Sie war die erste Frau im Burscheider Stadtrat

Alwine Berger (r.) mit Schwiegertochter und Enkelkindern an einem Straßenschild, das nach Schneppendahl weist. Foto: Familie Berger
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Alwine Berger (r.) mit Schwiegertochter und Enkelkindern an einem Straßenschild, das nach Schneppendahl weist. Foto: Familie Berger

Gemeindeschwester Alwine Berger wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden

Von Ursula Hellmann

Vielen Burscheidern steht sie noch lebhaft vor Augen: Alwine Berger. Mit ihrem Mofa knatterte sie durch den Ort. Sie war die erste Frau, die in den Burscheider Stadtrat gewählt wurde und prägte mit all ihren Aufgaben etwa sechzig Jahre die Geschichte der Stadt mit. (Vormundschaften Hospiz).

Geboren 1900 in Bielefeld, verließ sie das Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf-Kaiserswerth als voll ausgebildete Diakonisse. Alle ihre Begabungen konnte sie in dieser Berufung einsetzen: Auf sparsam-wirtschaftliche Art mit Ressourcen umzugehen, eine klare Übersicht, Notwendiges vom Nebensächlichen zu unterscheiden und ein herzliches Mitfühlen allen gegenüber, die Hilfe und Trost nötig hatten.

In Burscheid brachte sie sich vom ersten Tag auch in den sozialen Gremien ein. Für ihren Einsatz im Roten Kreuz zum Beispiel wurde ihr sogar 1975 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Durch ihr evangelisch geprägtes Elternhaus lag ihr die aktive Weitergabe des biblischen Evangeliums am Herzen. So hörten ihr mehrere Kindergenerationen zu, wenn sie die „Sonntagsschule“ gestaltete.

Als sensible Pflegerin privater Krankenfälle wurde sie gerne gesehen. In ihrer breitgefächerten Aufgabe sah sie sich eingebunden in die Diakonissen-Gemeinschaft. Dass sich ihr Leben noch einmal grundlegend ändern würde, war für sie selbst recht überraschend. Am Ende des Zweiten Weltkriegs betreute sie in einem Schneppendahler Familienanwesen die schwer erkrankte Mutter von fünf fast erwachsenen Kindern. Vater der Kinder war Leo Berger, Stationsleiter der Preußischen Staatsbahn - eingebunden in seinen Dienst auf der Balkan-Strecke. Alwine wurde im Lauf der Pflegezeit eine unentbehrliche Freundin für die gesamte Familie im Haus Berger.

Leider verstarb die Hausfrau trotz intensiver Pflege an ihrer unheilbaren Leukämie. Leo Berger fasste seinen ganzen Mut zusammen und bat die couragierte und herzlich bewegte Alwine, ihm und der Kinderschar die Hausfrau und Mutter zu ersetzen. Alwine erkannte ihre neue Aufgabe ganz klar. Ihre Diakonissentracht legte sie äußerlich ab. Ihre fundierte Praxis kam aber ihrer neuen Familie zugute. Für Situationen, die andere als Problem erschienen, fand Alwine eine überraschende, gangbare Lösung.

In ihrer Küche stand das erste Telefon

Vom ältesten Sohn Friedel (28) bis zum „Nesthäkchen“ Magdalene (14) gehörte sie auch für Eugen, Alfred und Lothar als Vertraute in allen Lebensdingen bereits fest dazu. Viele Jahre lebten vier Familiengenerationen zusammen im Haus in Kippekofen (Schneppendahl). Es lag zwar ein wenig abseits von Burscheids Zentrum, war aber unter Alwines Regime bald auch als eine Art Notrufsäule beliebt. Brauchte ein Autofahrer mit Panne dringend Abschlepphilfe – in Alwines Küche stand das erste Telefon. Kam ein Kind vom Spiel gelaufen mit zerschrammtem Knie – Tante Alwine griff nach der Großtube Lebertran-Salbe.

Als Leo Bergers Kinder plus vieler Enkel nacheinander eigene Häuser bauten, waren sie stets am liebsten in dem heimeligen Haus bei Alwine zu Gast. Sohn Lothar wohnte mit Frau Herta nicht weit vom Elternhaus entfernt. Auch deren sechs Kinder freuten sich, wenn Oma zu Besuch kam. In jedem Album finden sich unzählige Fotos von Oma Alwine, meistens mit mehreren ihrer Enkel - und Urenkel - an der Hand. Als Nichte von Lothar und Herta erinnert sich Christa, verheiratete Nabor, an unzählige, fröhliche Erlebnisse mit Oma. Durch die Erblinie zieht sich auch eine musikalische Ader. Christas Vetter Kurt bringt sich nicht nur beruflich in der kommunalen Verwaltung ein, sondern ist seit seiner Jugend passionierter Posaunist und Chorleiter des CVJM-Posaunenchors.

Vielen Enkelinnen konnte Alwine den pflegerischen Beruf schmackhaft machen. Alwine Berger lebte in ihren letzten Monaten bei ihrer Schwester in ihrem eigenen Geburtsort und ist dort 1992 im hohen Alter von 92 Jahren gestorben. Ihr Andenken wird unvergessen sein.

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