Gläubige genießen es, live in der Kirche zu sein

Pfarrerin Annerose Frickenschmidt konnte in den Kirchen in Dünweg und Burscheid wieder in Gesichter blicken: Ein unmittelbarer Kontakt, der allen guttat. Foto: Doro Siewert
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Pfarrerin Annerose Frickenschmidt konnte in den Kirchen in Dünweg und Burscheid wieder in Gesichter blicken: Ein unmittelbarer Kontakt, der allen guttat.

Evangelische Kirchengemeinde bat am Sonntag erstmals wieder zu Präsenzgottesdiensten

Von Ursula Hellmann

Um 9.20 Uhr am gestrigen Sonntagmorgen war es zunächst noch sehr ruhig rund um die evangelische Kirche in Burscheid-Mitte. Als die Glocken erklangen, tröpfelten doch Besucher durch die weit geöffnete Tür in den beleuchteten Gottesdienstraum. Ein Kopfnicken hier, ein Lächeln unter Masken – es hieß so viel wie: Lange nicht gesehen und doch wiedererkannt.

Am Eingang befanden sich die bereits gewohnten Corona-Sicherheits-Vorrichtungen. Hände desinfizieren – dann eine Anmeldung ausfüllen und einen der gekennzeichneten Sitzplätze wählen. Einige Burscheider brachten bereits ausgefüllte Adresszettel mit. Eventuell hatten sie diese kleinen Vorlagen seit den Adventsgottesdiensten im vergangenen Jahr aufbewahrt, in der starken Hoffnung, bald wieder live in der Kirche zu sitzen . . .

Vom 4. Advent an wurden die Gottesdienste lediglich im Livestream übertragen. Galt diese digitale Alternative vielen als vollwertiger Ersatz? Sigrid Linden sprach offen von ihren Gefühlen: „Es ist gut, dass es wenigstens diese Möglichkeit gab und, wie ich hörte, auch weiterhin gibt. Das Ganze hat natürlich auch Nachteile. Man wird leicht abgelenkt, man kann auch abschalten, wann man will. Ich finde, es geht nichts über live. Da ist mir persönlich eine begrenzte halbe Stunde unter Gleichgesinnten lieber als anonyme Bilder und Töne.“ Ähnlich ging es einem Senioren-Ehepaar. Trotz massiven Regens nahmen sie den ersten Präsenz-Gottesdienst gestern Morgen gerne wahr. Nach ihrer spirituellen Ersatzquelle befragt, sagten sie: „Auch wenn es möglich ist, im Fernsehen mehrere Sonntagsandachten hintereinander zu hören – es fördert auf Dauer keine menschliche Gemeinschaft.“

Auf einem Sitzplatz für Einzelpersonen saß der Witwer Horst Prange. Er findet sich mit der Situation in gutem Sinn ab: „Seit Jahrzehnten nutze ich eine Zeit am Tag, um mich mit dem Wort Gottes zu befassen. Es fällt mir leicht, dabei allein und konzentriert zu sein. Aber die sonntägliche Teilnahme am kompletten Gottesdienst nehme ich natürlich wahr.“ Im Andachtsteil, an dem viele das eigene Singen vermissen, erklang stellvertretend der klare Sopran von Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger mit vokalen Liturgie-Stücken von der Orgelempore herab.

In Dünweg folgte der zweite Gottesdienst

In Hilgen-Dünweg – ebenfalls unter Leitung von Pfarrerin Annerose Frickenschmidt – begann der erste Präsenzgottesdienst um 11 Uhr. Unter identischem Corona-Prozedere fanden sich 19 Besucher ein.

Unter ihnen auch Konfirmandin Evelyn und ihre Freundin Victoria. Warum entschlossen sich die Mädchen, den nasskalten Weg zur Kirche zu nehmen? Evelyn: „Wir haben uns gefreut, Bekannte wiederzusehen und wieder eine Live-Predigt mit Orgelmusik mitzuerleben.“ Pfarrerin Annerose Frickenschmidt konnte an beiden Predigt-Orten die Lesung aus der Bibel als mutmachende Perspektive vermitteln. Silke Hamburger hält den Kontakt zu den Mitgliedern der Kantorei mit digitalen Vorträgen zu musikfachlichen Themen aufrecht.

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