Haus Regenbogen

Jubiläum: Zehn Jahre Geborgenheit in der WG

Melanie Gratza (2. v. l.) und Kevin Brockmann mit den Betreuerinnen Betty Cakmak (l.) und Beata Christoph.
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Melanie Gratza (2. v. l.) und Kevin Brockmann mit den Betreuerinnen Betty Cakmak (l.) und Beata Christoph.
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Diakonie: Haus Regenbogen feiert sein zehnjähriges Bestehen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Im Gemeinschaftsraum drehen sich über den Sitzplätzen ganz auf die Vorlieben der Bewohnerinnen und Bewohner abgestimmte selbst gebastelte Foto-Mobilés. „Warum denn New York?“, will Melanie Gratza von einer Bewohnerin wissen, und deren Augen leuchten auf. „In New York bin ich oft gewesen“ – und sie gerät ins Schwärmen über die dortigen Cafés, in denen der Kaffee immer wieder nachgeschenkt wird. Ein ganz normaler Vormittag im Haus Regenbogen an der Luisenstraße/Ecke Hauptstraße, das zur Diakonie-Sozialstation gehört.

Es sind diese Begegnungen und Gespräche, die für Melanie Gratza das Salz in der Suppe und die Quintessenz ihres Berufs ausmachen. Seit 22 Jahren arbeitet sie für die Rheinische Gesellschaft für Diakonie; seit Jahresbeginn gehört sie dem sechsköpfigen Burscheider Leitungsteam an und ist die Koordinatorin für das Haus Regenbogen. In diesem lebt eine betreute Wohngemeinschaft mit zwölf Plätzen – und das Haus feiert am 1. April zehnjähriges Bestehen.

In der Diakonie-Sozialstation hat sich viel getan. Noch im vergangenen Jahr hatte dort Andreas Hasenclever die Leitung inne, der dann jedoch eine neue Herausforderung suchte. Der Träger, die Rheinische Gesellschaft, nahm das zum Anlass, die Struktur zu verändern: Sie setzt nun auf ein Leitungsteam, dem neben Melanie Gratza Kevin Brockmann (Koordinator Villa Frühn), Denise Andersen (Pflegedienstleitung), Fabrice Frowein (Generalistik, Praxisanleitung), Susanne Vierkötter (stellvertretende Pflegedienstleitung) und Laura Steinhausen (Qualitätsmanagement) angehören. Noch sei das Sextett in der Findungsphase, aber man verstehe und ergänze sich: „Es ist gut, dass die Verantwortung auf mehreren Schultern ruht. Man sagt ja gern, dass viele Köche den Brei verderben. Den Eindruck habe ich gar nicht“, sagt Gratza. Aber natürlich müsse man dafür etwas tun: Drei Mal in der Woche gibt es Leitungsgespräche, Koordination, Austausch und Absprache sind Pflicht.

An der Montanusstraße entsteht die nächste Wohngemeinschaft

Und es werden noch mehr Veränderungen folgen. Mit dem Haus Regenbogen und der denkmalgeschützten Villa Frühn (zehn Plätze) gibt es bereits zwei Wohngemeinschaften; eine dritte wird sich an der Montanusstraße hinzugesellen, im Rahmen des dort geplanten Einzelhandelstandorts, zu dem auch Wohnungen gehören. Zwölf Plätze soll es an der Montanusstraße geben. Keine willkürlich gewählte Zahl, wie Melanie Gratza erklärt: „Ab 13 Plätzen gilt eine Einrichtung als Altenheim.“

Die 38-Jährige, die einst über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in ihren Beruf fand, hat selbst schon im Altenheim gearbeitet; sie schätzt die dort geleistete Arbeit, aber sie gibt den WGs doch den Vorzug. „Wir sind familiärer“, bringt sie es auf den Punkt, und Kollege Kevin Brockmann, der für die Villa Frühn Ansprechpartner ist, nickt zustimmend. „Die Bewohner sitzen zusammen, essen zusammen. Wir können uns mehr Zeit nehmen als große Einrichtungen, weil wir eine andere Personaldecke haben“, sagen beide. „Wir sind ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen.“

Vieles könne man erlernen, sagen die beiden ausgebildeten Altenpfleger, aber Empathie und das Herz am rechten Fleck müsse man von Natur aus mitbringen. „Wir sind alles. Wir sind Seelentröster, Friseur, Therapeut. Und in der Pandemie waren wir Familienersatz“, sagt der 29-jährige Kevin Brockmann. „Es liegt an uns, den Bewohnern Wärme, Sicherheit und Geborgenheit zu schenken.“ „Hier wohnen gestandene Menschen, die ihr Leben gelebt haben. Den letzten Lebensabschnitt wollen wir ihnen so liebevoll wie möglich gestalten“, sagt auch Melanie Gratza. Die 38-Jährige liebt ihren Beruf, und das hörte auch in den Belastungen der Pandemie nicht auf. „Wir haben nicht anders gearbeitet als sonst. Bloß das Bedürfnis nach Nähe war bei unseren Bewohnern im Lockdown viel größer.“ Sie wache noch immer jeden Morgen „mit einem guten Gefühl“ auf, gehe gern zur Arbeit – zu den Bewohnern des Haus Regenbogen.

Haus Regenbogen

Das Haus Regenbogen gilt als anbieterverantwortete Wohngemeinschaft, in welche die Bewohner ihr persönliches Hab und Gut mitbringen können. Herzstück ist das große Gemeinschaftszimmer mit integrierter Küche. Wer mag, darf mitkochen und miteinkaufen. Betreuungskräfte gestalten den Alltag gemeinsam mit den Mieterinnen und Mietern. Voraussetzung ist mindestens Pflegegrad 2. „Nachmieter wählen wir sorgfältig aus, damit es für die Gruppe alles passt“, sagt Melanie Gratza. Schließlich bildet die WG ein Gefüge, in dem man sich auch gegenseitig hilft. Auch zum Sterben können die Bewohner bleiben, fast alle Mitarbeitenden haben Qualifikationen in der Palliativmedizin. Am 1. April feiert das Haus Regenbogen sein zehnjähriges Bestehen.

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