Interview

Uwe Graetke: „Gar nichts zu versuchen, scheidet für uns aus“

Uwe Graetke, Vorsitzender von „Burscheid Live“.Archivfoto: Nadja Lehmann
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Uwe Graetke, Vorsitzender von „Burscheid Live“.

Uwe Graetke von „Burscheid Live“ spricht im Interview über die Folgen der Corona-Pandemie.

Das Gespräch führte Stephan Eppinger 

Wie erleben Sie die Situation in Burscheid im Vergleich zum Frühjahr?

Uwe Graetke: Leider sind die Infektionszahlen auch hier wie an vielen anderen Orten deutlich gestiegen, wobei auch mehr getestet wird, als dies noch im Frühjahr der Fall war. Insgesamt sind seit Beginn des Lockdowns weniger Menschen in der Stadt unterwegs, da Kneipen, Restaurants und Cafés geschlossen haben.

Wie ist die Lage bei „Burscheid Live“?

Graetke: Die Lage ist ziemlich deprimierend. Am sonnigen Wochenende, 7. und 8. November, hätten wir die Premiere unseres neuen Martinsparks gehabt, da hatten wir die Genehmigung schon in Aussicht. Durch den „Lockdown light“ war das jetzt aber nicht mehr möglich, und wir mussten die Veranstaltung absagen. Das ist bitter, wenn man bereits alles vorbereitet hat, um Familien mit Kindern eine Freude zu machen. Das Altstadtfest mussten wir vom Juni in den September verschieben und wegen der Auflagen auf zwei Termine verteilen. So gab es den mit 1 400 Gästen sehr gut besuchten Altstadtfreizeitpark und die Kulturaltstadt mit einem Bühnenprogramm. Wir durften dabei nur den Marktplatz nutzen, und der musste wegen der Zugangskontrolle und Kontaktdatenerfassung eingezäunt werden. Gleichzeitig durften beim Freizeitpark nur 75 Menschen gleichzeitig auf den Platz.

Wie beurteilen Sie die jetzigen Verbote im Kultur- und Freizeitbereich?

Graetke: Mir persönlich erschließt sich da nicht überall ganz der Sinn, denn Corona-Ausbrüche hat es nach sogenannten temporären Freizeitparks nie gegeben. Das war auch in Burscheid nicht der Fall. Gleichzeitig werden Schüler in den Bussen dicht aneinandergedrängt, und in Leipzig gibt es eine riesige Demo von Coronaleugnern, die keine Maske tragen und die sich nicht an die Abstandsregeln halten.

Was mussten Sie in diesem Jahr alles absagen?

Graetke: Neben dem Martinspark mussten wir auch unsere Frühjahrsshow, Schlagernacht und die Silvesterparty absagen. Veranstaltungen, an denen wir uns beteiligt haben, wie mit der Kinderkirmes beim Schützenfest oder der Stadtlauf, sind ebenfalls ausgefallen. Noch offen ist das Tannenbaumfest am dritten Advent. Dort wollen wir unsere Beteiligung mit einem musikalischen Programm aufrechterhalten, wenn es stattfindet. Wir haben unter anderem eine bekannte Fernsehkünstlerin gebucht.

Welche Folgen hat das für den Verein?

Graetke: Wir gehen nach aktuellem Stand nicht davon aus, dass Indoorveranstaltungen wie unsere Schlagernacht kostenneutral stattfinden können. Außerdem ist uns das Risiko einer Ansteckung in Hallen und Sälen weiterhin zu groß. Wir werden uns auf das Altstadtfest konzentrieren, das wohl wieder auf zwei Wochenenden verteilt im Juni stattfinden soll. Da hoffen wir auch auf die geringen Fallzahlen in der warmen Jahreszeit, die zumindest kleine Veranstaltungen wieder möglich machen sollten. Nach den Sommerferien wäre auch ein Fest draußen denkbar. Wir überlegen da ein internationales beziehungsweise ein interkulturelles Fest mit Musik und Tanz aus verschiedenen Ländern – verbunden mit den dazu passenden Speisen. Aber das ist noch sehr vage, da muss man erst die weitere Entwicklung abwarten und die Finanzierungsmöglichkeiten prüfen. Geplant ist im kommenden Jahr im November unseren neuen Martinspark stattfinden zu lassen. Gibt es Veranstaltungen wie das Schützenfest oder den Stadtlauf, werden wir uns daran beteiligen. Das größte Problem ist, dass in einem Bereich, in dem man langfristig planen muss, derzeit komplett die Planungssicherheit fehlt. Aber gar nichts zu versuchen, scheidet für uns als Option auch aus. Man muss doch den Leuten gerade in schwierigen Zeiten Freude bereiten.

Was macht Ihnen aktuell die größten Sorgen – und was macht Ihnen Hoffnung?

Graetke: Etwas Hoffnung macht mir der Blick auf die Zahlen der Neuinfektionen der letzten Tage, die im Moment im Vergleich zur Vorwoche in etwa stagnieren. Vielleicht gehen sie auch noch zurück, so dass im Dezember doch noch kleinere weihnachtliche Veranstaltungen möglich werden. Sorgen macht mir, dass es auch im kommenden Jahr mit der Pandemie weitergehen wird und wir möglicherweise auch weiterhin viele Veranstaltungen umsonst planen. Da muss man sich dann immer wieder neu motivieren. Aber das gute Feedback im September zeigt, dass es sich gelohnt hat, etwas zu machen. Sorge bereitet mir natürlich auch die eigene Gesundheit, ich gehöre selbst zur Risikogruppe.

Hintergrund

Verein: Im Sommer hat sich „Burscheid Live“ neu aufgestellt. Alter und neuer Vorsitzender sowie Pressewart ist Uwe Graetke. Seine Vertretung übernimmt Sergio Costa. Kassierer und Technikwart bleibt Reimund Matyschok. Als Geschäftsführerin wurde Kerstin Hauser-Pfeffer gewählt, die dieses Amt bereits kommissarisch ausgeübt hat. Wiedergewählt wurde Beisitzer Karl Zimmermann, dessen Hauptaufgabengebiet wie bisher der Umwelt- und Naturschutz sein wird. Neue Kassenprüfer sind Carolin Petzold und Andreas Tonn.

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