Duo groovt gekonnt durch die südlichen Rhythmen

Ein leicht verschatteter Alt: Blanca Núnez ließ das Schwere leicht erscheinen. Foto: Peter Klohs
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Ein leicht verschatteter Alt: Blanca Núnez ließ das Schwere leicht erscheinen. Foto: Peter Klohs

Latin Jazz: Im Kulturbadehaus traten Bianca Núnez und Norman Peplow auf

Von Peter Klohs

„Die Burscheider Jazztage gehen weiter“, scherzte Jelle von Dryander, Vorsitzende des Kulturvereins am Sonntagabend im Kulturbadehaus und bezog sich damit auf die für eine Kleinstadt von nicht einmal 20 000 Einwohnern enorme Dichte an erstklassigen Jazzkonzerten. Blanca Núnez, aus Spanien stammende Multiinstrumentalistin und ihr Duo-Partner, der Keyboarder Norman Peplow, waren zu Gast. 50 Besucher wären im Kulturbadehaus zugelassen. Es waren die Hälfte. „Wir sind halt sehr vorsichtig“, sagte von Dryander.

Zunächst fällt die sehr eigene Stimme der spanischen Sängerin auf: leicht verschattet, ein nebliger Alt, der sich nicht scheut, in höhere Bereiche zu tauchen. Blanca Núnez schreibt ihre Texte auf Spanisch, erklärt den Zuhörern jedoch Bedeutung und Titel der Songs. Direkt zu Beginn des Konzertes, „An Land“ heißt das Stück, darf sich das Publikum an hinreißendem Scat-Gesang erfreuen.

Bei vielen Stücken spielt Núnez Percussioninstrumente (Shaker, kleine Rasseln), die den südeuropäischen Rhythmus noch verstärken. Das groovt. Auch die Gitarre kommt zum Einsatz.

Und schon im zweiten Stück des Abends kommen die ganzen Stärken des Duos zum Tragen: Eine fließende, harmonie- und akkordreiche Komposition („Haus des Winters“) mit exquisiter Pianobegleitung, die leicht verändert durchaus von Egberto Gismonti stammen könnte, sehr komplex und beinahe naiv zugleich, ein immer wieder deutlich zu hörender Charakter in der südeuropäischen und südamerikanischen Musik.

Norman Peplow hat ein langes Solo, das er – wie alle seine Soli an diesem Abend – nicht übermäßig virtuos gestaltet, sondern musikdienlich eine Geschichte erzählt. Das Motto „Schaut mal, was ich kann!“ ist für Musiker seiner Güte sowieso obsolet. Komponieren und arrangieren kann Peplow auch, wie das Stück über die Welt, die stehenbleibt, beweist: Anspruchsvolle Harmoniewechsel von eher herben Charakter, durchzogen von einer Melodie, die durch ungewöhnliche Tonsprünge charakterisiert wird und sehr schwer zu singen ist. Für Blanca Núnez wirkt das Stück leicht, und sie singt es mehr als tadellos.

Auch das ist ein Fixpunkt an diesem Abend: Gute Musiker schaffen es immer wieder, das musikalisch Schwere als sehr leicht erscheinen zu lassen. Das gelingt dem Duo auf beeindruckende Weise. „Ich habe am Anfang meiner Karriere viele traurige Lieder geschrieben“, erzählt Núnez dem Publikum. „Aber irgendwann hat es dann gereicht.“ Das Lied „Nach Vorne“ ist ein schönes Zeugnis dafür, dass sie auch Temperamentvolles schreiben kann.

Und der offizielle Teil des Konzertes endet mit „Allein“, mit einem für jazzunerfahrene Ohren hoch komplexen Thema, das schwer zu durchschauen und noch schwieriger zu singen ist. Zur Zugabe wird kurz umgebaut, denn der Mikrofonständer muss ans Piano, wo Blanca Núnez Platz genommen hat und sich selbst begleitet. Und zur zweiten Zugabe gibt es noch ein Stück im Samba-Rhythmus, dass – so Núnez – „zu viele Akkorde hat. In unserer Band ist der Bassist verrückt darüber geworden.“ 80 Minuten Duo-Jazz auf sehr hohem Niveau. Fortsetzung dringend erbeten.

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