Namosyn

Entwickler forschen zur Mobilität der Zukunft

Federal-Mogul beteiligt sich an einem Forschungsprojekt zu synthetischen Kraftstoffen. Foto: Federal-Mogul
+
Federal-Mogul beteiligt sich an einem Forschungsprojekt zu synthetischen Kraftstoffen.

Federal-Mogul beteiligt sich am bundesweiten Forschungsprojekt Namosyn für die Nutzung synthetischer Kraftstoffe.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Bei der nachhaltigen Mobilität der Zukunft geht es um Fahrzeuge, die möglichst klimaneutral, kostengünstig und hocheffizient auf den Straßen unterwegs sind. Neben der E-Mobilität spielen hier synthetische Kraftstoffe, die bei herkömmlichen Diesel- oder Otto-Motoren eingesetzt werden können, eine große Rolle.

Dazu gibt es in Deutschland seit April 2019 das Forschungsprojekt Namosyn, an dem auch das Burscheider Unternehmen Federal-Mogul beteiligt ist. Insgesamt sind bei diesem bundesweiten Forschungsprojekt, das noch bis März 2022 läuft, 37 Partner von den Hochschulen und Fraunhofer-Instituten bis zu Automobilzulieferern und -herstellern beteiligt.

Der Name des Projekts steht für „Nachhaltige Mobilität mit synthetischen Kraftstoffen“. Dabei geht es darum, Kraftstoffe zu entwickeln und diese in Otto- und Dieselmotoren zu testen. „Wenn man neben zukünftigen Fahrzeugen mit synthetischen Kraftstoffen auch Fahrzeuge nutzen kann, die bereits heute im Einsatz sind, lassen sich kurzfristig deutlich die Emissionen zugunsten des Klimas reduzieren“, sagt Dr. Steffen Hoppe, Direktor Technologie Global für Kolbenringe und Zylinderlaufbuchsen bei Federal-Mogul in Burscheid.

Beim Forschungsprojekt wird der gesamte Weg von der Entwicklung und Herstellung der synthetischen Kraftstoffe bis zu ihrem Einsatz in Fahrzeugen unter realen Bedingungen erforscht. Bei den Versuchen am Motorenprüfstand geht es darum, dass der Motor mit dem Kraftstoff höchst effizient arbeitet und dabei der Schadstoffausstoß möglichst niedrig gehalten wird.

In Burscheid laufen diese Tests unter realen Fahrbedingungen auf den Prüfständen für Motoren. Ziel ist, zu erfahren, wie Motoren auf die neuen Kraftstoffe optimiert werden können bzw. welche Eigenschaften die Kraftstoffe haben müssen, um effizient und umweltfreundlich zu sein.

Federal-Mogul, das seit 2018 zum Tenneco-Konzern gehört, forscht nicht nur an umweltfreundlichen Otto- und Dieselmotoren, sondern ist auch Mitglied des Lenkungskreises des Forschungsprojektes. Aufgabe des Burscheider Unternehmens ist es, durch innovative Kolbenringdesigns in Verbindung mit den neuen Kraftstoffen Fahrzeuge mit nahezu schadstofffreien Emissionen zu ermöglichen. Um die Markteinführung deutlich zu beschleunigen, werden in Burscheid ebenfalls Mischungen von herkömmlichen und synthetischen Kraftstoffen erprobt. Dabei setzen die Burscheider auch auf die Unterstützung durch den Gesetzgeber, wenn es um eine beschleunigte Zulassung dieser neuen Kraftstoffe geht.

„Die synthetischen Kraftstoffe kommen in den Fahrzeugen zum Einsatz, die den Menschen bereits vertraut sind.“
Dr. Steffen Hoppe

Für Federal-Mogul ist das Forschungsprojekt ein zentraler Baustein für die Zukunft des Unternehmens. „Wir vertreten die Ansicht, dass der Verbrennungsmotor als primärer Mobilitätsantrieb, entweder alleine oder in einem Hybridantriebssystem, auch in Zukunft die Hauptlösung für Fahrzeuge wie Pkw, Lkw, Schiffsantriebe, Baumaschinen und Maschinen in der Landwirtschaft sein wird. Als führender Hersteller von Komponenten wie Kolbenringen, Kolben, Ventilen und Lager bieten wir Lösungen für die Verbesserung von modernen Verbrennungsmotoren mit synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff zur Emissions- und zur Reibungsreduzierung in Verbindung mit der Verringerung des Kraftstoffverbrauchs“, sagt Hoppe. In Burscheid befindet sich das von ihm geleitete Kompetenzzentrum von Tenneco für Kolbenringe.

Zu den Forderungen des Burscheider Unternehmens gehört, dass die einseitige Förderung der E-Mobilität zugunsten einer gesamtheitlichen Betrachtung der CO2-Emissionen beendet wird und dass die Rahmenbedingungen zur Einführung der neuen Kraftstoffe möglichst schnell von den zuständigen Stellen geschaffen werden. „Die Politik agiert aus unserer Sicht zu vorsichtig, wenn es um Anreize geht, synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff zu produzieren“, spielt Hoppe auf die derzeit noch hohen Kosten für synthetische Kraftstoffe an, die bei etwa fünf Euro pro Liter liegen. „Das wird sich ändern, wenn größere Mengen produziert werden und auf dem Markt verfügbar sind. Dazu müssen die Nutzungsmöglichkeiten stimmen. Die Chancen stehen gut, da die synthetischen Kraftstoffe in Fahrzeugen zum Einsatz kommen, die den Menschen vertraut sind. Das steigert die Akzeptanz.“

Zu den Vorteilen der synthetischen Kraftstoffe gehört, dass diese bei ihrer Zusammensetzung speziell auf die Bedürfnisse designt werden können. Das sorgt für eine möglichst effiziente und schadstoffarme Verbrennung im Motor. Um eine hohe Effizienz der Motoren mit synthetischen Kraftstoffen zu erreichen, sind je nach Motortyp Anpassungen an Motorsteuerung und Hardware sinnvoll. Das haben die ersten Ergebnisse der aktuellen Forschungen bei Federal-Mogul in Burscheid bislang gezeigt.

Bei der Reduzierung der Emissionen gibt es überraschend gute Ergebnisse: So können bis zu 80 Prozent Stickoxid, 50 bis 80 Prozent Kohlenmonoxid und 80 bis 90 Prozent beim Feinstaub eingespart werden, wenn man auf die neuen Kraftstoffe zurückgreift.

Hergestellt werden die synthetischen Kraftstoffe unter anderem aus möglichst klimaneutral erzeugtem Strom und Wasser. Aus beidem entsteht mittels Elektrolyse Wasserstoff, der mit CO2 aus Industrieabgasen oder aus der Luft zusammengeführt wird. So entstehen Endprodukte wie Methanol und Ethanol, aus denen dann die synthetischen Kraftstoffe designt werden. Damit wird sichergestellt, dass ein geschlossener CO2-Kreislauf entsteht, das Fahrzeug nur so viel CO2 abgibt, wie ursprünglich zur Herstellung dieser synthetischen Kraftstoffe aus der Luft entnommen wurde. Damit wäre laut Federal-Mogul ein großer Schritt in Richtung CO2-neutralem Verkehr getan.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Bergischer Feierabendmarkt feiert seine Premiere in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt feiert seine Premiere in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt feiert seine Premiere in Burscheid
Stadtradeln-Star verzichtet ganz aufs Auto
Stadtradeln-Star verzichtet ganz aufs Auto
Stadtradeln-Star verzichtet ganz aufs Auto

Kommentare