Totensonntag

Friedhof trägt neuen Bedürfnissen Rechnung

Letzte Ruhe unter der majestätischen Blutbuche: Die Nachfrage nach Baumurnengrabstellen ist groß. Fotos: Nadja Lehmann
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Letzte Ruhe unter der majestätischen Blutbuche: Die Nachfrage nach Baumurnengrabstellen ist groß.
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Am Totensonntag gedenken die Protestanten der Verstorbenen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Die junge Frau hat den Kopf gesenkt, blickt auf das Grab zu ihren Füßen, hält auf ewig ihren steinernen Rosenstrauß im Arm: Die Skulptur auf dem großen Ehrengrab der Familien Richartz und Bertrams spiegelt nicht nur einstigen Reichtum und Honorigkeit einer tonangebenden Familie wider, sondern eine Friedhofskultur, wie sie bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gang und gäbe war. Man starb meist zu Hause, man wurde aufgebahrt, man wurde bestattet. In einem Sarg, an einem Platz, der unverrückbar war: im Familiengrab. An fester Stelle, wo bereits schon früher verstorbene Familienmitglieder ruhten. Dicht an dicht zogen sich die Gräber über die Friedhöfe.

Behindert die Pflegeleichtigkeit: Blumen, Schmuck und Schalen sind auf dem Rasenurnenfeld eigentlich nicht erlaubt.

Aus solchen Zeiten stammt auch die Erweiterung des Burscheider Friedhofs, auf die Holger Wilke, Leiter des Amts für Bürgerangelegenheiten und Gebäudemanagement, deutet. Quasi auf der anderen Seite des Tals, das sich hinaufschwingt in Richtung Löh, liegt die Erweiterungsfläche. Eine hölzerne Brücke führt hinüber. „Jetzt haben wir die Erweiterung geschlossen“, sagt Wilke. Der Bedarf habe sich ganz anders entwickelt als gedacht. Platzsparender und kurzfristiger, könnte man sagen.

Statt der einst obligatorischen Erdbestattung mit dem entsprechend großem Platzbedarf, wählen Angehörige (oder der Verstorbene hat es so festgelegt) mehr und mehr die Einäscherung. Inzwischen ist jede zweite Beerdigung in Deutschland eine Feuerbestattung. Das hat die Bestattungskultur völlig verändert.

„Wir haben bereits eine Erweiterungs-fläche geschaffen. Die Nachfrage ist groß.“
Holger Wilke, Gebäudemanagement

Ob anonymes Urnengrab, ob Kolumbarium, ob Friedwald und Baumurnengrab – fast alles ist möglich und immer individueller geworden. Und: Immer mehr Menschen wollen oder können sich nicht mehr auf die jahrzehntelangen Ruhezeiten einlassen. Wie es eine Beschlussvorlage zur Änderung der Friedhofssatzung festhält, wurde zuletzt 2019 die Möglichkeit der vorzeitigen Rückgabe von Grabstellen beschlossen.

Es entstehen immer mehr Freiflächen auf dem Friedhof. Nicht alle sind groß genug, um sie schon entwickeln zu können.

Holger Wilke kann zeigen, was das für den Burscheider Friedhof bedeutet: Zwischen den Gräbern klaffen Lücken. Ihre Pflege ist schwierig. Sie sind zu klein, als dass die Friedhofsverwaltung einfach mit der Maschine mähen könnte. Die Lücken sind aber auch (noch) zu klein, um sie einer anderen Nutzung zuführen zu können.

Aber wo es geht, da treibt Holger Wilke die Entwicklung des knapp fünf Hektar großen Geländes an der Altenberger Straße voran: Wie mit dem Kolumbarium, das 2017 angelegt wurde und 96 Plätze hat. Wie mit den Baumurnengrabstellen unter der gewaltigen Blutbuche, einem Naturdenkmal: Alle 100 Plätze sind belegt. „Wir haben bereits eine Erweiterungsfläche geschaffen. Die Nachfrage ist groß“, berichtet Wilke.

Er verschweigt aber auch nicht, dass es viele Angehörige gibt, die sich für eine pflegeleichte Grabstelle entscheiden und die dann doch die Auflagen der Friedhofsverwaltung unterlaufen. Wie an den Rasenurnengräbern. Blumen und Gestecke sind dort nicht erlaubt: Schließlich kann und will das Team der Friedhofsverwaltung nicht vorher alles per Hand wegräumen müssen, bevor gemäht wird. Und dennoch: Sogar eine große Pflanzschale steht an einem Stein. „Darunter wächst dann im nächsten Jahr kein Gras mehr“, sagt Wilke und deutet auf die jetzt schon beschädigte Grasnarbe. Und natürlich gibt es auch die vernachlässigten und ungepflegten Grabstätten. „Wenn der nächste Angehörige, der das Grab gepflegt hat, nicht mehr lebt, wird eine Nachverfolgung schwierig“, sagt Wilke. Alles dies aufzufangen, bedürfe einer Art Mischkalkulation bei den Gebühren. Und einer wohlüberlegten Entscheidung eines Jeden, welche Art der Bestattung die richtige ist.

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