Feuerwerk-Tradition reicht bis ins alte China zurück

Die Faszination des Feuerwerks ist ungebrochen. Archivfoto: Roland Keusch
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Die Faszination des Feuerwerks ist ungebrochen. Archivfoto: Roland Keusch

Zur Geschichte der Böllerei

Von Ursula Hellmann

Noch fünf Sekunden, noch drei, noch eine – und zu den Böllern hier und da zwischen den Häusern rauscht und knallt es nach dem zwölften Gongschlag aus jedem Hof, jeder Straße und auf jedem Feld rings um den Stadtteil hoch in den dunklen Nachthimmel.

Feuerräder, Kaskaden, zischende Fontänen in allen Farben. Leuchtende, knisternde Funkenschirme rieseln zurück und verglühen sekundenschnell. Silvester und Feuerwerk – ein Spektakel, das Erwachsene und Kinder in eine Zauberwelt katapultiert und dem Wechsel von einem Jahr zum anderen ein märchenhaftes Tor öffnet.

Sollte man über die historische Geschichte dieser kurzlebigen Euphorie etwas wissen – oder würde die graue Theorie nur den Genuss der grellbunten Szene stören? Wer hörte aber als Erstes die erstaunten „Ahhs“ und „Ohhs“ für den glitzernden Knalleffekt großer Volksfeste? Wie in den Annalen zu lesen ist, wurde das explosive Pulver zum Antrieb der Raketen vor mehr als 1 200 Jahren in China erfunden.

Wissenschaftler halten es auch für möglich, dass taoistische Mönche bereits im 6. oder 7. Jahrtausend zufällig die Sprengkraft eines Pulvers entdeckten, das eigentlich ein Elixier für die Unsterblichkeit ihres Herrschers werden sollte. Sie experimentierten mit einer Mischung aus Kohle, Schwefel und Salpeter – und schon knallte es in ihrem Labor. Als Kriegswaffe war es recht nützlich. In China sollte es Feinde ebenso vertreiben wie böse Geister abschrecken. Bunt brauchte es damals nicht zu sein, nur wirksam.

Es heißt, dass arabische Händler im 14. Jahrhundert das wertvolle Schwarzpulver nach Europa brachten. Dort begeisterten vor allem italienische Feuerwerker die vergnügungssüchtige Oberschicht im Barock mit immer neuen Farbspielen. Erst um 1900 wurde diese Festbeigabe zu einem öffentlichen Vergnügen und konnte in sogenannten Haushaltsmengen und -größen von jedem gekauft werden.

Die Faszination der Feuergarben ist ungebrochen. Ein Silvesterabend ohne Feuerwerkskörper – vom Knallfrosch bis zur Raketenbatterie? Völlig undenkbar! Da halten auch die leider inbegriffenen Unglücksfälle durch Unvorsichtigkeit und Gleichgültigkeit niemanden davon ab, sich zwischen Weihnachten und Neujahr entsprechend einzudecken.

Und nun ist das Undenkbare eingetreten: Kein Feuerwerk 2020 zur Begrüßung des neuen Jahres! Nicht eine einzige Packung wird in den Supermärkten zum Verkauf ausliegen. Und das sogar bundesweit. Wer vom vergangenen Jahr noch Restbestände im Hauskeller lagert, sollte sich die amtlichen Regelungen genau durchlesen. Eine Kurzform gaben die öffentlichen Medien bekannt: Das Verkaufsverbot von Feuerwerk gilt deutschlandweit. Das Böllern auf öffentlichen und belebten Plätzen ist verboten. Große Ansammlungen von Menschen sollen angesichts der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen ausbleiben. Daher sind sämtliche öffentlichen Feuerwerke gestrichen.

Verboten ist das private Böllern deswegen aber nicht. Die Menschen sind lediglich dazu angehalten, in diesem Jahr komplett auf die Silvesterknallerei zu verzichten, um die voll belegten Krankenhäuser nicht weiter zu belasten. Wie die einzelnen Länder und Gemeinden diesen Appell umsetzten, liegt in ihrer Hand. Eine Liste mit den zum Teil sehr unterschiedlichen Entscheidungen der einzelnen Bundesländer liegt öffentlich vor.

Für Nordrhein-Westfalen gilt die folgende Maßgabe: Ein pauschales Feuerwerksverbot soll es nicht geben, allerdings sind zahlreiche Verbotszonen geplant. Dazu gehören auch hier Innenstädte und generell alle belebten Plätze.

Feuerwerk zu Silvester, um das neue Jahr gebührend zu begrüßen, war eine allseits beliebte Show. Ob es irgendeinem Betrachter noch in den Sinn kommt, dass es in Wahrheit bewirken sollte, böse Geister gründlich zu erschrecken, um sie zu hindern, mit ins neue Jahr hineinzuschlüpfen?

Feuerwerk weckt auch Kriegserinnerungen

Einwohner, deren Geburtsjahr im Anfang des 20. Jahrhunderts liegt, haben gegen diese sprühenden Signale aus Lichterfunken ihre persönlichen Aversionen. Die Angst vor dem, was einer Lichtfontäne am Nachthimmel während des 2. Weltkriegs folgte, geht ihnen immer noch durch Mark und Bein.

Karl Jacobs versäumte nie, seinen Enkeln davon zu erzählen, und blieb lieber allein in seiner Wohnung. „Die Augenblicke, in denen ,Christbäume‘ den feindlichen Bombern zeigten, wo sie ihre tödliche Fracht abzuwerfen hatten, bedeuteten für uns die Gefahr von Zerstörung und Tod. Licht und Geräusche beim lustigen Silvestergaudi erinnern mich jedes Mal wieder an meine schrecklichsten Erlebnisse.“

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