Friedhof

Grabpflege wird bei Rückgabe zur Minimalpflege

Friedhelm Stöcker am Familiengrab auf dem Friedhof an der Altenberger Straße. Der Unkrautwuchs bestürzt den 73-Jährigen. Fotos: Nadja Lehmann
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Friedhelm Stöcker am Familiengrab auf dem Friedhof an der Altenberger Straße. Der Unkrautwuchs bestürzt den 73-Jährigen.
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Friedhelm Stöcker zeigt sich enttäuscht über den Zustand des Familiengrabs, das er fünf Jahre vor Ablauf zurückgab

Burscheid. Friedhelm Stöcker steht still auf dem Friedhof an der Altenberger Straße und blickt hinunter auf das Grab seiner Eltern. „Wenn das bis 2023 so bleiben soll, tut mir das weh“, sagt er und weist auf das üppig sprießende Grün. Unkraut hat sich angesiedelt, mitten auf dem Grab lugt ein kleiner Ahorn hervor. Nein, so habe er sich das nicht vorgestellt, sagt Stöcker über das Doppelgrab, in dem neben seinen Eltern und Großeltern auch Onkel und Tante ruhen.

Stöcker erzählt ein bisschen von seiner Familie: Vom Vater, der es bis zum 2. Vorsitzenden in der Sparkasse brachte, von der Kindheit in Blasberg und später an der Hauptstraße, wo die Eltern gebaut hatten. Heute lebt der 73-Jährige in Leverkusen, aber er fühlt sich noch immer als Burscheider, wie er bekennt. 1992 starb seine Mutter, 1993 der Vater, „ganz überraschend“, sagt Stöcker, er habe ihn friedlich im Bett gefunden. Bestattet wurden beide im Familiengrab.

„Im vergangenen Oktober kam dann das Unkraut.“

Friedhelm Stöcker ist enttäuscht

Dieses hat eine Laufzeit bis 2023. Ende 2019 entschied sich Friedhelm Stöcker, das Grab vorzeitig zurückzugeben und stellte bei der Stadt einen dementsprechenden Antrag, dem auch stattgegeben wurde: Die Grabstelle werde durch die Technischen Werke Burscheid abgeräumt und einer damit beauftragten Gärtnerei zur Pflege übergeben – bis zum regulären Ablauf im Juli 2023, bestätigte die Stadtverwaltung im Sommer 2020. „Und im vergangenen Oktober kam dann das Unkraut“, sagt Stöcker.

Das Wunschbeispiel von Stöcker: Mit Mulch und zwei Pflanzen.

Wunderdinge erwarte er nicht, betont er und zeigt auf ein in der Nähe liegendes Grab, in dessen Erde ebenfalls das Hinweisschild „Pflege Stadt Burscheid“ steckt. „So wie dort, zwei Pflänzchen und mit Mulch abgedeckt, das wäre mein Wunsch.“

„Die Friedhofsverwaltung hatte eine deutliche Steigerung der Anfragen nach vorzeitiger Rückgabe des Nutzungsrechts verzeichnet“, berichtet Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss. Erfahrungen hätten gezeigt, dass viele Angehörige aus verschiedensten Gründen nicht mehr in der Lage seien, die Grabstätten entsprechend zu pflegen. „Das Problem war auf dem Friedhof gut sichtbar; in Form von ungepflegten Gräbern und unzufriedenen Grabnutzern wegen Unkraut und Überwüchsen.“

Der Rat der Stadt habe deshalb in seiner Sitzung im März 2018 die Friedhofssatzung geändert, erklärt Bergfelder-Weiss. „Einstimmig wurde beschlossen, dass Nutzungsrechte an Wahlgrabstätten für die letzten fünf Jahre des Nutzungsrechts vorzeitig zurückgegeben werden können.“ Damit wurde dem Wunsch vieler Hinterbliebener Rechnung getragen, Grabstätten vor Ablauf der jeweiligen Ruhefrist je nach Art des Grabes (beispielsweise 30 Jahre für Sargbestattung und 20 Jahre für Urnenbestattung) zurückzugeben. „Die Satzungsänderung ist mit Wirkung vom 1. April 2018 in Kraft getreten. Die Änderung der entsprechenden Friedhofsgebührensatzung folgte“, so Bergfelder-Weiss.

Mit der vorzeitigen Rückgabe verbunden sei die weitere Pflege der Grabstätte bis zum Ablauf der Ruhefrist durch einen von der Stadt beauftragten Friedhofsgärtner. „Bei den in der Friedhofssatzung angebotenen Leistungen in Zusammenhang mit der vorzeitigen Grabrückgabe handelt es sich um eine Minimalpflege“, betont Bergfelder-Weiss. „Diese beinhaltet das Abräumen der Grabstelle, das Herrichten und Bepflanzen – in Form vom Auffüllen mit Komposterde und dem Setzen einer Solitärpflanze.“ Diese Kosten werden den Nutzungsberechtigten vorab in Rechnung gestellt.

Unkrautentfernung gehört zu den Grundpflegeleistungen

Die Stadt pflegt die Gräber nicht selbst, sondern hat diese Arbeiten auf Basis der Friedhofssatzung ausgeschrieben. Die damit verbundenen Gebührentarife hat der Rat im März 2019 in die Friedhofsgebührensatzung aufgenommen und festgelegt.

Die Abräumgebühren richten sich nach dem tatsächlichen Aufwand. „Sie werden vor Antragstellung bei den Technischen Werken Burscheid abgefragt und erst dann in den Kostenvoranschlag übertragen. Die Kosten sind daher variabel“, unterstreicht die Stadtsprecherin (| Infokasten).

Nach dem Abräumen kommt die Pflege. Zwar beinhalteten die von der Stadt beauftragten jährlichen Pflegearbeiten durch einen Fachbetrieb fünf Mal Unkrautentfernung, und zwar im März, Mai, Juli, September und November, sagt Renate Bergfelder-Weiss.

„Aber diese Grundpflegeleistungen sind nicht vergleichbar mit einem durch Friedhofsgärtnereien privat abgeschlossenen Pflegeverträge, die einen deutlich höheren Pflegestandard beinhalten.“

Gebühren bei vorzeitiger Rückgabe

Abräumung der Grabstellen: Personalkosten inklusive Fahrzeug- und Gerätepauschale je angefangene Stunde und Person 54,80 Euro. Entsorgung je angefangene Gewichtseinheit/Abfallart 30 Euro.

Vorbereitung und Anlage: Wahlgrab/Reihengrab (je Grabstelle) 67 Euro. Urnenwahlgrab 47 Euro.

Jahrespflege: Wahlgrab/Reihengrab je Jahr 76,50 Euro, für jede weitere zugehörige Wahlgrabstelle je Jahr 27 Euro. Urnengrabstelle je Jahr 39,50 Euro.

Verwaltungsgebühren: Hinzukommen Verwaltungsgebühren für die Verfahrensabwicklung durch die Friedhofsverwaltung in Höhe von pauschal 56 Euro.

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