Das Erntejahr 2020 war sehr bescheiden

Dietmar Strack macht sich Gedanken darüber, wie es in Zukunft in der bergischen Landwirtschaft weitergehen könne. Archivfoto: Stephan Büllesbach
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Dietmar Strack macht sich Gedanken darüber, wie es in Zukunft in der bergischen Landwirtschaft weitergehen könne. Archivfoto: Stephan Büllesbach

Landwirt Dietmar Strack zeichnet ein düsteres Bild: „Im Bergischen war es eindeutig zu trocken“

Von Wolfgang Weitzdörfer

Das Jahr 2020 dürfte künftigen Generationen bestenfalls als jener Zeitpunkt zum Anfang des 21. Jahrhunderts gelten, als die Menschen realisiert haben, dass es so nicht weitergehen kann. Es ist nicht nur das Coronavirus, das den Menschen zum Umdenken bringen könnte. Auch die leidende Natur und die fortschreitende Zerstörung der Umwelt – und damit der eigenen Lebensgrundlage – sind mehr als bedenklich.

Dazu passt die Aussage von Ortslandwirt Dietmar Strack, der voller Sorge auf das landwirtschaftliche Jahr zurückblickt. „Der Grünschnitt war insgesamt katastrophal. Der erste Schnitt im Frühjahr war schon bescheiden, obwohl wir nachgesät haben. Aber der vierte Schnitt fehlt komplett – es lohnt sich einfach nicht, jetzt noch zu mähen. Der Regen ist zu spät gekommen.“

Seinetwegen könne es bis Weihnachten durchregnen. „Der Boden könnte es vertragen, dann wäre er vielleicht mal wieder richtig durchnässt“, sagt Strack. Allerdings stünden die Landwirte dadurch vor einer ganz anderen Problematik. „Die Güllekeller sind voll, wir dürfen sie aber nur noch bis 1. November ausbringen. Und wenn es so nass ist, wie im Moment, dann bringt das nichts, die Gülle auszufahren“, sagt der Ortslandwirt. Die Gülle ist aber ein wertvoller Dünger, der alle für Pflanzen wichtigen Nährstoffe enthält. Und der darum eigentlich jetzt in den Boden muss.

Wer im Sommer an den Maisfeldern in der Umgebung vorbeigekommen ist, hat trotz der trockenen Witterung sehr hohe und kräftige Pflanzen sehen können. Strack stimmt zu. „Für den Futtermais war es tatsächlich ein durchschnittliches Jahr. Die Maisernte war ganz in Ordnung, auch wenn die Pflanzen mit etwas mehr Regen zwischendurch wohl ein wenig größer und kräftiger geworden wären.“ Dass der Mais dennoch gut gewachsen sei, habe am glücklich gewählten Zeitpunkt der Aussaat gelegen, „Wir hatten ausgesät, als es noch recht kühl war, und die Pflanzen haben das bisschen Regen, das damals runtergekommen ist, noch mitnehmen können.“

„Wir hoffen jetzt zum vierten Mal in Folge auf ein besseres nächstes Jahr.“

Dietmar Strack, Landwirt

Die Wuchsform der Maispflanze habe auch einen Vorteil: Durch die Form der Blätter wird der Regen direkt zu den Wurzeln geleitet. Letztlich sei das aber der einzig positive Aspekt eines „insgesamt bescheidenen“ Jahres, sagt Strack.

Er sehe allerdings auch keine Alternative. „Was sollen wir im Bergischen denn anderes machen? Wir können und dürfen nicht mehr Grünfläche zu Acker umwandeln, weil es Reglementierungen gibt. Abgesehen davon haben wir auch witterungsbedingt keine Alternativen – wir können hier eben keinen Spargel oder Kartoffeln anbauen“, sagt Strack.

Das Bergische sei eine Region, in der es Grünland und Milchvieh gebe. Und da Ersteres zur Versorgung von Zweiterem notwendig sei, könne die einzige Alternative lauten: „Wir können Futter für den Winter zukaufen – aber auch das ist nicht so einfach, da es ja nicht nur hier wenig geregnet hat. Der Markt ist nun nicht gerade überfüllt“, sagt Strack.

Beim Mais gebe es jedes Jahr neue Sorten, andere würden wegfallen. „Und wir wissen auch, dass es unterschiedliche Grassorten gibt, die teilweise weniger anfällig für Trockenheit sind“, sagt Strack. Das probiere man auf Anraten der Landwirtschaftskammer auch aus. „Aber letztlich nützt das alles nichts, wenn es nicht ausreichend regnet“, sagt er.

Strack macht sich Gedanken darüber, wie es in der bergischen Landwirtschaft weitergehen könne. „Aber letztlich fällt mir keine wirkliche Alternative ein“, sagt er. Es gehe schon lange nicht mehr darum, den Klimawandel in Frage zu stellen. „Dass das passiert, ist offensichtlich“, sagt Strack. Dennoch ist auch eine Hoffnung in ihm, die ihn weitermachen lässt. „Vielleicht wird das nächste Jahr wieder ein gutes. Wir hoffen jetzt zum vierten Mal in Folge auf ein besseres nächstes Jahr“, sagt der Hückeswagener.

Gülle

Herkunft: Das Wort „Gülle“ bedeutete im Niederdeutschen so viel wie „Pfütze“ oder „Lache“. Erst später bekam es die Bedeutung von heute: eine Mischung aus Kot und Harn der Nutztiere Schwein und Rind, die als Dünger ausgebracht wird.

Sperrfrist: Gülle darf nicht von der letzten Ernte bis 31. Januar auf Ackerland und in der Zeit vom 1. November bis 31. Januar auf Grünland ausgebracht werden.

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