Geplagte Kobolde finden bei der Rasselbande Unterschlupf

Auf „Kita-Köter“ Kalle (r.) müssen die Gäste aus Odenthal urlaubsbedingt zwar verzichten – davon abgesehen wird ihnen in der Kita der Elterninitiative Rasselbande auf der Pastor-Löh-Straße aber ungeteilte Gastfreundschaft zuteil. Fotos: Rasselbande/Nicole Mönch
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Auf „Kita-Köter“ Kalle (r.) müssen die Gäste aus Odenthal urlaubsbedingt zwar verzichten – davon abgesehen wird ihnen in der Kita der Elterninitiative Rasselbande auf der Pastor-Löh-Straße aber ungeteilte Gastfreundschaft zuteil.

Elterninitiativ-Kindergarten zeigt Solidarität nach Unwetterschäden in Odenthaler Kita

Von Nadja Lehmann

Der wertvollste Mitarbeiter des Elterninitiativkindergartens Rasselbande wird in der nächsten Woche vermutlich fehlen, weil er im Urlaub ist: Kalle, auch liebevoll „Kita-Köter“ genannt. Alles andere, Haus, Räume, Spielzeug wird den Gästen aber zur Verfügung stehen: Die Rasselbande gewährt der Kita Odenthaler Kobolde nämlich Obdach an der Pastor-Löh-Straße. Denn die Odenthaler hat Unwetter, Starkregen und Hochwasser erwischt: Ihr Kita-Erdgeschoss wurde überflutet. „Dort wird gerade der Estrich herausgerissen“, berichtet Leiterin Nicole Mönch. An normalen Betrieb ist dort nicht zu denken.

Den Hilferuf der Odenthaler habe sie in den sozialen Medien gelesen, sagt Nicole Mönch: „Sonntag vor einer Woche bin ich dann einfach mal hingefahren.“ Denn aus ihrer Sicht war es ganz logisch, gemeinsame Sache zu machen: „Da gibt es Kinder ohne Kita-Haus und ein Kita-Haus ohne Kinder – das passt doch.“ Denn die Rasselbande befindet sich in den Sommerferien; das Haus an der Pastor-Löh-Straße steht in den kommenden zwei Wochen leer. Vielmehr: Hätte leer gestanden.

Mönch holte alle zuständigen Behörden mit an Bord: den Vorstand der Elterninitiative, die Odenthaler Vorstandsvorsitzende, den Landschaftsverband Rheinland, das Kreisjugendamt, Vermieter PariSozial Bergisches Land, die Fachberatung bei der Paritätischen. „Alle waren unglaublich kooperativ und daran interessiert, alles möglichst unbürokratisch zu erledigen“, beschreibt Mönch. Und sogar die Reinigungsfirma Dietrich, die sich schon auf den Kita-Urlaub eingestellt hatte, macht mit und weiter sauber: „Sie spenden die zwei Wochen Reinigung.“ Auch dem Datenschutz wird Genüge getan, indem personenbezogene Daten weggesperrt werden.

Mitte August ist die Rasselbande wieder da. Bis dahin haben die Odenthaler Kobolde etwas Zeit gewonnen, um die Zukunft zu planen. „Das ist wirklich eine Katastrophe“, sagt Mönch. Sie kann die Nöte des anderen Elterninitiativkindergartens gut nachempfinden: „Wie bei uns steht und fällt ja alles mit dem Engagement der Eltern. Alles passiert ehrenamtlich.“ Und das, wo Baumaterialien gerade ebenso Mangelware seien wie verfügbare Handwerker.

Am Montag werden die Kobolde einziehen, eine kleine Einführung gibt es noch, und dann dürfen sich die Gäste einrichten. „Für die Kinder wird es vermutlich ein kleiner Abenteueraufenthalt sein“, sagt Mönch lächelnd.

Mit den Kindern auf Augenhöhe umzugehen und sie einzubeziehen, das ist der Grundgedanke der Rasselbande, die 1986 gegründet wurde. Dazu gehört auch das sogenannte teiloffene Konzept: Die Kinder sind zum einen in der familiären Struktur ihrer Gruppe geborgen, können aber zum anderen auch frei durchs Haus streifen und sich in eine andere Gruppe gesellen. „Die Kollegen verteilen sich im Haus, um alles im Auge zu haben.“

Die Rasselbande umfasst momentan 75 Kinder

75 Kinder im Alter (0 bis 6 Jahre) in vier Gruppen, 13 Erzieher - so lauten die Daten der Rasselbande. Das Haus passt perfekt dazu: „In das sind wir vor sieben Jahren eingezogen.“ Und natürlich war Kalle, inzwischen neun Jahre alt, da schon dabei: „Im Alter von neun Wochen war er das erste Mal mit im Kindergarten.“ Er sei tatsächlich für den Kindergarten angeschafft worden „und wohnt bei mir.“ Eben ein „Kita-Köter“. „Wenn Kalle um die Ecke biegt, ist die Welt wieder in Ordnung.“ Gerade dann, wenn Neuzugänge sich eingewöhnen würden. „Die Kinder haben eine schöne Beziehung zu ihm“, freut sich die Leiterin, die seit 2008 dabei ist.

Doch jetzt macht Kalle erstmal Urlaub – und die Odenthaler Kobolde haben in der Not ein Zuhause auf Zeit gefunden.

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