Pandemie

Gastwirtin will zum Besuch ermutigen

Hannelore Haubl hat die Tische in ihrer Gaststätte Massiefen so gestellt, das ausreichend Abstand zu anderen Gästen besteht. Foto: Nadja Lehmann
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Hannelore Haubl hat die Tische in ihrer Gaststätte Massiefen so gestellt, das ausreichend Abstand zu anderen Gästen besteht.
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Seit 33 Jahren führt Hannelore Haubl die Gaststätte Massiefen – Auf Covid-19 hat sie sich eingestellt.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Hannelore Haubl geht durch die Räume ihrer Gaststätte in Massiefen. Hell und luftig sind diese und vor allem: groß. „Ich habe insgesamt rund 110 Quadratmeter“, sagt die Gastwirtin. „Da kommt man sich nicht in die Quere“, betont sie und zeigt auf Tische und Stühle, die in den drei Gasträumen in gebotenem Corona-Abstand zueinander stehen.

Hannelore Haubl will ihren Gästen, alt vertrauten ebenso wie neuen, Mut machen, wieder essen zu gehen. Denn: „Corona-Maßnahmen wie absolute Sauberkeit und Desinfektion hat es bei mir schon immer gegeben. Das Einzige, was für mich neu ist, ist die Maske.“ Die aber ist mittlerweile zum unverhandelbaren Accessoire geworden: „Wir arbeiten immer mit Maske. An den Tisch kommen wir niemals ohne.“

Die 73-Jährige ist keine, die klagt und jammert. Den Lockdown aber, bekennt sie freimütig, habe sie als Schock erlebt: „Ich habe mich natürlich gefragt, wie es weitergehen soll. Das war zunächst wie eine Schockstarre.“ Aus der löste sie sich jedoch schnell – und sattelte aufs „Essen außer Haus“ um.

„Ich hätte nie gedacht, dass es ein solcher Erfolg wird“, sagt sie. Mit einer Kochhilfe stand Haubl in der Küche am Herd; die Stammgäste fuhren in Massiefen vor, um ihr Essen abzuholen: „Geliefert haben wir nicht. Das hätten wir nicht geschafft“, sagt Haubl.

Am 16. Mai schloss sie dann wieder die Tür für die Gäste auf. Und machte eine Feststellung wie so viele andere auch: Die Menschen kehrten nur zögerlich zurück. „Sie brauchten Zeit“, sagt Haubl. Und das blieb auch so: „Es ist nicht mehr so wie früher“, resümiert die Wirtin. Große Feste gibt es nicht mehr. Viele bleiben aus Unsicherheit lieber zuhause.

Maske, Abstand halten – und lüften: Das sind die Gebote in Corona-Zeiten. Hannelore Haubl zeigt auf die insgesamt acht großen Fenster in ihrer Gaststätte. Plus die Tür. „Ich praktiziere das Stoßlüften“, sagt sie. Und das regelmäßig, auch wenn der ein oder andere Gast fröstelnd die Schultern hochzieht: Für den Fall hält Hannelore Haubl wärmende Decken bereit.

„Ich bin meinen Gästen dankbar, dass sie zu mir kommen.“
Hannelore Haubl, Gastwirtin

Und mit einem Lächeln deutet sie auf eine diskrete Öffnung in der Wand: „Schauen Sie mal“. Klappt diese auf und enthüllt einen eingebauten Ventilator. „Den habe ich für viel Geld gekauft, als das absolute Rauchverbot noch nicht durch war“, erinnert sie sich. Aus derselben Zeit stammt die gläserne Tür, die den ersten vom zweiten Gastraum trennt. Eine Anschaffung, die sich nun bezahlt macht. „Unterm Ventilator sollte man nicht mit Toupet stehen“, sagt die 73-Jährige trocken.

Die Lage im Rheinisch-Bergischen Kreis hat sich inzwischen verschärft: Die Inzidenz der Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen pro 100 000 Einwohner lag gestern bei 58,9. Damit greifen dann auch Sperrverbot und Verbot des Alkoholausschanks. Hannelore Haubl bereitet das keine Sorge: „Früher war das hier eine Kneipe, und es wurde viel mehr getrunken als heute“, sagt sie.

Tempi passati. In der Gaststätte Massiefen wird in der Hauptsache gegessen, „und das tun die Menschen immer früher“, hat Hannelore Haubl beobachtet.

Ihrer Gaststätte ist sie tief verbunden: „Ich bin als 13-Jährige mit meinen Eltern hierher gekommen“, erzählt sie. Nach dem frühem Tod des Vaters stieg Haubl nach der Schule in den Betrieb mit ein, leitete ihn gemeinsam mit der Mutter. „Seit 33 Jahren führe ich die Gaststätte allein“, sagt sie. Ein arbeitsintensives Leben, wie es typisch ist für die Gastronomie. „Ich werde auch die Letzte hier sein“, sagt die 73-Jährige. Der Sohn mache beruflich etwas anderes.

Mit zwei Aushilfen hält Hannelore Haubl ihre Gaststätte am Laufen. Dosen und Tüten kommen ihr nicht in die Küche. Ihr Credo: „Ich koche alles frisch.“ Das sei ihr von den aus dem einstigen Westpreußen stammenden Eltern in Fleisch und Blut übergegangen: „Wir hatten große Gärten, in denen wir alles selbst gezogen haben.“ Sie selbst, findet sie, koche „gute Suppen“.

Sie sei den Gästen vieles schuldig, sagt Haubl. „Denn ich bin sehr dankbar, dass sie zu mir kommen. Sie könnten ja überall hingehen.“ Und dass die Gäste sich bei ihr wohl und sicher fühlen, dafür will die 73-Jährige alles tun: mit Maske, Abstand, Sauberkeit, Datenerfassung. Und Stoßlüften.

Hintergrund

Seit mehr als 300 Jahren ist das Haus in Massiefen ununterbrochen Gaststätte und seitdem mehrfach um- und ausgebaut worden. Früher sei dort die Zollstation gewesen, sagt Inhaberin Hannelore Haubl, die das Haus seit 33 Jahren allein führt und vorher gemeinsam mit ihrer Mutter geführt hat. Montags ist in der Gaststätte Massiefen Ruhetag. Hannelore Haubl bittet die Gäste zwecks besserer Planbarkeit und wegen der Platzkapazitäten und Abstandswahrung vorab um eine telefonische Anmeldung: Tel. (0 21 74) 82 10.

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