Firmengründer

Goetze-Büste rückt ins Licht der Öffentlichkeit

Gemeinsam heben Michael Hedderich (Geschäftsführer der Firma Tenneco) und Bürgermeister Stefan Caplan (r.) das Tuch an: Darunter verbirgt sich die Goetze-Büste. Foto: Doro Siewert
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Gemeinsam heben Michael Hedderich (Geschäftsführer der Firma Tenneco) und Bürgermeister Stefan Caplan (r.) das Tuch an: Darunter verbirgt sich die Goetze-Büste.

Kleine Feierstunde in der Stadtbücherei betont die wichtige Rolle des Firmengründers.

Von Sabine Naber

Als Bürgermeister Stefan Caplan am Mittwochabend in der Stadtbücherei die Büste des Firmengründers Friedrich Wilhelm Goetze im kleinen Kreis enthüllte, da betonte er vor allem die wichtige Rolle, die die früheren Goetze-Werke und das heutige Unternehmen Tenneco/Federal Mogul in Burscheid spielen. Lange war die Büste in Vergessenheit geraten, hatte wohl einmal in der Friedrich-Goetze-Hauptschule gestanden, dann aber im Stadtarchiv ein Schattendasein geführt. Bis Ratsmitglied Ulrich Conrads (FDP) die Initiative ergriffen hatte und sie jetzt einen Platz am Fenster in der Bücherei bekam.

„Wir wollten sie hier aufstellen, wussten aber zunächst nicht, wie. Sie einfach auf ein Regal stellen, das schien uns unpassend. Da half das große Unternehmen und hat einen entsprechenden Sockel dafür angefertigt“, betonte Caplan. Tenneco-Geschäftsführer Michael Hedderich erinnerte an die beeindruckende Leistung Friedrich Wilhelm Goetzes, der aus kleinen Verhältnissen gekommen sei und „eine ganze Menge“ aufgebaut hatte. „Es ist deutlich geworden, wie lange man schon als Stadt von diesem Familienunternehmen, dieser Leistung profitiert.“ Arbeitsplätze hätten hier gehalten werden können, zurzeit seien es rund 1 850. Bisher sei das gut gelungen.

Stadtarchivar Sascha Kempf ließ im Anschluss an die Enthüllung das Leben von Friedrich Wilhelm Goetze Revue passieren und betonte einmal mehr die Bedeutung Goetzes für Burscheid. „Er wurde am 27. November 1856 in Eilenburg in Sachsen als siebtes von neun Kindern geboren. In dem Jahr, in dem Burscheid die Stadtrechte erhielt“, erzählte Kempf. Eine Zeit, in der der Siegeszug der Eisenbahn begonnen habe. In einer Lokomotivfabrik in Erfurt ließ sich Goetze zum Maschinenschlosser ausbilden. Fünf Jahre später beteiligte er sich als Lokomotivführer der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft am Bau der Bahnstrecke Opladen-Lennep.

„Die Büste einfach auf ein Regal zu stellen, erschien uns unpassend.“

Stefan Caplan, Bürgermeister

„1881 ließ sich Goetze in Burscheid nieder, heiratete und arbeitete als Maschinenmeister. Nebenher mietete er eine Werkstatt und entwickelte eine besondere Art von Metall-Dichtungsringen. Sie waren bald überall gefragt.“ Im Juli 1887 gründete er in Burscheid-Thielenmühle einen eigenen Betrieb, und bald darauf habe sich die Werkstatt schon als zu klein erwiesen. 1890 errichtete er das erste Fabrikgebäude auf dem Gelände des jetzigen Goetze-Werkes I in Burscheid. 1895 kam eine eigene Gießerei dazu.

„Als die Fabrik 1899 durch einen Brand zerstört wurde, nutzte Goetze die Gelegenheit, das Unternehmen moderner wieder aufzubauen. Und er expandierte in die USA.“ Denn 1904 hatte er sich an der Weltausstellung in St. Louis beteiligt, wofür er eine goldene Medaille erhalten hatte. Grundsteinlegung sei 1911 in New Brunswick gewesen, aber mit dem Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkrieg sei das Unternehmen später beschlagnahmt worden. „Im Krieg musste die Produktion bei Goetze auf Kriegsgüter umgestellt werden. Nach dem Krieg kam die Fabrik in eine schwierige Lage. Goetze übergab sie seinen Söhnen. 1924 – kurz vor seinem 70. Geburtstag – verstarb er“, sagte Kempf. Und betonte, wie erfreut er sei, dass die Büste in der Stadtbücherei einen guten Platz gefunden habe und dass das Andenken in Ehren gehalten würde.

Wer die Büste erschaffen hat, muss noch herausgefunden werden

Wer die Bronze-Büste, auf der die Initialen M.F. zu sehen sind, geschaffen hat, das ist nicht – oder besser gesagt, noch nicht – bekannt. Bei der Stadt will man es jetzt recherchieren. Geplant ist, die Büste noch in diesem Jahr einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Wenn es bis dahin noch nicht gelungen ist, den Namen des Künstlers herauszufinden, dann hofft man, dass eine Bürgerumfrage das Geheimnis lüften kann.

Hintergrund

Unterstützung: Die Burscheider Stadtbücherei hat der Friedrich Goetze AG viel zu verdanken. Eine großzügige Spende von rund 700 000 D-Mark hatte damals dazu beigetragen, dass die Stadtbücherei 1989 an dieser Stelle am Markt wieder ihre Tore für die Öffentlichkeit öffnen durfte. Auch das schmiedeeiserne Schild über dem Eingang in Form eines aufgeschlagenen Buches mit dem Burscheider Stadtwappen ist ein Werk von Auszubildenden der Firma Goetze.

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