Corona-Regeln

Gastronomen in Burscheid haben sich mit 2G plus arrangiert

„Für Nicht- Geboosterte ist es natürlich schwierig geworden, spontan essen zu gehen.“Harald Weilbächer, Altes Landhaus
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„Für Nicht- Geboosterte ist es natürlich schwierig geworden, spontan essen zu gehen“, sagt Harald Weilbächer, Altes Landhaus.

Ob Altes Landhaus oder Gaststätte Massiefen: Wirte lassen Mut nicht sinken – Steigende Energiepreise werden Thema.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Harald Weilbächer ist sturmerprobt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bevor er das Kommando im Alten Landhaus übernahm, marschierte er über Schiffsplanken: über die des ZDF-Traumschiffs, die MS Berlin. Mit Winden, die einem rau ins Gesicht blasen, kennt Weilbächer sich also aus. Bange machen gilt nicht. So hat er es während der nun ins dritte Jahr gehenden Pandemie in seinem Alten Landhaus stets gehalten. „Und nicht alles war schlecht“, findet er. Gefreut hat ihn beispielsweise, dass nun seine Kinder im Betrieb sind. Der Sohn in der Küche. Die Tochter, weil sie in ihrem eigentlichen Job zunächst nichts fand. „Die beiden sind guter Dinge“, sagt der Vater.

Und noch anderes wurde zum Glücksfall. Wie die Grünkohlaktion, die Weilbächer Ende 2020 ins Leben rief. Die Idee: Er kochte und bereitete das Wintergemüse deftig-lecker zu, und die Leute holten es sich im eigenen Kopftopf ab. „Was wir an Verpackung eingespart haben, haben wir für den guten Zweck gesammelt – zwei Euro pro verkauftem Kilo.“ Rund 500 Euro kamen zusammen, die an die Burscheider Tafel gingen. „Ein schöner Erfolg“ sagt Harald Weilbächer.

Und er tüftelte weiter. Unter anderem an umweltfreundlicher und kunststoffarmer Verpackung. „Wir wollten auf Plastik verzichten. Zu 90 Prozent verwenden wir Materialien, die recycelbar oder kompostierbar sind“, berichtet er.

Bestand haben wird auch seine weihnachtliche Schließung. 2020 war sie erzwungenermaßen erfolgt und brachte Weilbächer auf eine Idee: Wenn die Leute nicht zum Essen kommen können, kommt dieses zu ihnen. Gedacht, getan. Es wurde zum Riesenerfolg. „Es ist ja sehr entspannt. Einer kommt, holt das Essen ab. Wir haben es in Porzellan gefüllt, es ist warm und in der Box verpackt. Die wird zu Hause geöffnet, das Essen kann sofort serviert werden. Das ist für eine Familie total stressfrei.“ Kein Wunder also, dass 2021 das Alte Landhaus schon frühzeitig erste Bitten um Wiederholung erreichten. Und deshalb wird das Restaurant wohl erneut Weihnachten geschlossen sein. „Denn beides parallel schaffen wir nicht“, sagt Harald Weilbächer. Schließlich gebe man die Weihnachtsmenüs für zu Hause für mehr Personen aus, als sein Restaurant je würde fassen können.

Dort, an der B 51 am Ortseingang Burscheid, gilt wie überall in Nordrhein-Westfalens Gastronomie 2G plus. „Im Großen und Ganzen funktioniert es“, sagt Weilbächer. Es sei nur ein kleiner Prozentsatz, der sein Impfzertifikat suche, über die Regeln schimpfe und den man ermahnen müsse, die Maske wieder aufzusetzen. „Für Nicht-Geboosterte ist es natürlich schwierig geworden, spontan essen zu gehen“, sagt der Landhaus-Chef. Er selbst wünscht sich mehr Übersichtlichkeit bei den Corona-Regeln: „Eigentlich könnte doch eine Innung oder die Gewerbeaufsicht, bei denen wir ja alle gelistet sind, eine Mail mit der aktuell geltenden Verordnung schicken. So aber guckt man abends ins Internet und sucht sich die Infos zusammen, um dann festzustellen, dass sich doch nichts geändert hat.“

Hannelore Haubl hat sich in der Pandemie ihre Gaststätte in Massiefen hell und freundlich eingerichtet.

Auch Hannelore Haubl hat in ihrer Gaststätte Massiefen den Mut nicht sinken lassen. Und die Qualität erst recht nicht. Frisch gekocht muss es sein; Fertigware kommt ihr nicht in den Kochtopf. Damit überzeugte sie auch im ersten Lockdown, als sie auf das Essen außer Haus umstieg, das ihre Kunden bei ihr abholten. Das macht sie auch heute noch, wenngleich nur noch in Maßen. „Es lässt sich schlecht planen“, sagt sie. Denn was tun, wenn ein Essen zur Abholung um 18 Uhr bereitstehen muss, zeitgleich aber Gäste im Restaurant eintreffen? „Die kann ich ja nicht sitzen und warten lassen“, sagt die Wirtin.

Die Gäste kehren zurück. Und das mit viel Freude. „Sie kommen mit ausgestrecktem Arm auf mich zugelaufen. In der Hand das Handy mit dem Impfzertifikat “, sagt Hannelore Haubl. Bei Stammkunden prüfe sie nicht mehr, „bei Fremden aber ganz gewissenhaft“. Sie sei dankbar über jeden Einzelnen, sagt die 74-Jährige, die weitermachen will, „bis es nicht mehr geht. Ein Beinbruch kann ja schon das Aus bedeuten.“

Sorge bereiten ihr die steigenden Energiepreise. Monatlich zahle sie eine vierstellige Summe für Gas, (Ab-)Wasser, Strom. Dennoch sei ihr eine gewaltige Nachzahlung ins Haus geflattert: „Dafür habe ich Ratenzahlung vereinbaren müssen“, sagt sie. Auch Kollege Weilbächer bestätigt das Problem. „Es betrifft ja nicht nur uns Gastronomen, sondern uns alle. Aber was hilft’s? Wenn ich tanken muss, muss ich tanken. Da kann ich nur still die Faust in der Tasche ballen.“

Gelegenheit, ihre Räume neu zu gestalten, hat Hannelore Haubl dennoch gefunden. „Ohne großen finanziellen Aufwand“, erzählt sie. Groß und luftig seien ihre Räume in Massiefen ja immer schon gewesen, nun habe ihr Sohn, ein Malermeister, die Stühle und Vitrinen hell lackiert und einen neuen Tisch aufgestellt: „Ich fühle mich sehr wohl“, sagt die 74-jährige. Und weil diese Gemütlichkeit Programm ist, wird sie zur Fußball-WM bewusst keinen Fernseher aufstellen. „Ich bin keine Sportkneipe“, findet sie und zeigt gleichzeitig klare Kante: „Ich bin mit den Austragungsorten nicht einverstanden. Weder jetzt bei Olympia noch bei der Weltmeisterschaft.“

Hintergrund

Angesichts der hohen Infektionszahlen gilt seit dem 13. Januar die 2G-plus-Regel in der Gastronomie in NRW. Zweifach Geimpfte und Genesene dürfen Restaurants, Bars und Kneipen nur noch betreten, wenn sie zusätzlich einen negativen Test vorlegen. Der zusätzliche Schnelltest entfällt für alle, die bereits eine Auffrischungsimpfung (Booster) erhalten haben. Ausgenommen sind gastronomische Betriebe, die sich auf das bloße Abholen von Speisen und Getränken beschränken.

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