Glasperlenspiel setzen auf Vielfalt und Freundschaft

Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg sind auch privat ein Paar. Foto: Arton Sefa/Universal Music
+
Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg sind auch privat ein Paar.

Das Elektro-Pop-Duo tritt am 21. August beim „Liebe und Musik Open Air Festival“ in Remscheid auf.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Frau Niemczyk, Herr Grunenberg, nach acht goldenen sowie drei Platin-Schallplatten für Ihre Alben kommen Sie – Glasperlenspiel – am 21. August nach Remscheid. Was erwartet die Gäste?

Daniel Grunenberg: Wir haben uns was ganz Spezielles überlegt für Remscheid: Wir starten eine große Party – 90 Minuten lang mit all unseren Songs im Remix. Vor allem freuen wir uns, dass wir nach einem Jahr wieder auftreten dürfen. Für uns als Künstler ist es aber auch immer noch eine unsichere Zeit. Es ist nichts wie vor Corona. Dennoch haben wir bei Autokinokonzerten bereits letztes Jahr gemerkt, dass man trotzdem eine coole Party feiern kann. Carolin Niemczyk: Wir freuen uns einfach extrem, nach dieser langen Zeit live in Remscheid zu spielen.

Wie würden Sie Ihre Musik selbst beschreiben?

Niemczyk: Als Elektro-Pop, oder Popmusik mit vielen elektronischen Einflüssen von Bands, die wir mögen. Das Elektronische und Tanzbare kommt live noch besser raus. Elektronische Musik passt einfach am besten zu uns. Wir können dabei wandelbar sein, uns ausprobieren. Wir lieben es, mit Sounds zu experimentieren.

Zuletzt haben Sie mit Rapper Moe Phoenix die Single „Sonne“ herausgebracht. Worum geht es darin?

Niemczyk: Der Song ist aus der Corona-Depression heraus entstanden. Er beschreibt die Sehnsucht nach Sonne, nach Wärme und nach Zwischenmenschlichem, dieses Klima, das die meisten beschäftigt hat – so wie auch uns. Wir brauchen die Sonne im eigentlichen Sinne, aber auch unsere sozialen Kontakte, unsere Freunde. Den Song spielen wir auch in Remscheid.

Angefangen hat Glasperlenspiel Anfang der 2000er als Schülerband, danach kam das Stockacher Bandprojekt „Keine Zeit“. Beide hatten auch christliche Themen zum Inhalt. Wie viel ist davon heute noch übrig?

Niemczyk: Die Schülerband war mehr eine Coverband. Auch damals haben wir schon angefangen, eigene Songs zu schreiben. Aber ich denke, wir haben dort Werte mitgenommen, die immer noch existent sind. Uns sind positive Werte wichtig und eine positive Einstellung zum Leben. Egal, wie oft man hinfällt, es ist wichtig, wieder aufzustehen. Das ist unser Credo, das begleitet uns auch heute noch. Grunenberg: Man wird älter und stellt dabei auch einiges in Frage. Freundschaft ist uns sehr wichtig. Unser Leitspruch ist: Behandele jeden Menschen so, wie du selbst auch behandelt werden willst. Wir setzen uns zudem für Vielfältigkeit ein. Das drücken wir auch in unseren Songs aus. Jeder ist so, wie er ist. Und das ist gerade in unserer heutigen Zeit immens wichtig. Denn wir sind noch immer auf dem Weg.

„Jetzt sind wir richtig heiß.“

Daniel Grunenberg freut sich auf die Konzerte nach dem Lockdown

Muss man auch als Profi nach so langer Zeit ohne Auftritt erst mal üben?

Niemczyk: Ja, denn die Stimme ist ja ein Muskel, der sich abbaut, wenn man ihn nicht trainiert. Grunenberg: Man kann es mit einem Sportler vergleichen: Er braucht seine Trainingseinheiten. Aber jetzt wir richtig heiß – das macht ne Menge wett.

Wie kam es eigentlich zum Bandnamen Glasperlenspiel?

Grunenberg: Wir waren in Berlin zu Gesprächen mit Verlagen und Managern, als wir gefragt wurden: Was habt ihr, was die anderen nicht haben? Da haben wir gesagt: Wir haben ein Instrument selbst gebaut, eine Art elektronisches Glockenspiel. Wir hatten aber bis dahin keinen Namen dafür. Bei der Namenssuche sind wir auf den Roman von Hermann Hesse gestoßen. Es ist das schwierigste Buch, das ich je gelesen habe. Aber es geht darin um bestimmte Wertvorstellungen, um eine Lebensglücksformel. Es fiel immer wieder der Satz: ,Mit dem Glasperlenspiel ist alles möglich.‘ Das fanden wir passend – und haben nicht nur das Instrument danach benannt, sondern auch unsere Band. Das Instrument stand jetzt übrigens anderthalb Jahre im Lager, ich hoffe, ich kriege es wieder hin (lacht).

Wer ist für die Texte verantwortlich?

Niemczyk: Ich ein bisschen mehr als Daniel, aber wir arbeiten auch viel zusammen.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Niemczyk: Meistens aus dem Alltag oder aus Geschichten, die man erzählt bekommt. Wir hatten während Corona viel Zeit, saßen hier im Studio und haben an neuen Songs gearbeitet. Da hat man gemerkt, dass es sehr davon abhängt, was um einen herum passiert und was man erlebt – oder eben nicht. Die Songs sind schon sehr stimmungsabhängig. Grunenberg: Unsere Branche wurde hart getroffen. Da stellt man sich schon mal die Frage: Wann scheint wieder die Sonne? So geht es ja jedem von uns. Aber wir haben so viele neue Songs geschrieben, und wir freuen uns, diese bald zu präsentieren.

Wie geht es nach Remscheid für Sie weiter?

Grunenberg: Wir haben zum Glück eine kleine Tour. Ich bin so froh darüber. Am Anfang haben wir noch gestreamt. Das war zuerst noch lustig, aber irgendwann konnte ich das nicht mehr. Denn das Streaming ist nicht unser Anspruch und auch nicht der unserer Fans. Ich bin Soundfanatiker, es muss immer echt gut klingen, und das geht am besten live.

Sie sind nicht nur ein Musik-Duo, sondern auch privat ein Paar. Wie gelingt das?

Grunenberg: Ganz ehrlich? Keine Ahnung (lacht). Ich glaube, es liegt auch daran, dass wir ganz unterschiedliche Menschen sind, wir ergänzen uns. Und es ist immer toll, die Vertrauensperson dabei zu haben. Niemczyk: Wir haben schon viele megacoole Sachen zusammen erlebt, das schweißt zusammen.

Die Band & das Konzert

Zur Band: 2003 in Stockach gegründet, haben sich Glasperlenspiel als eine der erfolgreichsten Elektropop-Formationen Deutschlands etabliert. Für ihre bislang vier Alben wurden sie mit acht goldenen sowie drei Platin-Schallplatten ausgezeichnet. Seit 2014 singen Glasperlenspiel die Titelmusik der RTL-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Der Song „Geiles Leben“ hielt sich mehr als ein Jahr in den deutschen Single-Charts.

Das Konzert: Glasperlenspiel treten am Samstag, 21. August, ab 20 Uhr beim „Liebe & Musik Open Air Festival“ auf dem Remscheider Schützenplatz auf. Karten gibt es ab 72 Euro je Zweier-Lounge. Für Inhaber der RGA-Karte gibt es 10 Prozent Rabatt.

remscheid-live.de

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Hilgener sagen schweren Herzens ihr Schützenfest ab
Hilgener sagen schweren Herzens ihr Schützenfest ab
Hilgener sagen schweren Herzens ihr Schützenfest ab
Quintett kennt kein musikalisches Korsett
Quintett kennt kein musikalisches Korsett
Quintett kennt kein musikalisches Korsett
Soforthilfen können beantragt werden
Soforthilfen können beantragt werden
Soforthilfen können beantragt werden
Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare