Fest

„Feuerwehr ist eine Lebenseinstellung“

Die Kinder konnten sich ein Fahrzeug der Feuerwehr genauer anschauen.
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Die Kinder konnten sich ein Fahrzeug der Feuerwehr genauer anschauen.

Löschzug Dierath bat beim zweitägigen Fest zu Konzert und Familientag.

Von Tanja Alandt

Burscheid. Wie groß die Freude war, dass wenigstens der 101. Geburtstag mit einem Fest gefeiert werden konnte, demonstrierte ein dreijähriger Feuerwehr-Fan. Am Familientag des zweitägigen Festes des Löschzugs Dierath erschien er extra in seiner Feuerwehrverkleidung und freute sich, endlich in voller Montur im Feuerwehrwagen sitzen zu dürfen. „Ich weiß gar nicht, wie ich ihn heute hier wieder wegbekomme“, schlug seine Mutter Saskia Waschkowitz-Müller die Hände über dem Kopf zusammen, als er stolz auf dem Fahrersitz saß und erzählte, dass er die Sirenen toll findet „und wenn die Feuerwehrleute losrennen“. Dass Justus Feuerwehrmann werden möchte, steht für ihn schon seit vergangenem Jahr fest - seitdem er im Vorbeilaufen gesehen hat, wie die Dierather Feuerwehrleute die Pumpe wegen des Hochwassers reinigten.

Vor allem der Nachwuchs hatte seinen Spaß.

„So viele Kinder waren noch nie gleichzeitig hier“, sagte Feuerwehrmann Niklas Schäfer erfreut. Er zeigte ihnen unter anderem, was sich alles an Technik an dem Fahrzeug befindet. Rund 40 Kinder krabbelten und kletterten in das Fahrzeug oder standen mit großen Augen davor. Eine mindestens 27 Kilogramm schwere Schere und einen noch schwereren Spreizer des Hydraulikaggregats begutachteten sie aus der Nähe und waren glücklich, wenn das Blaulicht anging.

Auch der Rettungswagenwurde belagert

Auch der Rettungswagen wurde belagert. Dort erklärte Yannik Wiegratz vom Rettungsdienst des Rheinisch-Bergischen Kreises den Kindern den Defibrillator, ließ sie auf der Liege Platz nehmen oder sie mit dem Stethoskop sein Herz abhören.

Die Irish Folk-Band Fragile Matt sah in Dierath vorbei, am Samstagabend hatte die Band Harry Polter alles gegeben.

Sicher angeschnallt saß indes der zweijährige Danilo vorne. Festgelegt wie Justus hatte er sich aber noch nicht. „Ihn interessieren alle Fahrzeuge mit Sirenen“, erzählte sein Vater schmunzelnd. Die dreijährige Tilda testete mit ihrer Großmutter, wie schwer der Feuerwehrhelm ist und saß staunend mit Feuerwehrfrau Theresa Kase in dem Mannschaftsraum des Fahrzeugs.

Vor einem Jahr war die 20-Jährige hier hergezogen. Vor über zehn Jahren hatte sie bei einer Jugendfeuerwehr in Hessen begonnen, stammt aus einer Feuerwehrfamilie. Die Industriemechanik-Auszubildende und jüngste Dierather Feuerwehrfrau hatte ihre Aufnahme in den Löschzug 3 sofort klargemacht. Dass es gleichberechtigte Feuerwehrfrauen in Dierath gibt, ist unter anderem Löschzugführer Helmut Burchardt und der ersten Feuerwehrfrau in Dierath, Petra Adolphs, zu verdanken.

Seit über 30 Jahren ist Burchardt Löschzugführer. 1995 kam Adolphs dazu und war „mindestens erst einmal zehn Jahre die erste Frau“ im Team, wovon sie sich jedoch nicht abschrecken ließ. Heute ist sie im PSU (Psychosomatische Unterstützung der Feuerwehr) und wird alarmiert, um Erstgespräche mit den Rettungskräften zu führen und bei posttraumatischen Belastungsstörungen zu unterstützen. Früher seien die Feuerwehrleute alleine damit gewesen, berichtete Burchardt. Sie wiesen darauf hin, wie wichtig es ist, „über das Erlebte zu sprechen und nicht alleine damit nach Hause zu gehen“. Seit dem Bestehen des Dierather Löschzugs gab es viele Scheunen und Wohnhäuser zu löschen. Die Dierather halfen ebenfalls bei den beiden Jahrhunderthochwassern in den 90er Jahren in Köln.

Doch dieses Wochenende war Feiern angesagt. Bereits im Vorfeld halfen die Nachbarn und die Paffenlöher Kameraden vom Löschzug 4 beim Aufbau. Über 800 Personen, so schätzte Burchardt, kamen bereits an dem ersten Tag zusammen und rockten beim Auftritt der Band Harry Polter. Bis 5 Uhr morgens hielt es der harte Kern im Festzelt aus: Unter anderem gab es die Hochzeit eines Kameraden zu feiern, weswegen einige Hochzeitsgäste erst morgens aufschlugen. Für den Familientag kehrten sie nach der Sause alles wieder sauber.

Am Sonntag sorgten neben den Fahrzeugen eine Hüpfburg und die Irish-Folk-Band Fragile Matt für gute Stimmung. „Das hundertjährige Bestehen kann man nicht nachfeiern. Dafür werden die 112 Jahre richtig groß gefeiert“, kündigtr Burchardt an. Drei Tage lang soll das dauern.

Wer bei der Feuerwehr Dierath mitmachen möchte, sollte Zeit für die Übungen haben. „Feuerwehr ist kein Hobby, Feuerwehr ist eine Lebenseinstellung“, erklärte der langjährige Zuglöschführer.

www.feuerwehr-burscheid.de

Hintergrund

Seit 1921 gibt es die Dierather Feuerwehr, die aus 28 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten zwischen 18 und 63 Jahren besteht. Unter ihnen gibt es derzeit vier Feuerwehrfrauen. Zwei Feuerwehrmänner sind aus der Berufsfeuerwehr Leverkusen.

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