Eine Vorkämpferin, der Gerechtigkeit am Herzen lag

Die tägliche Zeitungslektüre war Grete Klippert ein Bedürfnis, ebenso wie das Engagement für ihre Heimatstadt.Archivfoto: Doro Siewert
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Die tägliche Zeitungslektüre war Grete Klippert ein Bedürfnis, ebenso wie das Engagement für ihre Heimatstadt.Archivfoto: Doro Siewert

Sie gehörte der ersten grünen Ratsfraktion an: Grete Klippert wäre morgen 87 Jahre alt geworden

Von Nadja Lehmann

Für ihre Überzeugungen stand sie ein: So beschreibt die Fraktionschefin der Burscheider Grünen, Sabine Wurmbach, Grete Klippert. Die 86-Jährige war eine Vorreiterin, gehörte der ersten grünen Ratsfraktion in Burscheid an. „Sie hat es nicht leicht gehabt, weil sie bei den Platzhirschen viele Widerstände überwinden musste“, sagt Wurmbach. Eine Vorreiterin, eine Kämpferin, eine bescheidene Frau mit großem Herzen: Im Dezember ist Grete Klippert gestorben, am morgigen Sonntag hätte sie ihren 87. Geburtstag gefeiert. Dann hätte sicher wieder ein großer Topf Stipp auf die Besucher gewartet – so erinnert sich Sabine Wurmbach an die Kommunalpolitikerin, die sich auch mit ihr zusammen im Bergischen Geschichtsverein engagierte.

Ihr großes Motto sei Gerechtigkeit gewesen: Ein Erbe des liberal eingestellten Vaters, der ihr mit auf den Weg gab, auf die Verständigung und nicht auf das Gegeneinander zu setzen. Die Auseinandersetzung aber scheute Klippert nicht: „Sie war streitbar. Aber in der Sache“, beschreibt Wurmbach. Unbequeme Anfragen habe sie in den Ausschüssen gestellt: „Wenn sie von etwas überzeugt war, war es aber sehr schwer, sie davon abzubringen“, sagt Wurmbach mit einem Lächeln. Ein Mensch, eine Politikerin mit Grundüberzeugungen sei sie gewesen. 2018 ernannten Burscheids Grüne sie zum Ehrenmitglied. Ein Dank an die unerschrockene Vorkämpferin, die sich auch leidenschaftlich für Frauenthemen einsetzte und den Grünen 35 Jahre lang angehörte.

Ihr Haus öffnete sie denen, die es schwer hatten. Grete Klippert setzte sich für Förderunterricht und Hausaufgabenbetreuung ein, gerade für Kinder mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund. „Die durften auf dem Nachhauseweg von der Schule zu ihr kommen“, erzählt Wurmbach. Klippert kümmerte sich um die Flüchtlinge des Kosovokriegs. „Ein warmherziger Mensch“, beschreibt Wurmbach. Mit ihr und Barbara Sarx bildete Klippert das Redaktionsteam des Bergischen Geschichtsvereins, in dem sie zehn Jahre lang wirkte. „Die Beschäftigung mit der Historie ihrer Heimatstadt war ihre Herzenssache“, sagt Sabine Wurmbach. Stets habe Grete Klippert ihren Standpunkt vertreten, mitunter hätten sich daraus interessante Diskussionen ergeben. „Auf diese Weise hat sie uns an ,ihrem Schatz‘ - den Erinnerungen und Erfahrungen - teilhaben lassen.“ Die passionierte Zeitungsleserin hielt nichts von dem Spruch „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“. Legendär war ihre Sammlung von Jahresbänden des „Bergischen Volksboten“.

Sobald der erste Frühlingshauch kam, traf man Grete Klippert in ihrem Garten an. „Die Natur war ihr ganz wichtig“, sagt Wurmbach und erzählt von Klipperts Ausbildung zur Gärtnerin in der einstigen Gärtnerei Wiedenhoff.

Sie schrieb lange Geschichten für die Enkel

Und Grete Klippert schrieb. Gedichte. Für sich. Und lange Geschichten für ihre sechs Enkel, immer zu Weihnachten. Engagiert, warmherzig und mit einem feinen Humor ausgestattet: „Wegen Corona können wir uns nicht auf der Beerdigung von Grete verabschieden“, sagt Sabine Wurmbach. Ihr Platz im Geschichtsverein sei nun leer, und sie werde schmerzlich vermisst: „Aber wenn die Pandemie vorüber ist, werden wir ein Gläschen auf Grete trinken und ihr Danke sagen.“

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