Spende

Ein Seebär jammert nicht, sondern hilft

Nach der Grünkohlaktion: Dagmar Zimmer (Burscheider Tafel) nimmt die Spende von Harald Weilbächer (Altes Landhaus) entgegen. Foto: Doro Siewert
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Nach der Grünkohlaktion: Dagmar Zimmer (Burscheider Tafel) nimmt die Spende von Harald Weilbächer (Altes Landhaus) entgegen.

Mit seiner Grünkohlaktion kamen 500 Euro zusammen: Harald Weilbächer vom Alten Landhaus überreicht sie der Tafel.

Von Nadja Lehmann

Ein Schiff spielte die entscheidende Rolle, damit es Harald Weilbächer in den neunziger Jahren nach Burscheid verschlug. Nicht irgendein Schiff. DAS Traumschiff, die „Berlin“. Auf welcher Kapitän Hansen (Heinz Weiss), Chefhostess Beatrice (Heide Keller) und Chefsteward Viktor (Sascha Hehn) sich hingebungsvoll um die Passagiere mit ihren großen und kleinen Sorgen – gerne Liebeswirren – kümmerten und nebenbei die schönsten Destinationen in der Ferne anschipperten. Südafrika! Indien und die Malediven! Hongkong! Und immer gab es ein Happyend. Spätestens wenn die Köche zum großen Käpt´ns Dinner aus der Küche auftauchten und Wunderkerzen die Teller umfunkelten, war die Welt wieder im Lot. Und Harald Weilbächer war mit dabei.

Als Koch ist er selbst diverse Male zum großen Abschlussessen aufgelaufen. Nicht nur das. „Wir tauchten alle im Abspann auf“, erinnert er sich. „Meine Mutter hat noch alle Videokassetten.“

Dabei war ihm nicht an der Wiege gesungen worden, dass es ihn aufs Wasser verschlägt. Harald Weilbächer ist eine Landratte, stammt aus dem Frankfurter Raum. „Ich bin Hesse mit Leib und Seele“, bekennt er schmunzelnd. Auf die Donau zog es ihn Ende der Achtziger, dort kochte er bei den Flusskreuzfahrten zwischen Wachau und Budapest. „1989 zog es mich auf große Fahrt“, erzählt Harald Weilbächer. Auf die „Berlin“. Und 1992 war eine junge Burscheiderin an Bord: seine heutige Frau.

„In der Krise sieht man, wo man steht.“

Harald Weilbächer, Altes Landhaus

„Zwei Jahre später sind wir ausgestiegen“, sagt Weilbächer. Bekanntlich ist die Seefahrt nicht der familienfreundlichste Beruf. Als sich Nachwuchs ankündigte, sollte es an Land gehen. Und gerne in die Heimat seiner Frau: „Ich wollte ganz gern hier oben bleiben“, sagt er mit hessischem Blickwinkel. Er arbeitete im Schloss Morsbroich und machte sich dann mit dem „City-Grill“ selbstständig – ein alteingesessener Imbiss, den er übernahm, wie er erzählt: „Meine Frau hatte dort schon als Schülerin gearbeitet.“ Mit ihr übernahm er dann anschließend das „Alte Landhaus“. „2020 hätten wir 15-jähriges Bestehen gefeiert.“

Corona vereitelte dies, aber Harald Weilbächer haderte nicht lange – und rief lieber zum November seine Grünkohl-Aktion ins Leben. Die Idee: Er kochte und bereitete das Wintergemüse deftig-lecker zu, und die Leute holten es sich im eigenen Kopftopf ab. „Was wir an Verpackung eingespart haben, haben wir für den guten Zweck gesammelt – zwei Euro pro verkauftem Kilo.“ 459 Euro kamen zusammen, ein paar Gäste gaben Trinkgeld, und Weilbächer rundete auf 500 Euro auf. Die gingen jetzt, zur freien Verfügung, an die Burscheider Tafel.

Für Harald Weilbächer eine Herzensangelegenheit: „Wir helfen auf vielerlei Weise, versuchen, niemanden zu bevorzugen und machen es lieber im Verborgenen“, sagt er. Der Jugendfeuerwehr fühlt er sich schon seit langem verbunden, unterstützt Freizeit und Ferienlager. „Ich bin in keiner Partei, in keinem Verein. Ich kann ganz neutral helfen“, sagt er spitzbübisch.

45 Kilo Grünkohl hatte er für seinen ersten Termin vorbestellt. Doch als immer mehr Leute kamen - und irgendwann traurig mit leerem Kochtopf wieder abziehen mussten – war Weilbächer klar: Es muss eine Wiederholung geben. Im Dezember und Januar legte er nochmals nach: Insgesamt gingen 229,5 Kilo Grünkohl über den Tresen. „Gekocht habe ich in den riesigen Gerätschaften, die wir noch aus den Zeiten hatten, als wir Kitas, Schulen und die Arbeiterwohlfahrt belieferten“, sagt er.

Ideenreich geht er auch den Lockdown an. „Ich will mich nicht aufregen, es ist mein Nervenkostüm“, findet er. Lieber bot er zum Valentinstag ein schönes Menü an, das sich die Kunden quasi kochfertig nach Hause holen konnten, auf Porzellan und mit Sekt und Rose. „Die aktuellen Hilfen kommen an und mit dem, was wir durch den Außerhausverkauf erwirtschaften, kommen wir durch“, sagt Weilbächer. Gewiss wäre es schön, könnte man Ostern öffnen, aber: „Ich rechne nicht dami. Und ich würde das auch nicht entscheiden wollen.“

Lieber richtet er den Blick auf das, was da ist: seine Freude, für die Kunden da zu sein; sowie wiederum deren Freude und Treue. „In der Krise sieht man, wo man steht. Wir sind dankbar, dass wir solche Gäste haben.“ Seefestigkeit auf Burscheider Art eben.

Vom Wasser aber kann er nicht lassen. Einmal im Jahr muss der Wahl-Burscheider doch Seeluft schnuppern. Und die einstigen „Traumschiff“-Kollegen wiedersehen: Alle zwei Jahre treffen sich Köche, Matrosen, Kapitäne (und Schauspieler) und schwelgen in alten Zeiten. „Seeleute“, sagt Harald Weilbächer lächelnd, „sind einfach ein besonderer Schlag Mensch.“

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