Frauenquote

Gleichstellung bleibt oben auf der Agenda

In der Burscheider Verwaltung arbeiten viele Frauen. Der Übernahme der TWB-Mitarbeiter hat die vorgeschriebene Quote jedoch verändert.
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In der Burscheider Verwaltung arbeiten viele Frauen. Der Übernahme der TWB-Mitarbeiter hat die vorgeschriebene Quote jedoch verändert.
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Frauenanteil im Burscheider Rathaus in den vergangenen zwei Jahren von 71,1 auf 57 Prozent gesunken.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Das gefiel Sabine Rusch-Witthohn überhaupt nicht. Als die Burscheider Grünen-Politikerin im Hauptausschuss auf die selbst verordneten Ziele für 2023 blickte, fehlte ihr Wesentliches: Für das Stichwort „Gleichstellung“ blieb das Feld in der Tabelle leer bzw. stand dort nur lapidar „kein Ziel“.

„Ich bin verwundert“, merkte Rusch-Witthohn an. „Die Gleichstellung müsste doch eigentlich ein fortlaufendes Ziel sein.“ Ein ganz konkretes hatte Rusch-Witthohn auch gleich parat: dass nämlich Führungspositionen zu 50 Prozent von Frauen eingenommen werden sollten. „Und da ist ja noch einiges zu tun“, befand die Grünen-Politikerin.

Die Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Detering war für eine Antwort im Haus der Kunst gleich zur Stelle, hatte sie doch pünktlich zur Sitzung ihren Bericht zur Umsetzung des Gleichstellungsplans 2019-2023 vorgelegt. Und im Prinzip war sie sich mit Rusch-Witthohn sogar einig: dass nämlich noch einiges zu tun ist. Aber: „Die Gleichstellung ist ja unsere originäre Aufgabe. Unser täglicher Job.“ Und das müsse man deshalb nicht eigens unter „Ziele“ verankern. Die Mehrheit der Ortspolitiker sah das bei einer Abstimmung genauso und erteilte Rusch-Witthohns Wunsch eine Absage.

Dabei schwächelt die Verwaltung gerade selbst etwas, wie im Gleichstellungsplan deutlich wird. Traditionell ist der Frauenanteil im Öffentlichen Dienst hoch, das bleibt im Burscheider Rathaus mit 57 Prozent (Stand: Juni 2022) zwar auch aktuell so, dennoch ist er im Vergleich zu 2020, als er 71,1 Prozent betrug, deutlich gesunken. Eine Rolle spielt dabei, so listet es der Bericht auf, die Übernahme der überwiegend männlichen Beschäftigten der Technischen Werke Burscheid in die Reihen der Verwaltung. Dadurch stieg die Zahl der Mitarbeitenden um 30. Hintergrund: Die quasi outgesourcten Technischen Werke (TWB), die als Anstalt öffentlichen Rechts firmierten, wurden wieder in die Verwaltung zurückgeführt.

Dadurch sinkt in der Gruppe der tariflich Beschäftigten der Frauenanteil auf 56 Prozent. Bei den Beamten liegt die Frauenquote mit Stichtag 30. Juni bei 64 Prozent. Das Landesgleichstellungsgesetz schreibt eine Frauenquote von mindestens 50 Prozent vor – dies wird somit in beiden Bereichen erfüllt.

Anders sieht in der Laufbahngruppe I.2 aus, in welche die TWB-Beschäftigten eingegliedert wurden: Durch die 22 Männer und lediglich drei Frauen fällt die Frauenquote unter 50 Prozent. Gleiches gilt für die Laufbahn II.2, in die ein TWB-Mitarbeiter übernommen wurde, zusätzlich zu zwei Frauen und zwei Männern, die von II.1 in II.2 befördert worden waren.

In Teil- und Elternzeit machen sich die Männer rar

Teilzeit und Elternzeit sind Themen, in denen Männer sich rar machen. In Elternzeit befanden sich zum Stichtag 30. Juni vier Frauen, die allesamt der Laufbahn I.2 angehören. Kein Mann nahm Elternzeit in Anspruch. „Elternzeit ist nach wie vor eine Domäne der Frauen“, heißt es im Gleichstellungsplan.

Insgesamt beschäftigt die Stadt 128 Mitarbeitende; sie teilen sich auf in 73 Frauen und 55 Männer. Zur Führungsebene II.2 zählen vier Frauen und fünf Männer. Mit Stichtag 30. Juni gibt es unter den Dezernenten zwei Männer und keine Frau, unter den Amtsleitern fünf Frauen und drei Männer. Die Stelle des Beigeordneten ist in der aktuellen Statistik noch unbesetzt: Marc Baack wurde erst im September in die neue, lange unbesetzt gebliebene Position gewählt.

Zurück zu den Zielen 2023 im Hauptausschuss. Ob ein Bewerbungsmanagementsystem zielführend und wirtschaftlich sei, hatte die Verwaltung als zu prüfendes Ziel genannt, und Michael Baggeler (Bündnis für Burscheid) fragte nach, was es damit auf sich habe. „Das ist quasi eine Excel-Liste und ein Modul, mit dem einiges automatisierter ablaufen würde“ antwortete Bürgermeister Dirk Runge. Klaus Becker warnte indes vor zu großen Hoffnungen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende: „Bei meinem Arbeitgeber hatten wir auch so etwas. Wir hatten uns viel davon versprochen. Aber es machte eine Heidenarbeit. Wir haben das nach drei Jahren wieder abgeschafft.“

„Erhöhung der Zahl der aktiven Mitglieder durch gezielte Aktionen“, war als Ziel bei der Feuerwehr formuliert. Das sah Horst Buttkus (CDU) kritisch: „Das sollte nicht als Ziel der Verwaltung genannt werden. Sie kann nicht beeinflussen, ob die Feuerwehr neue Mitglieder akquiriert.“ Es sei als Zeichen der Unterstützung gedacht gewesen, sagte Amtsleiter Holger Wilke, nachdem Corona Veranstaltungen, bei denen die Feuerwehr für sich hätte werben können, vereitelt hätte.

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