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Inflation, Corona, Krieg - Krisen stellen Burscheider vor Herausforderungen

Nicole Wittmann erfährt viel über Burscheider Familien.
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Nicole Wittmann erfährt viel über Burscheider Familien.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Im Burscheider Büdchen bekommen Familien Hilfe und Beratung.

Burscheid. Energie-Preise, Inflation, der Krieg in der Ukraine, Corona – nichts davon haben die meisten Menschen kommen sehen. Einige reiben sich erstaunt die Augen, weil ihre Gefühls- und ihre finanzielle Lage plötzlich anders aussieht.

Das geht auch den Familien aus dem Bergischen Land und in Leverkusen so, die in Kontakt mit der Katholischen Jugendagentur Leverkusen, Rhein-Berg, Oberberg stehen. Grund genug, einmal nachzufragen, wie sie damit umgehen.

Nicole Wittmann leitet für die Katholische Jugendagentur Leverkusen, Rhein-Berg, Oberberg das Burscheider Büdchen. Dieses Büdchen ist in Wirklichkeit längst kein Kiosk mehr, sondern eine erste Anlaufstelle für alle Fragen des Lebens.

Hierher kommen zum Beispiel Menschen mit Briefen vom Amt, die sie nicht verstehen. Oft ergeben sich anschließend in dem gemütlichen Raum am großen Holztisch Gespräche, die mehrere Probleme erkennen lassen. Dann geht Nicole Wittmann diese Probleme gemeinsam mit ihren Besuchern an. Sie ist es gewohnt, Struktur in Lebensumstände zu bringen. Aber auch sie erlebt, wie herausfordernd diese Zeiten sind.

„Weltweit Corona plus Inflation, das hat so schnelle Auswirkungen in allen möglichen Bereichen nach sich gezogen. Die hat man gar nicht mitbekommen, wenn man nicht gerade vom Fach ist“, erzählt sie. Das Fachgebiet, an das sie gerade denkt, ist der Gebrauchtwagenmarkt.

Nicole Wittmann berichtet von einer Familie, deren Auto gerade im Herbst kaputtging. Der Familienvater benötige den Wagen dringend für seinen Job. Die Werkstatt habe davon abgeraten, den Wagen noch einmal zu reparieren. „Als der Mann dann beim Gebrauchtwagenhändler war, ist er aus allen Wolken gefallen“, sagt Nicole Wittmann. Es seien entweder gar keine Autos zu bekommen gewesen oder nur einzelne extrem teure.

Dafür haben die weltumspannenden Ereignisse der letzten beiden Jahre und Monate gesorgt. Die Lieferengpässe bei Neuwagen durch Corona, gestiegene Preise durch die Inflation und eine verhaltene Stimmungslage aufgrund des Ukrainekriegs haben viele Käufer auf Gebrauchtwagen umsteigen lassen. „Wenn man nicht gerade Gebrauchtwagenhändler ist, hat man das so schnell doch gar nicht mitbekommen. Jedenfalls haben die wenigsten vor einem Jahr die Einsicht gehabt, dass sie jetzt lieber ihr Auto austauschen sollten“, so Nicole Wittmann. Die Familie habe sich notgedrungen für die unrentable Lösung entschieden, den alten Wagen noch einmal reparieren zu lassen.

In Leverkusen leitet Svenja Stettes für die Katholische Jugendagentur den Quartierstreff Wiesdorf in Leverkusen. Im Quartierstreff gibt es Krabbelgruppen, Elterncafés, Seniorentreffen oder auch einfach nur ein nettes Gespräch. Unterstützende Hilfestellungen für junge Familien hält Stettes für ihre Besucher ebenfalls bereit.

Heute ist in der Dönhoffstraße 86 im gemütlichen Dachgeschoss der Frühstückstisch gedeckt. Acht Frauen mit ihren Kindern vom Baby- bis Kindergartenalter trudeln zum Eltern-Kind-Frühstück ein. Auf dem langen gedeckten Tisch stehen frische Brötchen, Kaffee und Tee. Die selbst gebackenen Hackfleisch-Röllchen hat eine der acht Mütter mitgebracht, um nachträglich ihren Geburtstag zu feiern.

Wie Familien bisher die Zeit bisher ohne Heizen überbrücken

Genau wie heute seien die Treffen hier ungebrochen fröhlich, beobachtet Stettes. Doch ihrer Einschätzung nach bildet das nicht die ganze Stimmungslage ab: „Es sind trotzdem alle in ihrer Naivität erschüttert von den Ereignissen in den letzten Jahren. Wer hätte letztes Jahr gedacht, dass wir uns heute fragen: ‚Heizt du schon?‘“

Eine kurze Frage in die Runde am Frühstückstisch ergibt, dass drei von fünf Familien sich beim Beheizen ihrer Wohnung in diesem Jahr zurückhalten. So berichtet eine junge Mutter von vier Kindern, sie drehe derzeit nur im Wohnzimmer die Heizung auf. Das Bad, die Schlaf- und Kinderzimmer blieben kühl, es sein denn, es werde wirklich länger in einem Zimmer gespielt.

Auch den Start der Heizperiode haben die meisten Familien in diesem Winter bis Ende November herausgezögert. So erzählt die Mutter mit zwei Kleinkindern: „Es war ja noch lange warm.“

Hintergrund

Die Katholische Jugendagentur ist für Leverkusen, Rhein-Berg und Oberberg zuständig – mit vielen Angeboten in den Gemeinden. In Burscheid wird das Burscheider Büdchen von ihre betrieben. Nicole Wittmann ist unter anderem für die Beratung der Familien zuständig.

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