Gewerkschaft fordert Kulturwandel

Sommer, Sonne – und ein Besuch im Café. Allerdings sind viele Fachkräfte gegangen. Häufig muss nach dem Lockdown nun neues Personal angelernt werden. Foto: NGG
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Sommer, Sonne – und ein Besuch im Café. Allerdings sind viele Fachkräfte gegangen. Häufig muss nach dem Lockdown nun neues Personal angelernt werden.

Gastronomie hat bis auf Ausnahmen Fachpersonal verloren

Von Nadja Lehmann

Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen die Hotels und Gaststätten im Rheinisch-Bergischen Kreis eine dramatische Abwanderung von Fachkräften. Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Kreis rund 900 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt – das ist fast jeder vierte Beschäftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur mitteilt.

Angesichts weiterer Lockdowns bis in den Mai hinein dürfte sich der Personal-Schwund bis heute nochmals zugespitzt haben, befürchtet Manja Wiesner, Geschäftsführerin der NGG Köln und Region. „Ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können.“ Für die Lage macht die Gewerkschafterin insbesondere die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.“ Dann orientierten sich die Menschen neu.

„Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt“, sagt Wiesner.

Wer künftig Fachleute gewinnen wolle, müsse jetzt umdenken und sich zu armutsfesten Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. „Am Ende geht es um einen Kulturwandel.“ Nach Angaben der Bundesarbeitsagentur beschäftigte das Hotel- und Gaststättengewerbe im Rheinisch-Bergischen Kreis Ende 2020 3 128 Menschen. Genau ein Jahr zuvor waren es noch 4 027. Damit haben innerhalb eines Jahres 22 Prozent der Beschäftigten die Branche verlassen.

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