Haloween

Ein Feiertag, der sich sehr verändert hat

Kein Feiertag mehr, stattdessen übernehmen Kürbisse am 31. Oktober das Regiment. Und die wollen vorbereitet und gestaltet sein. Hier geschieht das beispielsweise mit einem wischfesten Stift.
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Kein Feiertag mehr, stattdessen übernehmen Kürbisse am 31. Oktober das Regiment. Und die wollen vorbereitet und gestaltet sein. Hier geschieht das beispielsweise mit einem wischfesten Stift.

Unsere Autorin hat den 31. Oktober beleuchtet.

Von Ursula Hellmann

Burscheid. Dass der 31. Oktober allein der Reformationstag ist, diese Zeiten sind vorbei. Man denke nur an Halloween. In Chile haben die Kinder am 31. Oktober schulfrei. Dort ist der Reformationstag ein Feiertag. Wie diese Dinge in Europa geregelt sind, macht den letzten Oktobertag zum unübersichtlichsten Gedenktag des kompletten Kirchenjahres.

Und das galt schon, als noch die DDR existierte. Arbeitsfrei oder normaler Arbeitsablauf – darüber waren sich sowohl die verschiedenen Bezirke westlich des eisernen Vorhangs ebenso uneinig wie die Verwaltungen der DDR-Bezirke. Der Befehl Nr. 361 garantierte zunächst in der Sowjetischen Besatzungszone den Gemeinden mit vorwiegend evangelischer Bevölkerung den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag, ausgenommen in Sachsen-Anhalt und Ost-Berlin. Ab 1952 hieß es dann für die arbeitende Bevölkerung: 31. Oktober – Werktag ohne Sonderstatus.

Von klarer Übersicht war aber keine Rede. In den Braunkohlegebieten gab es eine Kulanzregelung, in Halle durften sich Arbeiter einen Urlaubstag genehmigen lassen, im Bezirk Halle wurde ein freier Tag toleriert, oder es gab sogar Feiertagszuschlag.

Öffentlicher Nahverkehr von einem Bezirk zum nächsten? Das Chaos war abenteuerverdächtig. Erst 1967 zur Einführung der Fünftage-Woche, wurde der Reformationstag als Feiertag abgeschafft – aber 1990 durch die letzte DDR-Regierung wieder eingeführt.

Seit der Wiedervereinigung gilt der 31. Oktober in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen als Feiertag und als grundsätzlich arbeitsfrei.

2017 – zur Feier des 500. Jubiläums von Luthers mutigem Thesenanschlag – avancierte der letzte Oktobertag ausnahmsweise zu einem einmaligen Feiertag in ganz Deutschland

Was genau aber wird gefeiert? 1517 sollen laute Hammerschläge an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg die Leute aufmerksam gemacht haben. Dem Theologieprofessor – und damals noch Mönch - Martin Luther war der Geduldsfaden gerissen. Deutlich und biblisch fundiert hatte er mehreren geistlichen Würdenträgern und Bischöfen seine kritischen Thesen schriftlich zugesandt und um Stellungnahme gebeten. Von dort kam jedoch nicht die geringste Reaktion. Also blieb ihm nur übrig, die Basis des Kirchenvolks direkt zu informieren, was hinter den meist verschlossenen Türen der hohen Geistlichkeit und Politik beschlossen wurde. Der Botschaft des Evangeliums standen diese Dinge konträr entgegen und schrien seiner Ansicht nach seit langem nach Abhilfe. Einer der Punkte handelte von der Unsitte des Ablass-Verkaufens. Es dauerte dann noch hundert Jahre, bis die Anschläge an der altehrwürdigen Schlosskirche als sogenannte Säkularfeier von hoher Stelle zelebriert wurden. Damit stellte sich Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen öffentlich hinter die Kritiken Luthers.

In NRW wurde der 31. Oktober als Feiertag abgeschafft

In NRW wurde der 31. Oktober als gesetzlicher Feiertag abgeschafft, stattdessen ist einen Tag später am katholischen Allerheiligen frei.

Wie sehr sich der Reformationstag gewandelt hat, werden in der Nacht zu November sicherlich auch eine Reihe Burscheider Kinder in Verkleidung und mit leuchtenden Kürbissen demonstrieren. Das amerikanische heutige Halloween ist zwar eine sehr verzerrte Form des Ausrufs „Holy evening“, aber trotz seiner lustigen Form fast ein langer Schatten der angstbesetzten einstigen Ablass-Forderungen.

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