Denkmal

Ein-Mann-Bunker ist ein Relikt aus Kriegstagen

Der von den Bewohnern so genannte „Ein-Mann-Bunker“ war auch ein Beobachtungsposten. Heute führt er ein ruhiges Leben auf dem Alten Friedhof. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Der von den Bewohnern so genannte „Ein-Mann-Bunker“ war auch ein Beobachtungsposten. Heute führt er ein ruhiges Leben auf dem Alten Friedhof. Archivfoto: Nadja Lehmann

Besonderes Denkmal steht im Innenstadtpark West.

Von Ursula Hellmann

Burscheid. Das längliche, halbe Ei ist völlig ungenießbar, da aus massivem Beton und übermannshoch. Von außen erinnert es an einen übrig gebliebenen Teil aus einer Sciencefiction-Filmkulisse. Das hohle Innere ist durch eine niedrige Tür zu betreten, in Augenhöhe befinden sich kleine Sehschlitze nach allen Himmelsrichtungen. Seit fast achtzig Jahren steht er in Burscheid und hat – zum Glück – keinerlei Beschäftigung mehr: der Ein-Mann-Bunker. Als letzter seiner Art in Burscheid und Umgebung repräsentiert er seinen ehemaligen Zweck.

Immerhin gab es ab 1942 25 bis 30 dieser Splitterschutz-Zellen in der Nähe von Gebäuden, die besonders schützenswert waren und stets in Gefahr waren, Ziel feindlicher Bombenangriffe zu sein. Die kleinen Betonschalen waren selbst keine Waffe – aber die wachsamen Augen und Ohren in ihrem Inneren meldeten Fliegerangriffe sekundenschnell weiter, noch bevor die gefürchteten Sirenentöne ausgelöst wurden. In den zwei Quadratmetern Innenraum der Betonzellen quetschten sich zur Not auch zwei bis drei Einwohner hinein, die den Weg zu den großen Schutzbunkern nicht mehr schafften. Den Splittern von gesprengten Brandbomben sowie den Trümmern zerbombter Häuser hielten die zehn Zentimeter dicken Betonwände stand.

Bereits seit 1927 hatte Deutschland das Recht, Schutzräume für Zivilisten zu bauen und einzurichten. Nach dem Den Haager Abkommen von 1907 war zwar die Bombardierung von Zivilisten und derem Eigentum verboten, diese Ratifizierung hatten aber nicht alle Staaten unterschrieben.

So gab es nach dem Ersten Weltkrieg bereits Organisationen, die sich mit Luftschutzfragen im Falle feindlicher Angriffe durch moderne Kampfflugzeuge befassten.

Am 30. Juli 1933 ertönten im ganzen Reich erstmals Probe-Alarm-Sirenen. Großangelegte Werbung stimmte die Bevölkerung auf die Möglichkeit von Krieg und die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen ein. Großraum-Schutzbunker entstanden schon vor Kriegsbeginn. 1942 wuchsen dann in ganz Europa, so auch in Burscheid, zusätzlich die kleinen Beobachtungsposten (Ein-Mann-Bunker genannt) wie Pilze aus dem Boden.

Zuerst stand der kleine Bunker Auf der Schützeneich

Aus diesen Jahren übrig geblieben ist ein intaktes Exemplar. Ein zweites war bis vor zwanzig Jahren noch in der Nähe der Wietscher Mühle zu erahnen, allerdings nur noch in Bruchstücken, halb in der Wiese versunken. Das seit 2001 offiziell denkmalgeschützte Relikt stand bis zu diesem Zeitpunkt in der Nähe des Evangelischen Altenzentrums Luchtenberg-Richartz-Haus, Auf der Schützeneich. Wie aus den Stadtarchiv-Unterlagen zu ersehen, erfüllte der Bunker seine Warn-Funktion besonders für die nahen Fabrikationshallen der Firma Rader und die gefährdeten Gaskessel.

Im Zuge der Erweiterung des Seniorentrakts bekam das nostalgische Beton-Gebilde dann eine neue Heimat auf dem Gelände des Innenstadtpark West. Die Tür ist fixiert – Hineinschauen ist möglich, aber vor unbefugtem Betreten schützt ein starkes Drahtgitter.

Wofür halten es Burscheids junge Bewohner? Jonas (23): „Es sieht aus wie eine Raumkapsel.“ Tim (22) vermutete: „Könnte eine Dekoration aus einem Loriot-Sketch sein.“ Katja (16) war sich nicht sicher: „Eine alte öffentliche Toilette?“ Es bleibt die Hoffnung, dass diese Klötze endgültig ausgedient haben.

Hintergrund

Im Zuge der Umgestaltung des Alten Friedhofs zum „Innenstadtpark West“ ist auch der Ein-Mann-Bunker wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Neue Wegeführungen und Elemente sollen die Burscheider auf die Grünfläche locken, die den Schulberg mit der Innenstadt verbindet.

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