Sponsorenlauf

Grundschüler spenden mehr als 11.000 Euro

Auf dem Klettergerüst freuen sich die Schüler, zu ihren Füßen Schulverein, Flüchtlingshilfe und Bürgermeister.
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Auf dem Klettergerüst freuen sich die Schüler, zu ihren Füßen Schulverein, Flüchtlingshilfe und Bürgermeister.
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Kinder der Ernst-Moritz-Arndt-Schule rennen für die Flüchtlingshilfe.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Kjell bringt es auf den Punkt: „Ich würde gleich wieder laufen“, sagt der Achtjährige und blickt in den Himmel, aus dem es gerade wolkenbruchartig prasselt. „Auch wenn es regnet.“ 225 Grundschülerinnen und Grundschüler der Ernst-Moritz-Arndt-Schule in Hilgen können mit Fug und Recht richtig stolz auf sich sein: Sie sind gerannt, und das für den guten Zweck: Bei ihrem Sponsorenlauf kamen 11 320 Euro zusammen. Und diese erhält die Flüchtlingshilfe Burscheid. „Eine solche Summe auf einen Schlag haben wir überhaupt noch nie gekriegt“, zeigt sich Kassierer Manfred Jautelat überwältigt.

Kein Wunder also, dass am Montagabend alle nach Hilgen gekommen sind, um die Grundschüler zu feiern: Sogar Bürgermeister Dirk Runge hielt es da nicht länger im Rathaus, und auch Dagmar Zimmer und Bodo Jakob von der Flüchtlingshilfe freuen sich sichtlich über und mit den jungen Läufern. Und natürlich sind auch viele Eltern da, ebenso wie der Vorstand des Schulvereins, der aus der Vorsitzenden Claudia Frohwerk, Schriftführerin Isabelle Hoppe und Kassiererin Katrin Stevens besteht. Die zweite Vorsitzende Katrin Biermann fehlt an diesem Tag, „aber es wäre schön, wenn sie erwähnt wird, sie gehört dazu und hat mitgeholfen“ – das ist ihren Vorstandskolleginnen wichtig.

Für uns als Stadt eine Riesenhilfe.

Dirk Runge über die Flüchtlingshilfe

Ein großer symbolischer Scheck wechselt den Besitzer. „Jetzt“, heben Dagmar Zimmer und Manfred Jautelat hervor, „warten wir auf Anträge. Denn wir wollen das Geld ja nicht horten, sondern ausgeben und helfen.“ Wichtig: Geld beantragen können nur in Burscheid wohnhafte Flüchtlinge. „So haben wir es in der Satzung festgelegt“, sagt Manfred Jautelat, der sich um die Kasse kümmert.

Seinen Anfang nahm in der Schule alles mit dem Wunsch, „etwas zu machen“: So beschreibt es Claudia Frohwerk. Denn das Thema Krieg und Flüchtlinge werde ja auch in den Klassen thematisiert und beschäftige die Schüler und Schülerinnen. „Und inzwischen besuchen ja auch Kinder aus der Ukraine die Ernst-Moritz-Arndt-Schule.“

Zuerst dachte der Schulverein an einen Flohmarkt

Klar war also: Alle wollen helfen. Aber wie? „Unseren Wunsch haben wir an Schulleiterin Sonja Tippel herangetragen und gemeinsam überlegt“, schildert Claudia Frohwerk. „Zuerst haben wir an einen Flohmarkt gedacht.“ Doch dann kam der Sponsorenlauf ins Spiel. Gedacht, getan. Eltern, Großeltern, Freunde und Anverwandte wurden zwecks Geldspende aktiviert und der Sportplatz in Hilgen für zwei Tage gebucht. Von Klasse 1 bis Klasse 4 traten alle an. „Wir haben vorher auch ein Ausdauertraining gemacht“, erzählt Dominik aus der 3b. 30 Minuten hatte jeder und jede auf der 250 Meter langen Runde Zeit, und es galt die Devise von Sportlehrer Tschacher: „Gehen und Rennen, alles ist erlaubt außer Stehenbleiben.“ Er sei 18 Runden gelaufen, sagt Dominik: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe.“

Der Schulverein war mit Anfeuerung und stärkenden Getränken zur Stelle. Denn Sponsorenläufe kennt man bereits durch den Circus Proscho, der gerade wieder in Hilgen gastiert: „Alle vier Jahre ist er unser Schulprojekt. Dafür brauchen wir Geld, und da gab es auch schon Sponsorenläufe“, sagt Isabelle Hoppe.

Geld oder der Mangel daran ist derzeit ein großes Thema im Schulverein. „Wir organisieren unsere Jahreszeitenfeste, wie unser großes Schulfest im Frühjahr“, erzählt Hoppe. Doch diese Einnahmequellen brachen in der Pandemie komplett weg: „Wir hatten nur noch unsere Mitgliederbeiträge.“ 12 Euro im Jahr kostet die Mitgliedschaft – und der Schulverein würde sich wünschen, dass sich noch mehr Eltern beteiligen. Dann sind Aktionen wie die Runde Eis für alle vor den Sommerferien doch leichter möglich.

Als reinen „E-Mail-Verein“ bezeichnet die Vorsitzende Dagmar Zimmer bescheiden die Flüchtlingshilfe. Aber diese, 2015 in der Hochphase der Flüchtlingskrise gegründet, ist doch weitaus mehr, nämlich eine schnelle unbürokratische Hilfe. „Wir bekommen Anträge, schicken sie untereinander herum und beschließen dann.“ Leibhaftig kommt man höchstens zweimal im Jahr zusammen. Das Ziel: unkompliziert helfen zu können. Spenden und Aktionen wie jetzt der Sponsorenlauf machen es möglich. „Für uns als Stadt ist der Verein eine Riesenhilfe“, sagt Bürgermeister Dirk Runge. „Einfach eine tolle Ergänzung, für die wir dankbar sind.“

Hintergrund

140 Flüchtlinge aus der Ukraine leben derzeit in Burscheid, sagt Bürgermeister Dirk Runge. Tendenz: sinkend. Mit den Zuweisungen sei das anders: „Für die kommende Woche sind uns wieder Zuweisungen angekündigt worden.“ Die Zuweisung richtet sich nach einem Verteilschlüssel.

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