde seine Realisierung nur durch die damit verbundene Förderung des Landes, die sich im IEHK generell auf 70 Prozent beläuft, im speziellen Fall Haus der Kunst aber sogar auf 100 Prozent. Eine frohe Kunde, die damals Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) gleich selbst nach Burscheid brachte.

Haus der Kunst: Umbau wird teurer

Inzwischen ist aber auch klar, dass der Umbau teurer wird. Zum einen ist die Kosteneinschätzung schon etliche Jahre her, zum anderen baut man im Bestand – mit dem entsprechenden Überraschungen. So wurde bei ersten Überprüfungen deutlich, dass der Brandschutz den aktuellen Ansprüchen nicht mehr entspricht. „Der alte Stahlträger hatte eine Beschichtung. Sie war kaputt“, berichtet Ivo Kretschmer. „Da müssen wir nacharbeiten, er muss neu verkleidet werden.“ Ein weiteres Problem: die dem entsprechenden Fachleute zu finden.

Erst Ende dieser Woche werden Marc Baack und Ivo Kretschmer wissen, welche Angebote zu welchen Konditionen eingegangen sind. „Früher war das sehr spannend, weil die Umschläge erst zu einer bestimmten Uhrzeit geöffnet werden durften und die Anbieter dabei sein konnten und manchmal erst in letzter Minute hereinstürzten“, erinnert sich Kretschmer. Heute geschehe alles digital – aber nach wie vor mit einer unumstößlichen Deadline.

„Dann werden die Angebote geprüft“, sagt Kretschmer. „Im Februar wissen wir, ob wir beauftragen können.“ Dann könnte – Baack formuliert es mit gebührender Vorsicht – der Umbau Ende März beginnen. „Wir sind im Austausch mit der Bezirksregierung. Sie zeigt sich einer Erhöhung der Fördermittel gegenüber offen.“

Noch hat das Haus der Kunst seine L-Form.

Bisher präsentiert sich das Haus der Kunst in einer L-Form; die lange Seite läuft parallel zum Rathaus. Vor dem L liegt ein Parkplatz. Noch. Denn dieses Areal wird dem Gebäude zugeschlagen, das nach vorne an die Höhestraße vorrückt. Ein imposanter „Trichter“, wie Kretschmer ihn nennt, wird den Eingang markieren und sich ungefähr stolze acht Meter in die Höhe recken. Die Rückseite des Hauses, die in Richtung Montanusstraße blickt, wird erweitert, indem ihr ein liebevoll mit „Rucksack“ titulierter Gebäudeteil aufgeschnallt wird: Er verschafft der Bühne mehr Platz, die breiter und tiefer wird. Und damit vielfältiger nutzbar. Eine parallel zum Rathaus führende Rampe erlaubt den barrierefreien Zugang in den Saal; Fluchtwege gibt es hinaus in den Park.

Der ist mit seinen 14 Winterlinden, die sich links entlang am Gebäude aufreihen, ein spezieller Fall. Denn die Linden sollen erhalten werden. „Die sind 70 bis 80 Jahre alt, haben eine Höhe von knapp 30 Metern“, sagt Ivo Kretschmer. Vor allem ihre Wurzeln sollen während der Bauarbeiten geschützt werden. Schließlich können solche Linden wahre Methusaleme werden. „Das lassen wir uns eine Stange Geld kosten“, sagt Marc Back und verrät, dass es sich um „mehrere 10 000 Euro“ handelt.

So soll das Haus der Kunst künftig aussehen

Lichtkuppeln werden künftig das Haus erhellen, die WC-Bereiche sollen ausgebaut werden, eine kleine Teeküche entstehen. Versteckte sich die Lüftungstechnik bisher im Tiefgeschoss, wird sie nun in eine Art Wanne neben dem „Rucksack“ ausgelagert. „Das erspart uns Tiefbauarbeiten und damit verbundene Kosten“, sagt Kretschmer. Denn klar ist auch: Es geht bei dem Umbau auch um eine grundlegende energetische Sanierung.

Das Haus stammt aus dem Jahr 1976. „Wir hätten also ohnehin etwas machen müssen“, sagt Baack. Die Überprüfung habe entscheidende Mängel offengelegt, wie eben den nicht mehr ausreichenden Brandschutz. „Wir machen das Ganze damit auch sicherer“, ergänzt Kretschmer.

Und größer. Der Saal wird 400 Quadratmeter groß sein, die Bühne rund 100 Quadratmeter, das Foyer rund 250 Quadratmeter. „Wir kriegen zwischen 35 und 45 Prozent mehr Fläche“, sagt Ivo Kretschmer. Dafür fällt im Inneren eine tragende Wand weg und müssen neue Stahlträger eingebaut werden. Eine Herausforderung, bei der es auf Zentimeter ankommt, wie Kretschmer jetzt schon ahnt: Wenn die Stahlträger nämlich am Rathaus vorbei aus luftiger Höhe durch Kräne eingeschwenkt werden.

„Wir bauen bis aufs Gerippe alles weg“, beschreibt Marc Baack. Die Musikschule ist aus dem Souterrain schon 2022 ausgezogen, den imposanten Steinway-Flügel hat die Luchtenberg-Stiftung sicher einlagern lassen.

Die Stiftung ist Betreiberin des Hauses. „Das Haus werden wir übernehmen“, sagt Baack. Schließlich steht es auf städtischem Grundstück. Gemeinsam werden sich Stiftung und Stadt dann um den Betrieb des Hauses kümmern, werden einen Trägerverein gründen, der als Vermieter auftritt. Für die programmatische Gestaltung ist das Kulturmanagement federführend.

Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. „Wir machen einen Schritt nach dem anderen“, sagt Baack. Nach wie vor guckt Ivo Kretschmer kritisch überall dorthin, wo sich etwas einsparen lässt. Beispielsweise am Aufzug. „Der wäre für die Musikschule eine Erleichterung gewesen“, sagt er. Aber die Träume dürfen und sollen nicht in den Himmel wachsen. Bloß keine Elbphilharmonie werden. Dass ihm das Haus der Kunst sehr am Herzen liegt, gibt Kretschmer ohnehin freimütig zu. „Ich freue mich, dass es losgehen soll.“

Relativ zügig sichtbar werden die Bauarbeiten vor dem Rathaus werden. Denn bislang lief die Entwässerung des Haus der Kunst über die Montanusstraße, nun soll es über die Höhestraße geschehen. „Die Kanalarbeiten müssen zügig beginnen“, sagt Kretschmer. Denn zeitgleich naht schon eine andere Maßnahme: Die Höhestraße bekommt zum Ewald-Sträßer-Weg eine Linksabbieger-Spur, für die der Gehweg vor dem Rathaus verschwenkt wird. Und dann soll unter der Erde schon alles fertig sein. Und oberirdisch (das „grobe Ziel“) Ende 2024.

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