Familienkonzert kommt direkt ins Wohnzimmer

Unter Leitung von Orchester-Stipendiatin Anna Handler spielen die Symphoniker das erste Familienkonzert des Jahres ein. Foto: Roland Keusch
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Unter Leitung von Orchester-Stipendiatin Anna Handler spielen die Symphoniker das erste Familienkonzert des Jahres ein.

Bergische Symphoniker lassen die Mozartkugeln musikalisch über die Bühne rollen

Von Sabine Naber

„Es ist bitterkalt und schneit in diesem Winter 1762. In einer Kutsche mit vier Pferden davor reisen der kleine Wolfgang Amadeus Mozart, eine mollige Dame, ein mürrischer Herr und ein Konditor aus Salzburg.“ So beginnt die „Wahre Geschichte der Mozartkugeln“, die Barbara Overbeck im ersten Familienkonzert der neuen Spielzeit im Teo Otto Theater sehr kurzweilig erzählt.

Begleitet wird sie dabei natürlich von den Bergischen Symphonikern, die unter der Leitung von Orchester-Stipendiatin Anna Handler Musik von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart spielen. Beispielsweise die berühmte „Kleine Nachtmusik“, zwei Sätze aus der Jupiter-Symphonie oder auch die „Musikalische Schlittenfahrt“. Es ist eine musikalische Reise durch das Leben des kleinen Mozarts, in der sich Musik- und Textpassagen sehr unterhaltsam abwechseln.

„Das ist kein Ersatz. Aber eine Möglichkeit, um mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben.“

GMD Daniel Huppert

Und darum geht es: Noch heute streiten sich die Konditoren in Deutschland und Österreich darüber, wer die leckeren Mozartkugeln zuerst hergestellt hat. Alle behaupten, sie hätten die Kugeln zu Ehren des berühmten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart erfunden. In Wahrheit war es aber der kleine Wolfgang Amadeus selbst, der während dieser winterlichen Kutschfahrt die ungewöhnliche Süßigkeit praktisch selbst kreiert hatte.

Denn die Kutsche war wegen eines Achsenbruchs umgekippt, die Tortenvariationen des Konditors im Laderaum waren nur noch ein einziger Brei. Der Konditor steht fassungslos vor seinen zerquetschten Torten, Mozart ist glücklich, dass seine Geige heil geblieben ist. „Eigentlich will ich ja nicht vorspielen, aber für dich zum Trost tue ich es“, tröstet er den Konditor. Und schon erklingt ein wunderschönes Rondo. Dann aber steckt das Wolferl aus Langeweile seinen Finger in den Kuchenmatsch, leckte ihn ab und schwärmt: „Ist das lecker.“ Den Brei aus Pistazien, Nougatcreme, Marzipan und Schokolade rollte er zu Kugeln. Die Mitfahrer – auch der Konditormeister – waren begeistert vom Ergebnis.

Wunderbar gelingt, es den Musikerinnen und Musikern, das Geschehen lautmalerisch umzusetzen, lebendig werden zu lassen. Da „wiehern“ die Trompeten, wenn die Kutsche umkippt, da erzeugen die Streicher einen behäbigen Klangbrei, als die kunstvoll dekorierten Torten durch den Unfall zwangsläufig miteinander verschmelzen. Und die Erzählerin versteht es vortrefflich, den Seelenzustand des kleinen Mozart zu schildern. Der langweilt sich nämlich während dieser Kutschfahrt, die ihn zu einem Konzert nach Wien bringen soll. Viel lieber würde der fast Siebenjährige doch mit seiner Schwester Quatsch machen oder wenigstens eine Schneeballschlacht in Gang bringen. Aber sie hatte sich den Finger geklemmt und musste zu Hause bleiben.

Zwar standen an diesem Mittag die Orchestermitglieder und die Erzählerin auf der Bühne des Teo Otto Theaters, die Sitzreihen im Saal blieben allerdings leer. Allein zahlreiche Kameras und Mikrofone waren aufgebaut, um die Geschichte und die Musik aufzunehmen und zu einem besonderen Klangerlebnis werden zu lassen. Denn wegen Corona dürfen die Familien nicht ins Theater kommen, das Konzert muss zu den Kindern nach Hause gebracht werden.

„Das ist kein Ersatz. Aber eine Möglichkeit, um mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben“, so sieht es Generalmusikdirektor Daniel Huppert. Die Familien könnten zusammensitzen und ihr Orchester sehen, die Musik, die Geschichte gemeinsam hören. „Und es ist ein hochwertiger Mitschnitt, den das Orchester in Eigenleistung produziert. Eine schöne Gemeinschaftsproduktion“, fasst es Katherina Knees, die bei den Symphonikern für sie Kinder- und Jugendprogramme zuständig ist, zusammen. Mit einem Spendenaufruf zugunsten der freien Künstler wolle man zudem ein Signal setzen, weil man sich ihnen moralisch und künstlerisch verpflichtet fühle.

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