Gewerkschaft fordert für Rhein-Berg mehr Tarifverträge

Trotz Krise und Lockdown: Die Gewerkschaft NGG-Region Köln ruft das Hotel- und Gastgewerbe im Rheinisch-Bergischen Kreis auf, an Tarifverträgen festzuhalten. Foto: NGG-Köln
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Trotz Krise und Lockdown: Die Gewerkschaft NGG-Region Köln ruft das Hotel- und Gastgewerbe im Rheinisch-Bergischen Kreis auf, an Tarifverträgen festzuhalten. Foto: NGG-Köln

Krise trifft Geringverdiener hart – NGG verweist auf Studie und Verdienstunterschiede

Von Nadja Lehmann

Die Corona-Krise trifft ärmere Menschen härter als reichere. Geringverdiener zählen zu den Verlierern der Pandemie. Beschäftigten, die im Rheinisch-Bergischen Kreis nicht nach Tarif bezahlt werden, entgehen je nach Beruf und Betrieb monatlich mehrere hundert Euro. Darauf hat nun die Gewerkschaft Nahrung-GenussGaststätten (NGG) mit Blick auf neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes hingewiesen.

Pro Stunde kann das rund 5,39 Euro Verdienstunterschied ausmachen, so die Gewerkschaft. In Nordrhein-Westfalen verdienen danach Beschäftigte, die in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, im Schnitt 19,89 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifvertrag sind es 14,50 Euro.

„In der Corona-Krise wird diese Einkommenskluft teils noch größer. Denn wo ein Tarifvertrag gilt, stocken Firmen häufiger das staatliche Kurzarbeitergeld auf“, sagt Manja Wiesner von der NGG-Region Köln. Wer etwa in der Systemgastronomie (McDonald’s, Burger King) arbeite, komme in Kurzarbeit auf 90 Prozent des Netto-Einkommens – per tariflicher Regelung. In Hotels und Gaststätten ohne Tarifvertrag oder Betriebsrat seien Beschäftigte im Zuge der Pandemie hingegen deutlich häufiger von existenziellen Nöten betroffen – bis hin zur Sorge um ihren Arbeitsplatz.

„Umgekehrt sorgen Arbeitnehmervertreter aber auch dafür, dass zusätzliche Belastungen erträglich bleiben. So haben sich in der Ernährungsindustrie Arbeitszeitkonten bewährt, mit denen Auftragsspitzen, etwa durch Hamsterkäufe, bewältigt werden können“, erklärt Wiesner.

Fachpersonal wird auch nach der Krise gebraucht, sagt NGG

Die Gewerkschafterin ruft die Unternehmen im Lebensmittel- und Gastgewerbe dazu auf, sich gerade in Pandemiezeiten zu Tarifverträgen zu bekennen. Durch faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen könnten sie Fachpersonal halten, das auch nach der Krise dringend gebraucht werde, so Wiesner.

Zugleich profitiere die öffentliche Hand: Nach einer DGB-Studie würden die Einnahmen durch die Einkommenssteuer in Nordrhein-Westfalen um 1,3 Milliarden Euro steigen, wenn alle Beschäftigte nach Tarif bezahlt würden. Die Sozialversicherungen kämen auf ein Plus von 2,2 Milliarden Euro. Die Kaufkraft von Arbeitnehmern würde sogar um 3,2 Milliarden Euro wachsen. Die Ergebnisse der Studie sind im Internet abrufbar.

Nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung galt in Nordrhein-Westfalen zuletzt für 60 Prozent aller Beschäftigten ein Tarifvertrag. „Die sinkende Tarifbindung ist auch dafür verantwortlich, dass die Einkommenszuwächse trotz der vergangenen Boom-Jahre nur sehr dürftig ausfielen“, urteilt Manja Wiesner. Laut Statistischem Bundesamt wuchsen die Bruttoverdienste Vollzeitbeschäftigter in Nordrhein-Westfalen zwischen 2010 und 2019 preisbereinigt um sechs Prozent.

Mehr zu der Studie:

www.dgb.de/zukunftsdialog/tarif/tarifflucht-atlas

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