Männergesangverein

Einstiger MGV erfindet sich immer wieder neu

Die Wiese hinter dem Sängerheim Dürscheid wird zum Proben- und Konzertsaal: Alle vier Chöre erheben dort ihre Stimmen. Fotos/Collage: MGV Dürscheid/Ralf Theilenberg
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Die Wiese hinter dem Sängerheim Dürscheid wird zum Proben- und Konzertsaal: Alle vier Chöre erheben dort ihre Stimmen.

In Dürscheid gehören zu einem Verein vier unterschiedliche Chöre – geprobt wird derzeit auf der Wiese.

Von Nadja Lehmann

Gewissermaßen wie ein guter Geist schwebt der alte Name Männergesangverein Dürscheid 1889 über den Sängern. Er bildet die verbindende Klammer, unter dessen Dach sich gleich vier Ensembles entfalten können. Das Motto: ein Verein – vier Chöre.

Das sind Der kleine Chor Dürscheid, Good Voices Dürscheid, DaChord und Young Music Choir Dürscheid (YMCD). Inzwischen zählt der Verein mehr als 100 Mitglieder. Angesichts des Chorsterbens landauf, landab lässt das aufhorchen. Das Rezept? Vielleicht dieses: Die Dürscheider haben sich immer wieder mutig neu erfunden. Auch jetzt wieder, als sie coronabedingt ihre Proben kurzerhand auf die Wiese hinters Sängerheim verlegten.

Dabei war dort einst alles genauso gewesen wie in anderen Chören: Zehn junge Männer hatten den MGV aus der Taufe gehoben, initiiert von Lehrer Kaiser. Die Fahne, die heute im Sängerheim Dürscheid hängt und stolz verkündet, „In Freud und Leid zum Lied bereit“, stammt aus dieser Zeit. Ein Traditionsensemble. Bis 2005.

Beide singen sie mit: Vorsitzender Ralf Theilenberg und Ehefrau Beate Koslowski, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

„Im MGV sang noch eine Handvoll älterer Herren“, sagt Ralf Theilenberg, der heutige Vorsitzende. Das war gut und richtig so. „Nachwuchs zu gewinnen, wurde jedoch immer schwieriger“, sagt Theilenberg. Und auch innerhalb des MGV gab es Mitglieder, die etwas moderner, poppiger, englischsprachiger singen wollten.

Gedacht, getan. Der Young Men Choir Dürscheid entstand. Der blieb jedoch klein und brauchte Unterstützung –in Form von Frauenpower. „In Lützenkirchen löste sich ein Gospelchor auf. Die Damen wurden abgeworben“, berichtet Theilenberg. Aus einem kleinen Männerchor wurde ein gemischter Chor, das „Men“ in seinem Namen innovativ zu „Music“ umgedeutet. „Eine kleine Revolution“, sagen Theilenberg und Ehefrau Beate Koslowski, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Es war ein Prozess, der seine Zeit brauchte. „Der traditionelle Männergesangverein tat sich schwer“, sagt Theilenberg. Der YMCD fühlte sich seinerseits als „zweite Klasse“, wie Beate Koslowski sagt. Sie selbst stieg 2014 als Alt ein, singt inzwischen Sopran – und der YMCD ist den Kinderschuhen längst entwachsen. Seine Merkmale: Auswendig singen, eine Choreographie einstudieren, sich bewegen.

Und dann gibt es noch die extrovertierten Good Voices, die sich auf der Bühne wagemutig ins Kiss-Outfit stürzen und den Rock der Siebziger auferstehen lassen. Es gibt aber auch den Kleinen Chor Dürscheid, der dem Traditionellen verhaftet bleibt und intime Konzerte gibt, die sich meist per Mundpropaganda herumsprechen. 2019 ging dann der Damenchor DaChord an den Start. Bisher konnten die Sängerinnen noch nicht öffentlich auftreten: Corona kam dazwischen. Auch das Heidbergfest fiel aus. „Das merken wir in der Vereinskasse schon. Darüber finanzieren wir uns ja“, sagt Ralf Theilenberg über das beliebte Fest am Sängerheim.

Doch Virus hin oder her: Alle Chöre wollten singen. „Das war im März ein heftiger Einschnitt“, erinnert sich Theilenberg. Vor allem die Älteren hätten die Gemeinschaft und ihr Hobby vermisst. Das Sängerheim war für Proben zu klein, denn das Gebot unmissverständlich: Drei Meter Abstand zur Seite, vier Meter nach vorne. „Da hätten im Sängerheim gerade mal vier Sänger proben können“, sagt Theilenberg, der selbst als 2. Tenor aktiv ist.

„Eine kleine Revolution.“

Ralf Theilenberg, Vorsitzender, über die Gründung eines gemischten Chores

Die Chöre wichen auf den Rasen hinter dem Sängerheim aus. Und sie haben auch schon eine Lösung für die nahende kältere Jahreszeit: Beate Koslowski und Ralf Theilenberg zeigen das große Zelt hinterm Sängerheim. Noch parken dort ein paar Wohnmobile. „Wir haben mit den Eigentümern eine Lösung gefunden, sie machen uns Platz“, freut sich Theilenberg. Die vier Chöre machen weiter.

Hintergrund

Proben: DaChord probt dienstags von 19 bis 20.30 Uhr. Der Young Music Choir Dürscheid ist donnerstags von 18 bis 19.30 Uhr zur Stelle. Good Voices probt donnerstags von 20 bis 21.30 Uhr (der kommenden Dunkelheit geschuldet zunächst nur bis 21 Uhr). Der Kleine Chor Dürscheid singt jeden zweiten Freitag ab 19 Uhr. Derzeit finden die Proben auf der Wiese hinter dem Sängerheim statt. Dort ist der geforderte Abstand gewahrt. Übrigens: Aktuell zählt der Verein MGV Dürscheid mehr Frauen als Männer in seinen Reihen.

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