Exzellente Band unterstützt Engelbert Wrobel

Angelika Görs gibt die Tonlage vor. Engelbert Wrobel (rechts) bildet mit der Swing Society den passenden Klangteppich. Foto: Doro Siewert
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Angelika Görs gibt die Tonlage vor. Engelbert Wrobel (rechts) bildet mit der Swing Society den passenden Klangteppich.

Kultursommer in der Kirchenkurve: Jazzklarinettist gibt zweistündiges Heimspiel – Mit von der Partie war Sängerin Angelika Görs

Von Peter Klohs

Der Jazzmusiker Engelbert Wrobel kann in Burscheid spielen, wie, wann und wo er will - es ist ein Heimspiel und allzeit gut besucht. So auch am Samstagnachmittag, als der geborene Burscheider gemeinsam mit seiner Swing Society und der Sängerin Angelika Görs anlässlich des Burscheider Kultursommers bei herrlichem Spätsommerwetter in der Kirchenkurve ein gefeiertes Konzert spielte. 200 Sitzplätze waren aufgestellt worden, die jedoch nicht ausreichten. Einige Zuhörende setzten sich auf Bänke oder Kirchenmauern am Rande des Konzertplatzes, so dass beinahe 230 Gäste dem Sohn der Stadt und seinen Mitspielern zuhörten.

Der Saxofonist und Klarinettist begrüßte das Publikum sicht- und hörbar mit guter Laune. Das Quintett spielte sich erst einmal mit einem Midtempo-Swinger warm. Das erste Solo gebührte dem Bandleader am Altsaxofon, der auch sofort aus seinem reichen Schatz zitierte und eine musikalische Geschichte erzählte. Und spätestens beim zweiten Stück, einer rasend schnell dargebotenen Version des Jazzstandards „After you’ve gone“, wurde deutlich hörbar, welch exzellente Band Engelbert Wrobel um sich geschart hatte.

Pianist Chris Hopkins, spätestens seit seinem Duo-Konzert mit Dado Moroni vor fast einem Jahr in Burscheid hierzustadt wahrlich kein Unbekannter mehr, begleitet stets geschmackvoll. Übertriebene Virtuosität ist nicht sein Stil. Der klassisch ausgebildete Gitarrist Rolf Marx, auch er ein stil- und geschmackssicherer Solist, hat schon mit Hochkarätern wie Dee Dee Bridgewater und der WDR-Big-Band zusammen gespielt. Bassist Henning Gailing, außerhalb des traditionellen auch im Modern Jazz unterwegs, legt anspruchsvolle musikalische Teppiche aus, auf denen die Solisten sich austoben können. Drummer Oliver Mewes swingt wie weiland Gene Krupa und sorgt auch bei den zahlreichen in Ehren ergrauten Zuhörenden für Fußwippen und rhythmisches Nicken des Kopfes.

Der Kommentar des Bandleaders nach dieser Tour de force: „Es ging schon mal besser, aber auch schon mal schlechter.“ Gelächter im weiten Rund.

„Es ging schon mal besser, aber auch schon mal schlechter.“

Engelbert Wrobel

Wrobel begrüßte anschließend die Sängerin Angelika Görs, die sich mit „Bei mir bist du schön“ direkt fulminant in das Set integrierte. Eine erste Sternstunde der Vokalistin hörten die Gäste dann in „Smile“, dieser sträflich unterschätzten herb-süßen Ballade von Charlie Chaplin, ja, eben diesem Chaplin, der außerdem begnadet Cello spielen und komponieren konnte. Dieses Kleinod gleichsam mit ihrer flexiblen und sensiblen Stimme zu veredeln, gelang Görs auf beeindruckende Weise.

Im Laufe des zweistündigen Konzertes bewiesen die Musiker, dass sie nicht nur swingen können, sondern auch anderen Musikrichtungen durchaus nicht abgeneigt sind. Zu hören war dies in „I can see clearly now“, einem Reggae-Song von Jimmy Cliff, der durch die Version von Johnny Nash berühmt wurde. Wrobel und Kollegen spielten das Stück als Reggae mit einer leichten Swing-Attitüde.

Jobims „One note Samba“ strahlte exakt die nötige kühle Hitze aus

Und auch Südamerikanisches ist den Musikern nicht fremd: Antonio Carlos Jobims „One note Samba“ strahlte exakt die nötige kühle Hitze aus, die Jobim so liebte, eine Nummer, die gleichsam die zweite Sternstunde der Sängerin darstellte: Distanziert und leidenschaftlich zur gleichen Zeit bot sie den 1959 komponierten Bossa Nova dar.

Nach der Pause legte die Band noch einmal los wie ein Maserati auf dem Nürburgring. Welche Nummer könnte sich besser dazu eignen als Duke Ellingtons „It don’t mean a thing…“? Wenige, wie auch die Jazzkenner zugeben müssen.

Und das mit Angelika Görs auf ein Sextett gewachsene Ensemble feierte das Stück richtig ab: feurige Soli, ein Duett zwischen Bass und Schlagzeug, ein Solo von Wrobel, das die Grenzbereiche zum Bebop auslotete, ein Fest für anspruchsvolle Jazzohren.

Zu Recht am Ende begeisterter Beifall in der Innenstadt

Wrobels Erfahrung mit der Dynamik eines Konzertes setzte er vorbildlich ein: Mit „Goody Goody“ wurde das Energie-Level danach direkt um zwei Schritte zurückgefahren. Zu Recht begeisterter Beifall in der Burscheider Innenstadt.

Hintergrund

Der Burscheider Kultursommer 2021 begann im Juli und endet im Oktober. Mit Engelbert Wrobels Swing Society konnten die Veranstalter ein musikalisches Ausrufezeichen setzen. Am Samstag, 11. September, präsentiert die Maverick’s Band um 19.30 Uhr in der Kirchenkurve die weite Welt der Country-Musik. Auch bei diesem Konzert ist die Einhaltung der 3-G-Regeln nötig.

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