Mobilität

Fahrradclub will gegenläufigen Radverkehr

Wirkt wie gemacht für den Radverkehr: Der Sportplatzweg, von der Straße Am grünen Steg aus gesehen. Fotos: Doro Siewert
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Wirkt wie gemacht für den Radverkehr: Der Sportplatzweg, von der Straße Am grünen Steg aus gesehen.

Im Hauptausschuss sprachen die Politiker über die Freigabe des Sportplatzwegs in Hilgen.

Von Nadja Lehmann

Reigasse und Schulstraße sollen leichter erreichbar sein. Im Vordergrund ist die Witzheldener Straße zu erkennen.

Radfahren ist nicht immer und überall ein Zuckerschlecken. Zum Beispiel auf der viel befahrenen Witzheldener Straße. Dort habe er kürzlich vom Rad springen und sich in Sicherheit bringen müssen, als ein entgegenkommender Lkw überholte: „Da war kein Platz mehr“, schilderte Rolf Brombach in der Einwohnerfragestunde des Hauptausschusses, der wenig später das Thema „Gegenläufiger Radverkehr“ und die entsprechende Freigabe des Sportplatzweges in Hilgen im Detail aufgriff. Einen entsprechenden Antrag hatte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), Kreisverband Rhein-Berg, gestellt. Sabine Krämer-Kox, Sprecherin der Ortsgruppe Wermelskirchen-Burscheid und selbst in Ösinghausen daheim, war in die Sitzung gekommen, um das ADFC-Anliegen zu vertreten und zu erklären.

Der Fahrradclub hat beantragt, den Sportplatzweg zwischen dem Mobilitätsknoten Raiffeisenplatz und der Reigasse in beiden Fahrtrichtungen für den Radverkehr freizugeben. Bislang ist der Sportplatzweg auf rund 100 Metern als Einbahnstraße ausgewiesen und darf in Richtung Sportplatz nicht befahren werden: Deshalb müssen Radfahrende einen Umweg über die eingangs geschilderte stark frequentierte Witzheldener Straße nehmen.

Für Krämer-Kox ist das ein Unding. „Der Sportplatzweg bildet eine direkte, verkehrsarme Verbindung von der B 51, dem Mobilitätsknoten Raiffeisenplatz, dem Panorama-Radweg Balkantrasse zum Sportplatz, einem Wohngebiet sowie einer Grundschule. Durch die Freigabe könnten Radfahrende den Sportplatz und die Ernst-Moritz-Arndt-Schule erreichen. Anwohner hätten eine direkte Anbindung an ihre Wohnstätten, unterstrich sie auf der Hauptausschusssitzung im Haus der Kunst.

Neu ist das Thema nicht. Bereits 2019 wurde über die Freigabe des Sportplatzwegs in der so genannten Verkehrsbesprechung auf Kreisebene debattiert. Damals mit negativem Ergebnis: Die Fahrbahnbreite von 3,5 Metern sei für den gegenläufigen Radverkehr nicht ausreichend. „Seitdem sind die Fragen zu Mobilität und Klimaschutz aber deutlich drängender geworden. Die Anerkennung des Fahrrads als umweltschonendes und vollwertiges Verkehrsmittel soll laut Straßenverkehrsordnung gefördert werden. Dazu gehören sichere und kurze Radverkehrsführungen“, erklärte Krämer-Kox.

„Das wird auch von uns verfolgt“, sagte Fachbereichsleiter Marc Baack. Die Stadt habe deshalb einen neuen Versuch gestartet und habe beim Kreis angeklopft. Denn dieser ist für solche Freigaben verantwortlich. „Der Kreis zweifelt“, beschrieb Baack und verwies erneut aufs Thema Breite. „Auf dem Sportplatzweg teilen sich Fußgänger, Radfahrer und Autos die Fahrbahn.“ Zwei Lösungswege könnte die Stadt als Straßenbaulastträger einschlagen: Sie könnte die Fahrbahn auf bis zu 4,5 Meter verbreitern oder einen Gehweg bauen. „Letzteres hatten wir bislang nicht beabsichtigt.“

ADFC hatte Antrag auch mit geänderter Vorschrift begründet

Der ADFC hatte seinen Antrag auch mit einer geänderten Verwaltungsvorschrift begründet, die Radfahrenden ausdrücklich das gegenläufige Fahren erlauben „soll“. Bisher hatte das Stichwort an dieser Stelle „kann“ gelautet. „Die Änderung liegt bislang nur als Entwurf vor“, schränkte Baack auf der Sitzung ein. Er gehe aber davon aus, dass die neue Vorschrift auch tatsächlich komme.

„Wir sehen Handlungsbedarf“, signalisierte Michael Baggeler, Fraktionschef des Bündnis für Burscheid (BfB) Unterstützung für den Antrag. Der ADFC wolle eine „Herstellung der Lebenswirklichkeit“. Den von Sabine Krämer-Kox zuvor geäußerten Wunsch nach einem Ortstermin halte er für sinnvoll. Ähnlich argumentierte Sabine Wurmbach von den Grünen: „Die alleinige Vorfahrt für Autos gilt nicht mehr.“ Was sie als Mitglied des Kreistags tun könne, wolle sie gern machen: „Entweder man will Lösungen finden, oder man folgt Verordnungen.“ Skeptisch war hingegen Horst Buttkus (CDU): Wegen des Sportplatzes seien dort viele Kinder unterwegs. „Die müssen jetzt schon oft in die Büsche springen. Wenn da noch Radfahrer dazukommen, ist das zu viel.“

Die Verwaltung soll nun den Antrag im Detail überprüfen – Ortstermin inklusive.

Hintergrund

Schlusswort: „Wir haben viele Denkanstöße bekommen“, schloss Hartmut Schepanski (CDU) den Tagesordnungspunkt zum gegenläufigen Radverkehr auf Antrag des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ab. Der Fraktionsvorsitzende der Burscheider CDU leitete anstelle des erkrankten Bürgermeisters Stefan Caplan die Sitzung des Hauptausschusses im Haus der Kunst.

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