Gruppe lernt Sütterlin in der Bibliothek

Marcus Vaillant bringt die Schrift näher. Foto: Doro Siewert
+
Marcus Vaillant bringt die Schrift näher.

Ungewöhnlicher Kurs

Von Ursula Hellmann

Sütterlin – ist das so ähnlich, wie die Schriftzeichen, die manche Klassenfreunde sich gegenseitig simsen? Nein, völlig anders. Seit 1924 bis 1941 lernten die Schüler in Deutschland Lesen und Schreiben mit den Zeichen, die der Berliner Grafiker Ludwig Sütterlin (1865 bis 1917) Anfang der 1900er-Jahre entwarf. Erst 1914 löste seine vereinfachte Variante die bis dahin gängige Kurrent-Schrift ab. Vom späten Mittelalter bis zum 1. Weltkrieg waren Bücher und Lehrmaterial in der schreibtechnisch schwierigen Kurrent-Schrift abgefasst.

Vor sechs Jahren saßen zum ersten Mal etwa 15 interessierte Damen und Herren in den Räumen der Stadtbücherei und waren gespannt, auf welche Weise sie mehr zu dieser recht formschönen Schrift erfahren können. Die Gruppe besteht bis heute.

Marcus Vaillant, Diplom-Bibliothekar der Universitäts- und Landes-Bibliothek Düsseldorf, ist als Nachlassverwalter und Initiator eines Schriftateliers seit vielen Jahren mit dem Sütterlin-Schriftbild vertraut. Als sich ein stabiler Kreis zusammenfand war der „Lese-Club“ für Sütterlin/Kurrent-Dokumente geboren.

Kopien alter Schriftstücke und deren Großbild auf Leinwand dienen seitdem den Lernwilligen als Lesevorlage und Lernobjekt. Inge Mahn aus Düsseldorf etwa gehört seit zwei Jahren zu den regelmäßigen Besuchern. Was brachte sie in Kontakt zu der alten Schreibweise? „Durch meine Stammbaum-Recherche stieß ich auf sehr alte Urkunden unserer Familie. Einige Angaben waren für mich nicht lesbar. Im Internet erfuhr ich von Marcus Vaillant. Er konnte mir weiterhelfen und lud mich zu seinen Kursen in Burscheid ein.“ Seitdem treffen sich die Mitglieder einmal monatlich, nur unterbrochen durch die größere Corona-Pause.

In der Grundschulzeit kurz kennengelernt

Auch Ulrich Conrads kam durch einen alten Kreditvertrag im Nachlass eines seiner Ur-Ur-Großelternpaare auf die Idee, den genauen Wortlaut zu erfahren. Seine Erinnerung an seine Grundschulzeit in Paffenlöh: „Im dritten Schuljahr wurden uns die seltsamen Buchstaben kurz vorgestellt – danach versank dieses Fach völlig.“

Außer den Nachmittagen vor der immer noch provisorischen Leinwand unternimmt die Gruppe manchmal Exkursionen ins Kölner Historische Archiv, ins Schulmuseum Bergisch-Gladbach oder ähnlich adäquate Stätten.

Kontakt für Nachfragen unter Tel. 02174 6497145

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare