Sicherheit

Feuerwehr: „Feiertage kennen wir nicht“

Geballte Power: Für ihren Einsatz beim Hochwasser 2021 wurde die Burscheider Wehr ausgezeichnet.
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Geballte Power: Für ihren Einsatz beim Hochwasser 2021 wurde die Burscheider Wehr ausgezeichnet.
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Die rund 140 Mitglieder der Burscheider Wehr sind immer in Bereitschaft – auch an Weihnachten.

Von Nadja Lehmann

„Feuerwehr ist eine Lebenseinstellung“: Diesem Satz des Dierathers Löschzugführers Helmut Burchardt schließt sich Jens Knipper ohne Wenn und Aber an. „Das ist mehr als ein Hobby. Das muss man wollen und leben“, sagt das überzeugte Mitglied der Burscheider Feuerwehr, das sich im Vorstand um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Für ihn selbst war es ein ganz natürlicher, fast vorgezeichneter Weg: „Mein Opa und mein Vater waren auch in der Feuerwehr.“ Ersterer war sogar Kreisbrandmeister. „Ich habe das als Kind miterlebt, wenn mein Vater vom Einsatz kam, wenn die Sirene heulte. Das wollte ich auch machen.“ Und ebenso wie Vater und Großvater ist Jens Knipper im Löschzug Stadtmitte. „Tradition“, sagt er und lacht. Seit 2008 ist er dabei.

Zu Weihnachten aber hoffen die Floriansjünger, dass es ruhig bleibt. Und auch die Gemeinschaft tritt für einen Moment in den Hintergrund. „Wir sind eine große Gemeinschaft, gehen wörtlich zusammen durchs Feuer. Aber jeder hat seine Familie und feiert individuell“, sagt Knipper. Aber es gebe bestimmt den ein oder anderen, der gemeinsam mit Kameradinnen und Kameraden die Feierlichkeiten verbringe. Dann eben in privatem kleinem Rahmen.

Vier Gerätehäuser gehören zur Feuerwehr: Stadtmitte, Hilgen, Dierath und Paffenlöh. „Zu Weihnachten sind die Wachen nicht besetzt“, sagt Knipper. Nichts Ungewöhnliches, denn das sind sie auch sonst nicht. Außer, man trifft sich zu Übungen, Lehrgängen, geselligem Miteinander oder muss in Ausnahmesituationen wie Sturm und Hochwasser einen so genannten“Meldekopf“ bilden. Eine „Stallwache“in dem Sinne also gibt es nicht. „Jeder hat seinen Melder. Wenn der piepst, kommen alle“, beschreibt Knipper.

Denn eigentlich ist die Feuerwehr ohnehin immer im Dienst. Auch an Heiligabend und über die Feiertage. „Wie auch sonst im Jahr besteht für die Feuerwehr immer Bereitschaft. Feiertage kennen wir nicht. Wenn jemand uns ruft, dann kommen wir“, sagt Jens Knipper.

Doch an Heiligabend blieb es für die rund 140-köpfige Wehr meist ruhig. „Es gab glücklicherweise in den letzten Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, keine nennenswerten Vorfälle. Zumindest nicht, seit ich aktiven Dienst leiste“, sagt Knipper. Natürlich habe es hier und da schon mal den ein oder anderen Einsatz an Heiligabend gegeben, aber dann meist vormittags oder zur Mittagszeit.

„Dass wir die Bescherung im familiären Kreis deswegen unterbrechen mussten, ist nicht der Fall gewesen. Das wäre für uns zwar nicht so schön, aber für denjenigen, der uns gerufen hat, noch weniger schön“, findet der Feuerwehrmann. Seine Einstellung dazu ist ganz klar: „Wenn wir kommen, dann ist etwas passiert. Gerade zur Weihnachtszeit wünscht man das niemandem, sonst natürlich auch nicht.“

Offen räumt er ein, dass Einsätze natürlich das „Salz in der Suppe“ seien, aber: „Wenn wir nicht ausrücken müssen, ist das gut! Dann ist nichts passiert.“ Denn es seien ja immer Vorfälle, wo es anderen schlecht ginge. Knipper kennt den Spagat zwischen dem Wunsch nach wenig Einsätzen und der Forderung nach Höchstleistung im Moment der Gefahr: „Das müssen wir immer wieder trainieren. Und das tun wir auch, bei Übungen und Lehrgängen.“

Gemeinsames Weihnachtsfest wurde einfach vorverlegt

Ihr gemeinsames Weihnachten haben die Löschzüge übrigens einfach vorverlegt. Wie beim Löschzug Stadtmitte, der Anfang Dezember zusammenkam. „Dort sitzt man nicht in Uniform zusammen, sondern genießt das Beisammensein mit Partnern und Kindern. Es war schön, nach zwei Jahren Corona-Pause wieder alle zusammen zu sehen. Auch das ist Feuerwehr“, sagt Knipper.

Eine Gemeinschaft, die viel in Eigenregie erledigt. Wie die Sanierung des Gerätehaus Paffenlöh. Gemeinsam hoffen sie auch auf einen Neubau in Dierath. „Das jetzige Gebäude entspricht überhaupt nicht mehr der Norm. Es ist ja nur eine Garage mit Anbau“, sagt Jens Knipper.

Gemeinsam verfolgen die Floriansjünger auch ihr Ziel, neue Leute zu gewinnen. Denn das hatte der aktuelle Brandschutzbedarfsplan bemängelt: Tagsüber fehle es an verfügbarem Personal, um innerhalb der geforderten acht Minuten am Einsatzort zu sein. „Ich bin berufsmäßig selbst Pendler und weiß, wie schwer es ist, sich die Zeit fürs Ehrenamt freizuschaufeln“, sagt Knipper. Für die Akquise gebe es kein Rezept. Zumal das Leistungsspektrum immer anspruchsvoller werde: „Früher ging es nur ums Feuer. Inzwischen sind technische Hilfeleistung, Amtshilfe und ABC-Gefahrstoffe dazugekommen.“

Richtig erfolgreich läuft´s bei der Jugendfeuerwehr: „90 Prozent der erwachsenen Mitglieder kommen von dort“, sagt Knipper.

Das Jahr 2022 bezeichnet er als „normalen Feuerwehralltag“. Die großen Einsätze wie bei der Hochwasserkatastrophe blieben aus. Wenn es aber in den letzten Tagen des Jahres doch noch Alarm gibt, wird ausgerückt. Ohne Wenn und Aber.

„Darauf kann sich Burscheid verlassen. Auch zur Weihnachtszeit, inmitten der Bescherung, wenn der Melder geht: Die Feuerwehr kommt und hilft“, sagt Jens Knipper.

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