Gartenarbeit

Für das Gemüse ist es nachts noch zu kalt

Im Kleingartenverein Griesberg sind alle 30 Parzellen In der Dellen 12 noch auf Jahre verpachtet - es gibt daher eine Warteliste. Archivfoto: Doro Siewert
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Im Kleingartenverein Griesberg sind alle 30 Parzellen In der Dellen 12 noch auf Jahre verpachtet - es gibt daher eine Warteliste. (Archivfoto)
  • Jennifer Preuß
    VonJennifer Preuß
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Erich Seemann, Vorsitzender des Kleingartenvereins Griesberg, mahnt zur Geduld - denn die braucht, wer eine Parzelle pachten will.

Burscheid. Jetzt, da die Gartenmärkte geöffnet sind und die Sonne ab und zu zwischen den dicken Wolken hervorblickt, brennt es dem einen oder anderen doch unter den Nägeln. In der Lockdown-Tristesse den Garten auf Vordermann zu bringen, das hat sicherlich seinen Reiz.

„Gemach, gemach“, denkt da aber Erich Seemann. Der erfahrene Hobbygärtner und Vorsitzende des Kleingartenvereins Griesberg kennt die Ungeduld, die sich immer im Frühjahr meldet. Doch in diesen Tagen etwas auszusäen, ist vergebliche Liebesmühe. „Wenn man jetzt Gemüse aussät, wächst sowieso nichts“, sagt Erich Seemann. Es ist noch zu kalt, als dass die Samen im Boden keimen könnten. Vor allem die zum Teil frostigen Nächte, könnten die erhoffte Ernte zunichte machen.

Ab Ostern könnte man zum Beispiel Zwiebeln oder Kartoffeln setzen.

Erich Seemann, Vorsitzender des Kleingartenvereins Griesberg

„Man sollte warten, bis es wärmer wird. Ab Ostern könnte man zum Beispiel Zwiebeln oder Kartoffeln setzen“, lautet sein Rat. Frühlingsboten wie Primeln, Stiefmütterchen, Hornveilchen und Adonisröschen können dagegen bereits jetzt problemlos eingepflanzt werden. Denn sie halten zur Not auch einige frostige Nächte aus.

Und während viele über die häufigen Regengüsse in den vergangenen Wochen schimpfen, freut sich Erich Seemann über das kühle Nass. Auch wenn das Wetter bedeutet, dass das Unkraut ohne Ende zu sprießen scheint.

Im vergangenen Jahr, als der erste Lockdown begann, regnete es kaum. Die Erde war entsprechend trocken - viel zu trocken für junge Keimlinge. Die Gießkanne musste da jeden Tag zum Einsatz kommen. Danach sieht es momentan nicht aus. Optimale Bedingungen also für diejenigen, die es nicht jeden Tag schaffen, ihre Kleingartenparzelle zu besuchen und das Grün zu pflegen.

Das Vereinsleben ist derweil bei den Kleingärtnern zum Erliegen gekommen. „Es ist nicht viel los“, berichtet Erich Seemann. „Es gibt keine Versammlungen, keine Feiern, nichts. Unsere Aktivitäten sind auf Null gesunken.“

Nur die eigene Familie darf derzeit in den Garten

Die aktuellen Kontaktbeschränkungen gelten natürlich auch auf der Anlage, In der Dellen 12. Die Mitglieder wurden schriftlich extra nochmals darauf hingewiesen. „Nur die eigene Familie soll den Garten betreten“, betont Erich Seemann. „Und auf dem gesamten Gelände müssen die Abstände eingehalten werden.“ Das klappe auch ganz gut, sagt der Vereinsvorsitzende. Alle halten sich an die Regeln, habe er beobachtet.

Auch mit der Nachfrage nach den Parzellen ist Erich Seemann sehr zufrieden. Drei Interessenten aus Burscheid stehen zur Zeit auf der Warteliste. Die 30 Grundstücke, die jeweils 300 Quadratmeter groß sind, sind also sehr begehrt.

Wer eines hat pachten können, gibt es ungern wieder her. Entsprechend lang ist die Wartezeit, bis eine Parzelle wieder frei wird. Dass der eigene Name ein Jahr lang auf der Liste steht, bis der ersehnte Anruf kommt, das ist derzeit keine Seltenheit in Burscheid. Denn gerade in der Pandemie haben viele die Vorzüge eines eigenen Gartens zu schätzen gelernt, lautet die Erklärung Erich Seemanns. Und er betont: „Im Moment gibt es bei uns niemanden, der seinen Garten aufgeben will.“

Am Griesberg gedeiht vieles essbares Grün gut: Kartoffeln, Möhren, Kohlrabi, Bohnen, Erdbeeren und Himbeeren –was hier heimisch ist, dem kann man dort beim stetigen Wachsen zuschauen. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr werden die Kleingärtner immer aus ihrem Winterschlaf geweckt. Von Mai bis Oktober dauert dann die Saison. Auf den Grundstücken, die zwischen 120 und 140 Quadratmeter Größe schwanken und für 99 Jahre verpachtet werden, finden sich neben den Häusern auch Fischteiche.

Hintergrund

Kleingartenverein: Die Anlage des Kleingartenvereins Griesberg ist in 30 Grundstücke unterteilt, die derzeit alle vergeben sind. Die Pacht beträgt pro Monat 35 Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für Wasser und Strom. Die Grundstücke sind jeweils 300 Quadratmeter groß und bieten somit jede Menge Platz für Selbstversorger. Gegründet wurde der Kleingartenverein im Sommer 1978 – es kamen so viele Burscheider, dass ausgelost werden musste, wer von ihnen eines der 30 Grundstücke bekommen konnte.

Gründung: Erich Seemann ist einer von noch vier aktiven Gründungsmitgliedern des Vereins. Entstanden ist die Anlage in den 70er Jahren auf einer Freifläche, die häufig als wilde Müllhalde zweckentfremdet wurde. Die Stadt entschied sich damals, das Gelände zu einer Kleingartenanlage umzuwandeln. Interessenten für die 30 geplanten Grundstücke gab es so viele, dass die Flächen verlost wurden. Ende 1978 machten sich die Mitglieder daran, die Holzhäuser zu errichten. So entstanden viele Freundschaften.

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