Fotoausstellung

Geschichtsverein macht alte Heimat lebendig

Mit einer Ausstellung von Bildern will der Verein die Burscheider nun ermuntern, Bilder und Erinnerungen beizusteuern.
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Mit einer Ausstellung von Bildern will der Verein die Burscheider nun ermuntern, Bilder und Erinnerungen beizusteuern.

Bei der Vernissage der Fotoausstellung in der Stadtbücherei kamen die Gäste schnell miteinander ins Gespräch.

Von Sabine Naber

Als am Freitagabend die Fotoausstellung des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) in der Stadtbücherei mit dem Ziel eröffnet wurde, Erinnerungen an die frühere Bahnhofstraße zu wecken, da kamen die zahlreichen Gäste schnell miteinander ins Gespräch.

„Hier habe ich zehn Jahre lang gearbeitet. Das war eine Goldgrube“, erzählte Gotthard Kittelmann mit Blick auf ein Foto, das in der Montanus- straße 10 den ehemaligen Mehl- und Getreidehandel zeigte. „Und ich bin in dem Haus gegenüber 1956 geboren. Es gehörte dem Eisenbahner-Sozialwerk und ist im vergangenen Jahr abgerissen worden“, wusste ein anderer Besucher zu berichten. Auch Dorothea Middendorf konnte sich noch gut an die Villa des Ziegeleibesitzers erinnern, in die sie mit ihrer Familie gezogen war. „Die andere Hälfte des Hauses bewohnte der Betriebsleiter der Firma Goetze, bei der ich gelernt habe“, sagte sie. Das Haus, das 1952 abgerissen wurde, habe ungefähr da gestanden, wo heute das Jugendzentrum Megafon ist. „Als Kinder haben wir rund um die ausgeschalteten Brennöfen gespielt und draußen die Volkswanderungen zum Bahnhof gesehen. „Da gingen die Arbeiter von Goetze zum Zug, die wohnten ja nicht hier.“ Auch an den Löschteich, der im Winter zufror und sich wunderbar zum Spielen eignete, kann sie sich gut erinnern.

Straße war damals ein richtiger Kiez

Und genau um solche Erinnerungen geht es dem Bergischen Geschichtsverein, der sich als Chronist sieht und für die nachfolgende Generation die Geschichte lebendig halten will. „Es wird entscheidende Veränderungen durch das städtebauliche Umbauprogramm an dieser Straße geben. Wir wollen in einem Buch festhalten, wie es in dieser einstmals sehr geschäftigen Straße – einem richtigen Kiez – aussah. Und zeigen, welche Häuser dort existiert und welche Menschen die Straße geprägt haben“, nannte Sabine Rusch-Witthoh vom Geschichtsverein gleich das Ziel. Das Eckhaus der Apotheke habe sich bis heute gehalten, die Ziegelei sei hingegen lange verschwunden und habe einer nachfolgenden Firma Platz gemacht. Im Burscheider Bahnhof hätten damals beispielsweise bis zu 30 Menschen gearbeitet. Zu einer Zeit, als die Firma Goetze noch rund 4000 Mitarbeitende gehabt habe. „Die tiefgreifenden Veränderungen an der Montanusstraße sind der Anlass, die Historie zu beleuchten.“

„Der Burscheider Geschichtsverein hat bereits viele fantastische Publikationen veröffentlicht. Und sich darin konstruktiv und kritisch, aber immer mit viel Herz mit unserer Heimat auseinandergesetzt“, lobte die stellvertretende Bürgermeisterin Stella Ignatz. Sie sei beeindruckt, mit welchem Engagement sich der Verein für die Heimat einsetze, um die Vergangenheit „unserer schönen Stadt“ lebendig zu halten. „Im Namen von Herrn Bürgermeister Runge und auch ich persönlich sage Ihnen ganz herzlich Danke dafür.“

Ignatz bat die Gäste, den Verein bei seinem Bemühen, die Ortshistorie lebendig zu halten, mit Erinnerungen und Fotos kräftig zu unterstützen. Auf mehreren Tafeln – insgesamt werden rund 30 Fotos gezeigt – konnten schon zahlreiche Bilder begutachtet werden.

Zu sehen war beispielsweise der kleine Park mit der Zuccalmagliobüste, aus dem später der Parkplatz am Rathaus wurde. Ein Foto des Hauses vom Fuhrunternehmer Kohlen Haas wird gezeigt, ebenso die Möbelschreinerei Fritz Mebus oder die Zahnarztpraxis Carl Reininghaus, in die Anfang 1950 der Zahnarzt Herbert Müller gezogen war. „Die Montanusstraße war einst die Lebensader für Burscheid. Man kriegte dort alles“, weiß Barbara Sarx-Jantelat vom Geschichtsverein. In der Luchtenberg-Villa, der im Juni 1890 in Burscheid geborene Paul Luchtenberg war einst Kultusminister von Nordrhein-Westfalen, habe sich regelmäßig die gehobene Gesellschaft der Stadt eingefunden. Und mit Blick auf den Kaiserhof, dem heutigen Ärztehaus, erzählte sie, dass dort einstmals regelmäßig der „Fünf-Uhr-Tee“ serviert wurde. „Burscheid war eine lebendige Stadt. Inzwischen ist vieles abgerissen worden. Deshalb ist es uns so wichtig, die Erinnerungen an damals in einem Buch festzuhalten.“

Ausstellung

Noch drei Wochen lang wird die Fotoausstellung des Bergischen Geschichtsvereins in der Stadtbücherei zu sehen sein. Ab 16 Uhr wird täglich ein Mitglied des Geschichtsvereins in der Bücherei sein, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Und um Fotos, andere Erinnerungsstücke oder Dönekes für das geplante Buch in Empfang zu nehmen. Mittwochs ist die Stadtbücherei geschlossen, samstags ist sie dann nur bis 12 Uhr geöffnet.

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