Burscheid

Händler haben Angst vor deutlichen Einbußen

Buchhändlerin Ute Hentschel musste 15 Aushilfskräfte einstellen, um das anstehende Weihnachtsgeschäft coronakonform durchführen zu können.
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Buchhändlerin Ute Hentschel musste 15 Aushilfskräfte einstellen, um das anstehende Weihnachtsgeschäft coronakonform durchführen zu können.

Bei den Geschäftsinhabern wächst die Sorge vor einer Zwangsschließung.

Von Stephan Eppinger und Leon Hohmann

Die Ministerpräsidentenkonferenz hat zur Eindämmung des Coronavirus am Mittwoch schärfere Maßnahmen beschlossen. Demnach werden die Gastronomie und Freizeiteinrichtungen schließen und Reisen auch im Inland eingeschränkt werden. Offen bleiben jedoch Schulen, Kitas und der Einzelhandel. Dennoch wächst bei den Händlern die Sorge vor einer zweiten Zwangsschließung ihrer Geschäfte.

„Ich hatte schon alles für meinen Laden eingekauft – die Sommerkleider und die Osterdekoration standen für den Verkauf bereit, dann kam der Lockdown und wir mussten schließen“, erinnert sich Anastasia Vasilakopoulou von „Liebevoll“ in der Hauptstraße. Auch jetzt vor dem Weihnachtsgeschäft komme jede Menge neue Ware. „Bei mir sind Tage mit 15 Stunden Arbeit jetzt ganz normal. Manchmal nehme ich Kartons auch mit nach Hause und preise dort die Sachen aus. Es ist ein Segen und ein Fluch, dass wir so viele unterschiedliche Waren anbieten“, sagt die Burscheiderin, die Wohnaccessoires sowie Damen- und Kindermode verkauft.

Ute und Peter Korytowski von der Foto Factory merken, dass die Kunden wieder deutlich zurückhaltender geworden sind.

Während des Lockdowns hat sie einen Onlineshop aufgebaut. „Der lief sehr gut, jetzt ist er wieder in der Warteschleife. Die Kunden kommen lieber in den Laden und lassen sich dort persönlich von uns beraten. Der Sommer ist super gelaufen, jetzt müssen wir sehen, was der Herbst und der Winter bringen. Für den Onlineshop habe ich Fördermittel beantragt. Damit will ich mir Fachleute dazuholen, um das Geschäft im Internet besser bewerten zu können.“ Im Laden steht jetzt der Schutz der Kunden und Mitarbeiter im Mittelpunkt: „Wir passen auf uns und die Kunden auf. Das wird alles immer desinfiziert. Wenn hier jemand von uns krank wird, gibt es keinen Ersatz, dann müssten wir schließen.“

„Wenn hier jemand von uns krank wird, gibt es keinen Ersatz, dann müssten wir schließen.“

Anastasia Vasilakopoulou von „Liebevoll“

Mit Sorge blickt auch Buchhändlerin Ute Hentschel, die ihr Geschäft gegenüber betreibt, auf die Infektionszahlen. „Ich hoffe, dass kein weiterer Lockdown kommt, dann müsste ich wieder viel durch die Gegend fahren und die Bücher ausliefern. Im Weihnachtsgeschäft ist das aber kaum zu schaffen und das würde für uns ernste Umsatzeinbußen bei einem gleichzeitig deutlich höheren Aufwand bedeuten.“

In ihrem Geschäft hat sie alles getan, um den Kunden die Sicherheit zu bieten: „Wir haben schöne, breite Laufwege, die Kasse ist durch eine Acrylglasscheibe geschützt und für draußen habe ich gerade einen großen Schirm gekauft, damit die Kunden, die draußen warten, nicht nass werden. Wir haben in den Schutz vor Corona viel Geld und Ideen investiert.“

Gearbeitet werde seit Mai in streng getrennten Teams. Damit man das Weihnachtsgeschäft so noch bewältigen kann, hat Hentschel 15 Aushilfen eingestellt. „Normalerweise arbeiten wir mit unserem kleinen Team alle rund um die Uhr, das geht jetzt aber nicht mehr.“

Für Richard Kretzer von der gleichnamigen Bäckerei ist die Lage derzeit unübersichtlich. „Ich hoffe, auch im Sinne der Kunden, dass wir um einen Lockdown herumkommen. Wir müssen uns jetzt mal am Riemen reißen und die Kontakte einschränken. Wir haben als Bäckerei einen Versorgungsauftrag und liefern jeden Tag frische Backwaren. Das Lebensmittelhandwerk steht da in der Pflicht, für die Menschen da zu sein. Fest steht für mich, wenn ein Lockdown kommen sollte und die Tafeln wieder schießen müssen, werden wir für deren Kunden unsere Filialen wieder öffnen.“

Eine Schließung der Gastronomie, wie gestern beschlossen, trifft Richard Kretzer von der gleichnamigen Bäckerei schwer. Er beliefert viele Lokale.

Die wirtschaftlichen Folgen wären für die Bäckerei deutlich spürbar: „Ein Standbein von uns ist die Gastronomie, die wir beliefern. Dazu kommt unser Café-Bereich, den wir schließen müssten. Das wären schon Umsatzeinbußen.“ In den Filialen achtet Kretzer streng auf das Einhalten der Regeln: „Alle Mitarbeiter tragen Maske und die Flächen in den Cafés werden ständig desinfiziert. Ich wüsste nicht, was wir noch mehr tun könnten. Das Risiko, sich in Cafés oder Restaurants anzustecken, halte ich für sehr gering.“

Sorgen bereitet ein möglicher Lockdown auch Ute Korytowski von der Foto Factory: „Es ist schon ruhiger geworden, die Leute sind zurückhaltend. Wir versuchen, so gut wie möglich auf uns aufmerksam zu machen. Die Angst, dass wir wieder zumachen müssen, ist groß. Aber besser jetzt schließen als im Dezember. Beim ersten Lockdown hatten wir Angebote über das Internet gemacht, die gibt es auch jetzt, und wir liefern auch Bestellungen aus.“

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