Jugendhilfeausschuss

Fachkräftemangel erschwert die Betreuung

Ulrich Heimann (Sportjugend Rhein-Berg) in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Kreishaus.
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Ulrich Heimann (Sportjugend Rhein-Berg) in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Kreishaus.

Weniger Plätze für Kinder als gewünscht.

Von Anja Wollschlaeger

Burscheid. Die Lage sei „ernst“, fasste Erika Gewehr (CDU) als Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses die Situation in der Tagesbetreuung für Kinder knapp zusammen. Das Jugendamt hatte für die Sitzung im Kreishaus die Zahlen für Burscheid, Kürten und Odenthal zusammengetragen. Demnach sind mehr Kinder ohne Kita-Platz, als im Jahr zuvor. Neun Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren können in den drei Kommunen laut dem Bericht aktuell keine Kita besuchen. Kitas und Kindergärten können nur für 91 Prozent der Kinder in diesem Alter Plätze anbieten. Angestrebt sind 97 Prozent.

Hinrich Schipper, SPD, forderte gemeinsame Anstrengungen des Ausschusses, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Gleichzeitig haben einige Kitas in Burscheid und den beiden Gemeinden ihre Betreuungszeiten reduziert. Sie bieten nun seltener Plätze mit 45 Wochenstunden Betreuung an. Was das für die Eltern bedeutet, sagte Elternvertreterin Esterina Bernhardt: „Immer mehr Kinder finden keinen Platz, und immer öfter schränken Einrichtungen ihre Öffnungszeiten ein. Das bedeutet für Eltern eine sehr große Belastung.“

Auch Burscheider Kitas suchen aktuell Personal. Nadine Treskow, Leiterin des Awo-Familienzentrums Burscheid sitzt im Ausschuss und stellt fest, dass es für Träger ganz besonders schwer ist, Stellen zu besetzen: „Wir suchen aktuell eine Elternzeitvertretung, aber es ist schwer, solche Stellen zu besetzen. Wir merken im gesamten Kreis, dass es immer weniger Bewerber und Bewerberinnen auch auf unbefristete Stellen gibt.“

Die Awo-Kita hält ihre Betreuungszeiten weiter aufrecht. 72 Kinder besuchen die Kita, davon mehr als die Hälfte 45 Stunden pro Woche.

Für die SPD-Fraktion trat Hinrich Schipper ans Mikrofon. Er sagte: „Von diesem Ausschuss hier sollte das Signal ausgehen, dass wir uns alle auf den Weg machen.“ Ulrich Heimann (CDU), der im Ausschuss für die Sportjugend sitzt, stellte eine konkrete Forderung: „Wir sollten eine Stellenbesetzungsquote von 110 Prozent anstreben.“ Damit gab er den Ball an das Jugendamt ab, für das Dezernent Markus Fischer sprach: „Wir werden unsere Anstrengungen intensivieren, damit wir uns von der Konkurrenz abheben können. Denn es ist ein Konkurrenzkampf, in dem wir uns befinden.“ Um Erzieherinnen und Erzieher zu finden und sie langfristig in den Kitas zu halten, sollten auch Träger ihre Fachkräfteakquise bündeln, so Fischer.

„Es gibt etwas, das Sie alle tun können. Reden Sie gut über diese Berufe.“

Raphaela Hänsch, Caritas

Raphaela Hänsch sprach als Vertreterin der Caritas klare Worte: „Es gibt etwas, was Sie alle tun können. Reden Sie gut über diese Berufe. Der Erzieherberuf ist etwas ganz Erfüllendes, und die Bezahlung ist heute auch nicht mehr schlecht, wenn ich das mit manchen Handwerksberufen vergleiche.“ Laut dem Entgeltatlas der Arbeitsagentur verdient die Mehrheit der Berufsanfängerinnen im Erzieherberuf in Nordrhein-Westfalen 3031 Euro brutto.

Es gibt mehr Stellen als arbeitssuchende Fachkräfte

Laut Arbeitsagentur standen im Rheinisch-Bergischen Kreis 2021 112 arbeitssuchenden Fachkräften im Bereich Erziehung 132 offene Stellen gegenüber. Nur bei Helfern, also den Kinderpflegerinnen, suchten mehr Menschen eine Stelle, als die Einrichtungen angeboten haben.

Regina Wallau, Pressesprecherin der Arbeitsagentur in Bergisch Gladbach, erklärt die Schwierigkeiten bei der Vermittlung: Eine Umschulung sei in dem Bereich „mal eben“ nicht möglich, weil für die Stellenbesetzung feste Anforderungen gelten würden.

Was aus dem im Sommer veröffentlichten Kita-Bericht 2022 des Paritätischen Gesamtverbands hervorgeht: Jeder zweiten Kita fehlen Erzieher.

Standpunkt von Anja Wollschlaeger: Hilflos

Jeder Appell, jede Resolution und auch Geld, das der Jugendhilfeausschuss bereitstellt, hilft nicht, wenn es nicht auch ausreichend Menschen gibt, die den anspruchsvollen Erzieherberuf ausüben. Den Politikern scheinen die Hände gebunden. Die Leidtragenden sind die Familien. Kinder kommen später in die Kita, lernen Freunde später kennen, verpassen Bildungschancen. Eltern können ihre Berufstätigkeit nicht verlässlich planen. Bei der Suche nach Auswegen aus der Misere sind sicher nicht nur guter Wille und Geld, sondern auch Kreativität und Einigkeit gefragt.

Jeder Appell, jede Resolution und auch Geld, das der Jugendhilfeausschuss bereitstellt, hilft nicht, wenn es nicht auch ausreichend Menschen gibt, die den anspruchsvollen Erzieherberuf ausüben. Den Politikern scheinen die Hände gebunden. Die Leidtragenden sind die Familien. Kinder kommen später in die Kita, lernen Freunde später kennen, verpassen Bildungschancen. Eltern können ihre Berufstätigkeit nicht verlässlich planen. Bei der Suche nach Auswegen aus der Misere sind sicher nicht nur guter Wille und Geld, sondern auch Kreativität und Einigkeit gefragt.

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