Musik

Erzählkonzert beweist die Qualität des „bergischen Brahms“

Gudrun Höbold (Geige) und Eri Uchino (Klavier) musizierten, Barbara Sauer führte in Leben und Werk ein.
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Gudrun Höbold (Geige) und Eri Uchino (Klavier) musizierten, Barbara Sauer führte in Leben und Werk ein.

Im Kulturbadehaus brachten Gudrun Höbold und Eri Uchino die Werke Ewald Sträßers zu Gehör – Komponist kam aus Burscheid.

Von Peter Klohs

Burscheid. Ewald Sträßer. Selbst eingefleischte Musikliebhaber haben diesen Namen noch nie gehört. Und wenn doch, dann kommen sie mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Bergischen, noch genauer: aus Burscheid. Denn genau hier ist der Komponist 1867 geboren.

Um das Talent und die Kompositionen Sträßers einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, hatte das Kulturbadehaus im Verbund mit dem Kulturamt des Rheinisch-Bergischen Kreises und dem katholischen Bildungswerk am Dienstagabend zu einem Erzählkonzert eingeladen. Im Rahmen von drei ausgewählten Kompositionen Sträßers wurde sein Leben vorgestellt.

Im ausverkauften Kulturbadehaus – mehr als 60 Gäste hatten der Bitte der Veranstalter entsprochen und ihre Maske angelegt – berichtete Barbara Sauer, selbst Musikerin in der Musicalischen Akademie von 1812, über ihre Recherchen zum weithin unbekannten Komponisten Sträßer, der zwar einige schöne Erfolge erzielt hatte, direkt nach seinem Tod im Jahre 1933 aber der Vergessenheit anheimfiel.

Viel Sturm und Drang, viel Herzschmerz

Mit regelmäßiger Hausmusik aufgewachsen und vom Vater, der Sänger war, geprägt, beschäftigte sich der junge Ewald sehr früh mit Musik und schrieb sein Opus 1, eine Konzert-Ouvertüre, ganz im Stil von Johannes Brahms, im Jahre 1884, nachweislich in Radevormwald. Kein Wunder, dass Sträßer alsbald den Beinamen „der bergische Brahms“ erhielt. Zu Unrecht, wie Barbara Sauer bekanntgab, denn in seinen Werken sind viele andere Einflüsse hörbar.

Was die musikalischen Gäste des Abends bewiesen: Gudrun Höbold (Violine) sowie Eri Uchino (Flügel) widmeten sich zunächst dem Opus 25, aus dem sie zwei Reigen – einen Ländler sowie eine Mazurka – spielten. Wenn in diesem Werk Einflüsse zu erkennen waren, dann kommt den Hörenden eher Franz Schubert in den Sinn. Ganz anders beim von Höbold solo vorgetragenen Teil der Suite für Violine allein, das deutliche Hinweise auf die Musik von Claude Debussy aufweist.

Die große Sonate D-Dur op. 32 bildete den Abschluss des Abends und war ein Bilderbuchbeispiel von spätromantischer Musik: Viel Sturm und Drang, viel Dramatik, viel Herzschmerz. Dass Sträßer sich nie in den Bereich der Avantgardisten vorwagte, bezeugt auch sein Beiname „deutscher Komponist“, der im Dunstkreis der Nationalsozialisten gerne gebraucht wurde. Wahrscheinlich zu Unrecht. Er selbst hatte für Deutschtümelei wenig übrig und wollte nur die Musik, die aus ihm hervorbrach, aufschreiben. In Burscheid erinnert der Ewald-Sträßer-Weg (ehemals Lindenweg) an den Komponisten, der insgesamt mehr als 200 nachgewiesene Werke schrieb.

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