Mehr Zeit wegen Corona

Ein Klarinettist, der immer noch besser wird

Mit Klarinette und Klavier: Demnächst gibt es eine neue CD von Engelbert Wrobel. Vielleicht auch eine Tournee. Foto: Peter Klohs
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Mit Klarinette und Klavier: Demnächst gibt es eine neue CD von Engelbert Wrobel. Vielleicht auch eine Tournee.

Engelbert Wrobel gibt normalerweise 120 Konzerte im Jahr. Der Pandemie verdankt er nun mehr Zeit mit seiner Frau.

Von Peter Klohs

Burscheid. Musiker sind auf besondere Weise von den Einschränkungen durch Corona betroffen. Besonders dann, wenn man zur Ausübung der Kunst auf Kolleginnen und Kollegen angewiesen ist. Sie zu treffen und zu proben, kann zum Problem werden. Konzerte zu geben erst Recht. Der Burscheider Jazzmusiker Engelbert Wrobel bestätigt das.

„Im vergangenen Jahr ist quasi mein ,normales Musikerleben‘ nicht möglich gewesen“, erzählt er. „In Jahren ohne Einschränkungen sind für mich 120 Konzerte normal. 2021 habe ich 31 Konzerte gespielt. Von dem Spaß, den wir unter uns Kollegen immer haben und der uns sehr fehlt, mal ganz abgesehen.“

Auf der anderen Seite, so der Klarinettist und Saxofonist, sei die Zeit, die er gemeinsam mit seiner Frau verbringen könne, unglaublich wertvoll. „Die hat mich ja ein halbes Leben lang nicht gesehen.“

Und noch ein weiterer Aspekt dokumentiert die positive Ausrichtung des Musikers: „Corona hätte mich vor 20 Jahren viel schlimmer getroffen“, berichtet er. „Wenn man ein Haus abbezahlen muss, und dann so etwas dazwischen kommt.“

1959 kommt Engelbert Wrobel in Dormagen zur Welt und wächst zunächst in Siegburg, dann in der Eifel auf. „Mein Vater war Musiklehrer und ist dahin versetzt worden. Er hat mich auch das Spielen der Klarinette gelehrt, damals, als er eine Blaskapelle gründete und niemand die Klarinetten spielen wollte oder konnte. Die haben dann wir Jüngeren mit den noch schmalen Fingern bekommen.“

Es gab viel Musik im Haus, weiß Wrobel. Allerdings keinen Jazz. „Benny Goodman war in unserer Familie vollkommen unbekannt.“ Als er vierzehn Jahre alt war und in einer Kirmesband spielte, fragte ihn ein Kollege: „Kennst du ,Ice Cream‘ von Chris Barber?“ Natürlich kannte er das berühmte Stück nicht, hörte es aber kurz danach, gemeinsam mit einer LP der Dutch Swing Collage Band. „Und schwupps“, schmunzelt Wrobel, „war der Jazzvirus auf mich übergesprungen.“

Die Musik von Benny Goodman hat ihn stark geprägt

Die Musik von Benny Goodman hat ihn stark geprägt, die Spielweise des Bandleaders hat die seine beeinflusst. „Ich habe immer versucht, so viel wie möglich nach Gehör zu spielen“, sagt er und erinnert sich, wie er an einem Nachmittag den „Klarinettenmuckl“ nach Gehör zu spielen lernte.

„Ich spiele immer noch Swing“, sagt der Musiker, „obwohl mit der Zeit eine etwas modernere Spielart. Aber da hört es dann auch auf. Der Bebop und John Coltrane. . . Ich kann diese Harmonien nicht verstehen. Coltrane sagt mir gar nichts.“

Seine aktuellen Pläne betreffen zwei Bands. Für die CD „Cellar Party“, die planmäßig im März dieses Jahres erscheinen soll, hat er zahlreiche befreundete Kollegen um sich versammelt, die im November 2021 an drei Tagen swingende Musik aufgenommen haben. Da spielen außer Wrobel John Goldsby und Hans Dekker von der WDR Big Band, Frits Landesbergen, Thilo Wagner, Paul Heller und andere Musiker aus der ersten Reihe. „Aber wir werden nicht auf Tournee gehen“, verrät Wrobel. „Es ist ja keine feste Band.“

Anders sieht es bei den Swingin’ Ladies plus two aus. Das schlagzeuglose Quartett besteht aus Nicky Parrott (Bass und Gesang), den beiden Pianisten Stephanie Trick und Paolo Alderighi sowie Engelbert Wrobel an den Blasinstrumenten. „Wir spielen Sachen“, kündigt er an, „die keine andere Jazzband spielt.“ Spricht’s und geht zum CD-Player. Kurz darauf weht Herb Alperts „Spanish Flea“ durch den Raum, dann gar ein Beatles-Medley. „Das geht nur mit dieser Band“, ist Wrobel sicher.

Einmal quer durch die Republik soll es gehen – hoffentlich

Und diese Band wird, so es möglich ist, auf eine vierwöchige Tournee gehen und auch in Burscheid spielen. „Einmal quer durch die Republik“, verspricht Wrobel. „Und in der Schweiz und in Frankreich lassen wir uns auch sehen.“ Ob das alles wie geplant klappt, wird man in der nahen Zukunft sehen.

Probt er eigentlich noch nach all diesen Profijahren? „Aber ja“, antwortet er. „Und was soll ich sagen? Ich werde tatsächlich immer noch besser.“

„Here, there and everywhere“

Auftritt: Im Rahmen der Tournee der Swingin’ Ladies plus two wird das Quartett am 15. März im Burscheider Haus der Kunst an der Höhestraße auftreten. Da die Corona-Regeln zu Mitte März noch völlig unbekannt sind, werden Engelbert Wrobel und seine Mitmusikanten zwei Konzerte spielen: das erste um 16 Uhr, das zweite um 20 Uhr. Das anspruchsvolle Programm der Band (die Arrangements stammen von Engelbert Wrobel) heißt „Here, there and everywhere“ und wird zeitgleich zur Tournee als CD veröffentlicht.

Tickets:

kulturverein-burscheid.de

termine.rga.de

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