Grünes Licht vom Kuratorium

Expertise soll Musikschule auf Kurs bringen

Leiter Thomas Kinzel hat mit seinem Team vielfältige Pläne für die Zukunft der Musikschule. Archivfoto: Herbert Draheim
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Leiter Thomas Kinzel hat mit seinem Team vielfältige Pläne für die Zukunft der Musikschule.

Burscheid-Stiftung der Kreissparkasse Köln hilft mit Zuschuss und externer Analyse.

Von Nadja Lehmann

„Wir sind gut durch die Krise gekommen“, sagt Musikschulleiter Thomas Kinzel. „Die Schüler sind uns trotz der teilweise ungünstigen Umstände durch den Online-Unterricht treu geblieben. Wir haben viel Solidarität erfahren.“ Nichtsdestotrotz habe sich die Musikschule im aufreibenden Spagat zwischen Online- und Präsenzunterricht in die Ferien „gerettet“, wie Kinzel zugibt.

Wie es weitergeht, müsse man sehen und auch im Nachgang bewerten, wie sich die Pandemie auf die Musikschule ausgewirkt habe. „Gewohnheiten haben sich geändert; die Alltagsstrukturen sind andere“, sagt Kinzel über 2020 und 2021. Und die Musikschule habe kaum Werbung für sich machen können. „Mit Konzerten und Auftritten konnten wir nicht punkten.“

„Burscheid zählt zu den ältesten Standorten der musikalischen Bildung.“

Musikschulleiter Thomas Kinzel

Doch Kinzel denkt schon weiter. Er möchte verstärkt auf die Jüngsten zugehen, einen Kinderchor einrichten. „Endlich“, sagt er. Man hatte lange keine geeignete Leitung – und als die gefunden war, kam Corona. „Jetzt können wir starten.“ Auch im Bereich Kindertanz soll etwas entstehen und für das Violoncello, wo viel Fluktuation herrschte, gibt es wieder einen Pädagogen.

Nach den Ferien werden aber auch noch weitere Weichen gestellt. Weichen, die den Weg in die Zukunft ebnen sollen. Und für die der Vereinsvorsitzende Michael Baggeler, der eigentlich aufhören wollte, doch an Bord bleibt. „Die Burscheid-Stiftung wird die Musikschule unterstützen“, bestätigt Bürgermeister Stefan Caplan, der bei den Gesprächen von Musikschule und Kuratorium dabei war. Mit der Entscheidung ist auch eine externe Moderation, Beratung und Analyse verbunden. „Wir gucken gerade, wer diese Aufgabe übernehmen könnte. Eine erste Auswahl und ein paar Gespräche gab es schon.“

Im vergangenen Jahr hatte sich die Musikschule an die Politik und Öffentlichkeit gewandt. Sie bangte um ihren Fortbestand: „2022 sind unsere Rücklagen aufgebraucht“, hatte Kinzel damals gewarnt. Sowohl SPD und Bündnis für Burscheid als auch die FDP brachten dazu Anträge ein: Erstere wollten rund 80 000 Euro jährlich beisteuern, die FDP 30 000 Euro – mit der Maßgabe, auch die Orchesterschule Hilgen zu unterstützen. Eine Mehrheit fand sich nicht. Dafür aber hatte Caplan die Burscheid-Stiftung der Kreissparkasse Köln aufs Tapet gebracht und eine denkbare Unterstützung von 80- bis 100 000 Euro signalisiert. Das aber, so hatte er angemerkt, könne nur das Kuratorium entscheiden.

„Das ist eine gute Lösung“, bekräftigt er heute. Schließlich handele es sich bei der Burscheid-Stiftung in der Tat um städtisches Geld, zurückgelegt aus dem Kaufpreis der Sparkasse. Bedenken von Thomas Kinzel, dies sei keine langfristige Lösung, das Problem nur aufgeschoben, teilt Caplan nicht (| Infokasten).

Just der Blick auf die anderen Vereine hatte die Mehrheit der Politiker veranlasst, sich gegen die Anträge von SPD und FDP auszusprechen. „Die Musikschule ist ein Verein wie alle anderen auch“, sagt Caplan. Für die galt in Zeiten des hoch verschuldeten Burscheid, das sich in den Stärkungspakt flüchtete, eine strenge Direktive: Geld von der Stadt gibt es nicht. Bis heute. „Das gibt einen Dammbruch, wenn wir jetzt einen Verein unterstützen. “, sagt Caplan. Er sei als Jugendlicher in einer Musikschule gewesen: „Es gibt hier niemanden, der die Musikschule nicht gut findet“, betont er.

Kinzel sieht das kulturelle Erbe der Stadt in Gefahr

Aber Politik müsse das große Ganze im Blick behalten. „Wie sollten wir, wenn wir der Musikschule helfen, dem Sportverein nebenan erklären, dass wir es bei ihm nicht machen?“ Es gelte: Die Musikschule müsse maßvoll haushalten, sich auf den Weg begeben, den alle anderen Vereine auch gingen – beispielsweise einen Förderverein gründen. „Bislang hat die Musikschule nichts getan, um ihre Finanzsituation zu verbessern.“

„Ich befürchte, das ist ein frommer Wunsch, dass wir finanziell auf eigenen Füßen stehen könnten“, sagt Thomas Kinzel. „Dann wären ganz schnell alle Musikschulen hier, um zu gucken, wie wir das schaffen.“ Er könne keine Einsparpotenziale erkennen: „Aber dafür ist dann ja die Expertise da. Ich bin gespannt und ergebnisoffen.“

Kinzel verhehlt nicht, dass ihn die ausgebliebene Unterstützung durch die Politik schmerzt. „Burscheid zählt zu den bundesweit ältesten Standorten für musikalische Bildung“, unterstreicht er und verweist auf den „Urahn“, die Musicalische Academie, die 1817 ihren Lehrbetrieb aufnahm. „Das“, betont Kinzel, „ist doch das kulturelle Erbe dieser kleinen Stadt.“ Er träume davon, dass die Musikschule eine Perspektive hat – über ihr 50-jähriges Bestehen im kommenden Jahr hinaus.

Hintergrund

Optimismus: Stefan Caplan geht davon aus, dass die gefundene Lösung langfristiger Natur sei.

Plan: „Die Stiftung wird jährlich neu entscheiden. Man will sehen, ob sich die Musikschule auf den Weg macht.“ Und der lautet aus Sicht von Kuratorium und Bürgermeister: „Die Musikschule macht kein Defizit mehr. So wie alle anderen Vereine auch.“ Er sei optimistisch, dass dies gelinge, betont Caplan.

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