Einsätze

Feuerwehr arbeitet viel im „ruhigen“ Jahr

Auch im „ruhigen“ Jahr 2020 hatte die Feuerwehr Großeinsätze – etwa beim Wohnhausbrand am 14. Juli in Hilgen. Archivfoto: Doro Siewert
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Auch im „ruhigen“ Jahr 2020 hatte die Feuerwehr Großeinsätze – etwa beim Wohnhausbrand am 14. Juli in Hilgen.
  • Markus Schumacher
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Rettungskräfte kommen 2020 auf insgesamt 4283 Einsatzstunden

Burscheid. 240 Einsätze hatte die Feuerwehr Burscheid im vergangenen Jahr. 37 Mal musste dabei ein Feuer gelöscht werden, 52 Mal Menschen in einer Notlage geholfen werden. Und trotzdem sagt der Leiter der Feuerwehr Burscheid, Achim Lütz: „Es war ein ruhiges Jahr.“ Damit meint der Stadtbrandinspektor nicht nur die gesunkene Gesamtzahl der Einsätze –von 280 in 2019 und 318 in 2018 – sondern auch die Intensität.

Zwei Großbrände tauchen in der Jahreseinsatzstatistik auf. Am 17. März 2020 brannte eine Autowerkstatt in Hilgen. „Ja, das war schon ein richtiges Feuer“, erinnert sich Lütz. Die Rauchwolke sei fast in der ganzen Stadt zu sehen gewesen. Damals war auch Stadtalarm ausgelöst worden und drei Löschzüge mit insgesamt 85 Feuerwehrleuten im Einsatz. Die hatten das Feuer dann schnell unter Kontrolle und gelöscht.

„Wir rücken lieber ab und zu umsonst, als einmal zu spät aus.“

Achim Lütz, Feuerwehrleiter

Auch am 14. Juli war wieder Hilgen betroffen: Diesmal brannte ein Einfamilienhaus. Beim Eintreffen der Feuerwehr standen die erste Etage und das Dachgeschoss in Flammen. Diese brannten auch komplett nieder. Die Anwohner hatten sich alle selbst retten können. Der Rauch sorgte für eine Sichtbehinderung und Geruchsbelästigung vor Ort. Die 45 Burscheider Einsatzkräfte wurden von Kollegen aus Wermelskirchen mit einer zweiten Drehleiter unterstützt.

Hilfe von und für die Nachbarstadt ist nicht ungewöhnlich: Als am 17. August auf der Autobahn 1 in Wermelskirchen ein Lkw mit Papierladung brannte, halfen die Burscheider. „Auf der Autobahn gibt es kein Wasser“, erklärt Lütz, „das haben wir daher in einem Pendelverkehr herangeschafft.“ Die Autobahn sorgte allein für insgesamt 33 Einsätze im vergangenen Jahr. „Wenn wir da zu einem Unfall rausfahren, ist schon immer eine mulmige Stimmung im Wagen“, berichtet Lütz. Denn oft gibt es dabei Schwerstverletzte und Tote in völlig zerstörten Fahrzeugen zu retten bzw. bergen. Wie am 2. September. Da war ein Lkw auf einen Sprinter aufgefahren. „Der Fahrer des Sprinters war schon tot“, erinnert Klaus Kopisch, der stellvertretende Wehrleiter. Das sei zwar schlimm für die Einsatzkräfte, aber nicht so dramatisch wie ein Verletzter, der vielleicht noch vor Schmerzen brüllt und dem man trotzdem nicht schneller helfen kann. „Bei diesem tödlichen Unfall haben wir lange gebraucht“, sagt Lütz, „wir bekamen den Lkw nicht weg.“ Dafür musste erst ein Kranwagen angefordert werden. Und dabei staut sich der Verkehr länger und länger und die Polizei fragt ständig nach, wie lange denn die Feuerwehr noch brauche . . .

Kompliziert war auch der Einsatz am 4. Oktober, als es in einer Wohnung an der Adolf-Kolping-Straße gebrannt hatte. „Die Wohnung war stark verraucht und der Bewohner lag hinter der verschlossenen Küchentür“, berichtet Achim Lütz. Die Feuerwehr konnte ihn aber retten. Ursache des Brandes: In der Küche war eine Herdplatte angeblieben.

Zum Glück gebe es immer mehr Rauchmelder, sagen Lütz und Kopisch. Die hätten zwar schon in 2020 zu sieben Fehlalarmen geführt und würden in Zukunft bestimmt zu noch mehr Fehlalarmen führen: „Aber wir rücken lieber ab und zu umsonst, als einmal zu spät aus.“ Bei insgesamt 29 Blinden Alarmen hätte es nur einen böswilligen gegeben: „Da hatte jemand einen vermeintlichen Brand in Straßerhof gemeldet, der Anruf kam aber aus der Pastor-Löh-Straße, wie sich später rausstellte“, schildert Lütz.

„Mal was anderes“, sei laut Lütz der Einsatz am 23. Februar gewesen: „Da hatte sich eine verwirrte Person aus dem Wald gemeldet.“ Die habe aber nicht sagen können, wo sie sich befand. „Die Leitstelle hat dann mehrmals nachgefragt, was die Person denn sehe“, berichtet Lütz, „und so konnten wir sie schließlich finden.“

Das „ruhige“ Jahr 2020 hatte stürmisch angefangen: Als am 9. und 10. Februar Tief Sabine in Burscheid tobte, hatte die Feuerwehr einige Einsätze mit der Motorsäge.

Seit dem 1. Februar 2021 hat die Feuerwehr Burscheid einen hauptamtlichen Gerätewart. Nicht mehr in der Bürgermeister-Schmidt-Straße 15 untergebracht ist der Rettungsdienst des ASB. „Die haben jetzt an der Industriestraße viel mehr Platz und wir sind wieder alleiniger Herr im Haus“, sagt Lütz. So hofft man nun auf ein baldiges Ende der Pandemie: „Wir müssten, können aber nicht üben. Wir sehen uns nur noch online oder in kleinen Gruppen bei den Einsätzen“, schildert der Wehrleiter, „die Kameradschaft bleibt im Moment auf der Strecke.“

Hintergrund

Die Freiwillige Feuerwehr Burscheid hat rund 130 Mitglieder in den vier Löschzügen (Stadtmitte, Hilgen, Dierath und Paffenlöh), der Jugendfeuerwehr und der Alters- und Ehrenabteilung. 2020 wechselte Ulrich Herrmann in die Alters- und Ehrenabteilung. „Aber die Jugendfeuerwehr bricht uns weg“, befürchtet Wehrleiter Achim Lütz. Seit Monaten gebe es keine Treffen mehr. Doch der Nachwuchs werde gebraucht.

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