Abschied

„Getränke-Fuchs“ sagt treuen Kunden Tschüss

Ingeborg Kubitzki (4. v. l.) und ihr Team verabschieden sich von ihren Kunden und danken für die langjährige Treue. Foto: Doro Siewert
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Ingeborg Kubitzki (4. v. l.) und ihr Team verabschieden sich von ihren Kunden und danken für die langjährige Treue.
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Am Samstag schließt Ingeborg Kubitzki nach 24 Jahren ihren Markt an der Bahnhofstraße.

Von Jennifer Preuß

Burscheid. Ingeborg Kubitzki fällt es nicht leicht, am letzten Oktobertag den Schlüssel rumzudrehen. Dass damit die 24-jährige Unternehmensgeschichte von „Getränke-Fuchs“ endet, ist ihr noch gar nicht richtig klar. Ingeborg Kubitzki ist längst im Rentenalter, sie freut sich auf ihren Ruhestand. Ihren Alltag im Getränkemarkt werde sie aber dennoch vermissen. Später diese Zerrissenheit zu fühlen, hätte sie anfangs nicht für möglich gehalten.

Ihr Traum war es nicht, einen Getränkeabholmarkt zu führen. „Mein Mann hat das zusammen mit einem Freund ausbaldowert und zu mir gesagt: Du machst das! Begeistert war ich nicht“, berichtet Ingeborg Kubitzki, die ihre Zweifel hatte, ob sie in der Rolle der Inhaberin bestehen könnte. Eigentlich war die Burscheiderin Lehrerin. Ingeborg Kubitzki schmunzelt, wenn sie heute davon berichtet.

„Wir haben um jeden Kunden gekämpft.“
Ingeborg Kubitzki

Als ihre Kinder auf die Welt kamen, zog sie sich aus dem Schuldienst zurück, um voll und ganz für den Nachwuchs da zu sein. Später half sie bei der Betreuung im Offenen Ganztag einer Grundschule mit – bis ihr Ehemann andere Pläne mit ihr hatte. Heute sagt sie: „Ich würde es wieder so machen.“ Dabei waren die vergangenen Jahre keine einfachen. Die Konkurrenz zu den großen Ketten und deren Dumping-Preise machten dem kleinen Getränkemarkt in Hilgen zu schaffen. Betriebsferien gab es deshalb nie. Man wollte jederzeit für die Kunden da sein. Auf Anfrage wurde auch sonntags ein kühler Kasten Bier bereitgestellt. Ausgeliefert wurde natürlich auch. „Der Preiskampf hat uns immer mehr erdrückt. Wir haben um jeden Kunden gekämpft“, sagt Ingeborg Kubitzki. „Ich denke, wir haben uns durch Service und Freundlichkeit die Treue unserer Kunden erarbeitet.“

Und dann war da noch die Großbaustelle in Hilgen, die Kubitzki viel Kopfzerbrechen bereitete. Der Kundenstrom nahm in dieser Zeit ab. Statt sich auf dem Weg zum „Getränke-Fuchs“ in den Stau zu stellen, kaufte man Wasser, Cola und Co. halt woanders. Dass die Geschäftsfrau sich so viele Jahre wacker gehalten hat, führt sie auf die vielen treuen Kunden zurück, die sie teils ins Herz geschlossen hat.

Wer welche Getränke kauft, das haben Ingeborg Kubitzki und ihr Team sich schnell gemerkt. Man kam bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch, die selbstverständlich aufs Haus ging. Man plauderte über Geburten, Hochzeiten und Todesfälle. Auch von traurigen Erlebnissen kann sie berichten: „Einen Kunden hatte ich lange nicht mehr gesehen. Dann kam eine Frau mit einem Leergutkasten zu mir – von der Marke, die der Kunde immer gekauft hat. Ich habe sie gefragt, ob es ihrem Mann nicht gut geht. Und tatsächlich: Er war verstorben.“

Das bleibt genauso im Gedächtnis, wie die Geschichte eines alkoholkranken Mannes. Er vertraute sich ihr an. Ingeborg Kubitzki bestärkte ihn darin, trocken zu bleiben. Gemeinsam verständigten sie sich darauf, dass er bei ihr keinen Alkohol kaufen kann, um seine Erfolge nicht zu gefährden. „Der Umgang mit den vielen Leuten wird mir fehlen. Ich gehe nicht gern.“ Das Alter macht sich aber nun doch bemerkbar. Getränkekisten, volle Flaschen und Leergut zu schleppen, das fordert körperlich. „Irgendwann ist einfach der Punkt, zu gehen, bevor es nicht mehr geht“, so Ingeborg Kubitzki. Sie freut sich darauf, künftig nicht mehr um 5.30 Uhr aufstehen zu müssen. Ihre neu gewonnenen Freiheiten will sie für die fünf Enkelkinder nutzen. Kommenden Samstag öffnet der Getränkemarkt an der Bahnhofstraße zum letzten Mal. Ingeborg Kubitzki und ihr Team würden sich freuen, zum Abschied die treue Kundschaft noch einmal wiederzusehen.

Letzter Tag

Der Getränkemarkt „Getränke-Fuchs“, Bahnhofstraße 1a, öffnet am Samstag, 31. Oktober, von 9 bis 14 Uhr zum letzten Mal. In den darauffolgenden Wochen finden in den Geschäftsräumen nur noch Ausräumarbeiten statt. Einen Nachfolger für das Geschäft gibt es nicht. Wegen der angespannten Situation im Handel hat Ingeborg Kubitzki aber auch nicht intensiv um eine Nachfolge geworben.

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