Erinnerung

Geschichtsverein will Teamgedanken stärken

Haben einiges vor (v. l.): Axel Riemscheid, Sabine Rusch-Witthohn und Rolf Engelhardt vom Bergischen Geschichtsverein. Foto: Nadja Lehmann
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Haben einiges vor (v. l.): Axel Riemscheid, Sabine Rusch-Witthohn und Rolf Engelhardt vom Bergischen Geschichtsverein.

Der Vorstand skizziert die Zukunft nach dem Weggang des 1. Vorsitzenden.

Von Nadja Lehmann

Wenn sie ins Erzählen geraten, dann spielt die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes keine Rolle mehr für Sabine Rusch-Witthohn, Axel Riemscheid und Rolf Engelhardt. Dann gleiten die drei Burscheider durch Jahrzehnte und Jahrhunderte der Stadthistorie, greifen alte, manchmal schon vergessene Namen und Personen auf, gehen in Gedanken auf alten Wegen und Straßen. Allzu erstaunlich ist das nicht, sind die drei doch Vorstandsmitglieder im Bergischen Geschichtsverein: Rusch-Witthohn ist Schriftführerin; Engelhardt, der lange Vorsitzender war, ist Beisitzer; Axel Riemscheid hat den 2. Vorsitz inne. Ein Team. Das soll auch so bleiben, beziehungsweise: Das Team soll sogar noch stärker in den Vordergrund rücken und den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser steuern.

Denn der Bergische Geschichtsverein hat ein besonderes Jahr hinter sich. Ein erfolgreiches auf der einen Seite, ein schmerzhaftes auf der anderen. Gleich zweimal gab es für die Ehrenamtler den Heimatpreis, auf städtischer und auf Landesebene: Der verdiente Lohn für ihre umfangreiche Publikation zu den „Verschwundenen Häusern“ in Burscheid. Aber dann war auch der Rückzug ihres Vorsitzenden Dr. Karl Ulrich Voss, der kein Hehl daraus machte, dass es ein Abschied nach „tiefgreifendem Zerwürfnis“ war, wie er selbst sagte.

Er sei keine Lösung für die Ewigkeit, sagt Riemscheid

Doch Rusch-Witthohn, Riemscheid und Engelhardt schauen nicht mehr zurück. Im Gegenteil. „Wir haben einiges vor“, kündigt Axel Riemscheid an. Wichtig ist dem 2. Vorsitzenden aber zunächst das Atmosphärische: „Wir wollen den Teamgedanken betonen. Deshalb sitze ich hier auch nicht allein“, sagt er und bezieht Rusch-Witthohn und Engelhardt („Sachverstand und Herzblut!“) mit einem Nicken mit ein. Riemscheid führt nun die Amtsgeschäfte weiter, aber der 2. Vorsitzende macht auch unmissverständlich klar, dass er keine Lösung für die Ewigkeit ist. Zum einen sei er über 80, zum anderen aber, noch gravierender: „Mein Gehör ist mein Handicap.“ Was im persönlichen Vier-Augen-Gespräch noch klappe, funktioniere in der Gruppe nicht: „Ich möchte deshalb langfristig den Vorsitz abgeben; als zweiter Vorsitzender würde ich aber gern weitermachen.“ Das aber seien Fragen, die der Bergische Geschichtsverein auf seiner nächsten Mitgliederversammlung kläre: „Und das wollen wir persönlich tun, sobald es wieder möglich ist, und nicht online“, sagt Sabine Rusch-Witthohn.

Just diesen persönlichen Kontakt hat sich das Vorstandsteam auf die Fahnen geschrieben. Die Mitglieder sollen sich eingebunden und mitgenommen fühlen: „Ihre Betreuung stellen wir in den Vordergrund“, sagt Riemscheid. Er freut sich über den großen Erfolg der Publikation über die „Verschwundenen Häuser“, aber er lässt anklingen, dass dort viel Zeit und Aufwand hineingeflossen ist – Zeit, die in anderen Bereichen fehlte. Auch an die Burscheider selbst will man näher heranrücken. „Denn sie haben großes Interesse an der Stadtgeschichte“, sagt Rusch-Witthohn und erinnert an die Ausstellung in der Stadtbücherei zu den verschwundenen Häusern, die auf große Resonanz stieß und viel Insiderwissen der Burscheider zur Folge hatte. Es ist Wissen, das der Bergische Geschichtsverein sichern und bewahren will.

Und er will verstärkt hinaus und sich zeigen. Will zeigen, was er kann und zu bieten hat. „Denn wir brauchen neue Mitglieder“, sagt Sabine Rusch-Witthohn. Das Gros der heutigen rund 65 Mitglieder ist betagt; Schulterschluss mit neuen Interessierten ist also zwingend geboten. „Wir planen im Frühjahr Führungen zu den verschwundenen Häusern“, berichtet Rusch-Witthohn. „Und wir wollen wieder Vorträge halten und dazu Externe von außen holen, aber auch selbst etwas machen“, kündigt Rolf Engelhardt an. Präsenz wird der Verein auch im September beim Tag des offenen Denkmals zeigen, wenn der Kreis unter dem Stichwort „Musik und Klang in Burscheid“ Vorträge, Führungen, Musikalisches plant.

Auch von Exkursionen ist die Rede. Rolf Engelhardt will sich auf die Spuren der Römer begeben und ihre Wasserleitung nach Köln zeigen; Axel Riemscheid will sich dem Kölner Botanischen Garten und dem dortigen verschwundenen Floratempel widmen. „Wir wollen die Rolle des Bergischen stärker betonen“, sagt er. Denn sei es die Gründung von Köln oder die Schlacht bei Worringen: Überall mischten die Bergischen mit. Ebenso wie in der Industriegeschichte der Region, die der Wermelskirchener Leverkus entscheidend prägte.

Verein möchte künftig regelmäßig Blätter herausgeben

Auch das ist Wissen, das der Verein festhalten möchte. Nicht in einer großen Publikation, sondern eher in Form von regelmäßig erscheinenden Blättern. Die Herkunft von Ortsnamen, bekannte Burscheider Persönlichkeiten, interessante Häuser und Hofschaften: Das soll in den Blättern seinen Widerhall finden.

„Ich war sehr viel unterwegs, habe andere Kulturen gesehen und mich immer für andere Menschen interessiert“, sagt Axel Riemscheid. Der Flugkapitän, der bei der Flugbereitschaft Köln, bei Lufthansa und der LTU gearbeitet hat, kennt und liebt die Welt. „Ihre Vielfalt ist unglaublich“, sagt er. Um so wichtiger sei es, die eigene Identität zu erkennen. Er selbst hat im Ruhestand Ägyptologie studiert: „Über die Geschichte der Römer und Ägypter habe ich zu meinen eigenen Wurzeln zurückgefunden“, sagt der 80-Jährige.

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