Handel

Familienunternehmen setzt auf den Fisch

Michael Abraham betreibt in Bremersheide am Weltersbach „Abrahams-Forellen“: Hier, so sagt er zu seiner Frau Karola, „bin ich bei meiner stillen Geliebten“. Foto: Stephanie Licciardi
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Michael Abraham betreibt in Bremersheide am Weltersbach „Abrahams-Forellen“: Hier, so sagt er zu seiner Frau Karola, „bin ich bei meiner stillen Geliebten“.

Fisch to go: 2013 übernahm Michael Abraham ein Waldgrundstück mit sechs Forellenteichen.

Von Stephanie Licciardi

Burscheid. Der altbekannte Zungenbrecher „Fischers Fritz fischt fri-sche Fische“ ist vielen Men-schen geläufig. Frische Fische gibt es auch in Bremersheide, nur heißen die Fischer hier Michael und Kion Abraham. Seit 2013, als der Hobbyangler im Grenzgebiet zu Burscheid das kleine Waldstück mit Forellenteichen übernahm, hat Michael Abraham Blut geleckt. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Zu meiner Frau Karola sage ich oft im Scherz, »ich bin bei meiner stillen Geliebten«, so nenne ich dieses Stückchen Wald.“

Auf dem idyllischen Areal mit insgesamt sechs Teichen schwimmen träge Forellen, Saiblinge, Störe und Lachsforellen. In den Räucheröfen garen die Forellen über Buchenholz; es duftet angenehm nach Holzkohle und geräuchertem Fisch. Sohn Kion und Freund Nuri packen hier kräftig mit an, hacken Holz, fangen die Fische und helfen Michael Abraham. „Mein Traum war es immer, einen eigenen Wald zu besitzen“, erzählt dieser. „2012 sind wir dann auf einen Tipp des Schwiegervaters auf das Waldstück hier gestoßen.“

Die Vorbesitzer betrieben jahrzehntelang einen Forellenverkauf mit sieben Teichen. „Das Grundstück haben wir uns dann im Winter 2013 bei Schnee angeschaut. Es war sofort klar: »Hier möchte ich hin«.“ Zunächst jedoch waren Umbaumaßnahmen auf dem Grundstück erforderlich. Rückblickend, so der Inhaber, war das eine arbeitsreiche und aufregende Zeit. „Anfangs haben wir sehr viele Auflagen von Seiten der Ämter erhalten. Von einer eigenen Trinkwasseraufbereitungsanlage bis zu einer Toilette musste vieles erneuert, umgebaut und ange-legt werden. Der Kampf mit den Ämtern zog sich knapp fünf Monate hin, bis wir die Baugenehmigung erhielten.“

Weder den Mut noch den Spaß an der Sache verloren Karola und Michael Abraham in dieser Zeit. „Wir ließen uns von den Vorbesitzern in die Kunst des Räucherns einwei-hen und informierten uns nach und nach.“ Auch ein neues Holzhaus ließ die Familie auf ihrem Grundstück errichten. Im ersten Jahr von Abrahams-Forellen verkaufte die Familie rund 10 000 Tonnen Fisch. „Ich erinnere mich noch an den ersten Käufer. Er fragte, wie viel der Fisch koste, und ich sagte, »fünf Euro«.“ Diese fünf Euro haben noch lange am Schwarzen Brett gehangen.“

Inzwischen gehen pro Wochenende zwischen 200 bis 300 Kilogramm Regenbogenforellen und Co. über die Theke. Der Clou: Ob frisch gefangen aus dem Teich oder ob aus dem Räucherofen direkt auf den Speiseteller – seine Stamm-kundschaft reist für den be-sonderen Genuss teilweise bis aus dem Ruhrgebiet an. Neben dem Verkauf veranstaltet das Abrahams-Forellen-Team auch Events für Schulklassen und Gruppen. „Diese werden wir aber erst wieder im kommenden Jahr anbieten“, erzählt Michael Abraham.

Gemächlich schwimmen die bunt schillernden Fische im Vorhaltenetz, während ihre schuppigen Kollegen, die Karpfen, sich im Becken nebenan tummeln. Auch bei den „Wilden Kerlen“ ist einiges los, dort lassen sich Schleie und Störe treiben, die nicht für den Verkauf gedacht sind.

Auf eine eigene Fischzucht verzichtet der Betreiber bewusst. „Wir bekommen die Fische direkt aus der Eifel oder aus Niedersachsen, die Zucht selbst lohnt sich wegen des Aufwandes nicht.“ Kommt ein Kunde, werden die Tiere vor Ort geschlachtet, ausgenommen und verzehrfertig verpackt.

Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team

Damit haben Vater und Sohn Erfahrung und sind ein eingespieltes Team, denn nicht nur das gemeinsame Hobby verbindet sie, sondern auch ihre Angelpassion. Kion Abraham, der eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik macht, ist meist am Wochenende dabei. „Es macht mir Spaß, weil es eine abwechslungsreiche Tätigkeit ist“, sagt er. „Und ich bin hier mein eigener Chef!“

Hintergrund

HOFVERKAUF: Von Forellen, Lachsforellen über Aal oder Saibling bis zum Karpfen: Der Hofverkauf bei Familie Abraham ist das ganze Jahr über geöffnet. Freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 16 Uhr findet der Verkauf statt. Vorbestellungen von geräucherten und frischgefangenen Fischen sind möglich.

FORELLEN: Forellen sind – je nach Art – in Seen, Bächen, aber auch im Meer, zu Hause. Im Handel stammen die meisten Forellen jedoch aus Zuchtteichen. 2013 hatte der Verband Deutscher Sportfischer die Forelle zum Fisch des Jahres gewählt. Sie gehört zu den wohl bekanntesten heimischen Fischarten.

INFOS: Weitere Informationen gibt es im Netz unter

www.abrahams-forellen.de

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