Handel

Ein Einkaufsbummel führt die Menschen zusammen

Flottes Schuhwerk für den Rest des Sommers kann Frau und Mann immer gut brauchen: Neugierige Blicke streiften am Sonntag die Auswahl vor Bärbels Schuhladen.
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Flottes Schuhwerk für den Rest des Sommers kann Frau und Mann immer gut brauchen: Neugierige Blicke streiften am Sonntag die Auswahl vor Bärbels Schuhladen.
  • VonNadja Lehmann
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Burscheider und Auswärtige nutzten den verkaufsoffenen Sonntag – Werbegemeinschaft zeigt sich zufrieden.

Burscheid. Das Fazit? Positiv. „Das Wetter war toll, der Umsatz gut, die Leute entspannt“: So bringt es die Sprecherin der Werbegemeinschaft „Wir für Burscheid“, Ute Hentschel, auf den Punkt. Am Sonntag hatten Burscheids Geschäfte anlässlich des Bauernmarkts, der nach langer Corona-Pause wieder auf dem Marktplatz stattfand, zum verkaufsoffenen Sonntag eingeladen – neben der Buchhandlung Ute Hentschel waren unter anderem „Liebevoll“, Foto-Factory, Bärbels Schuhladen, die „Stoffzaubermaus“ und der „Lieblingsladen“ aus der oberen Hauptstraße dabei. „Wir hatten draußen dekoriert und Stühle aufgestellt. Das wurde zum Treffpunkt“, berichtet Ute Hentschel über ihre Buchhandlung. „Es waren in der ganzen Stadt viele Leute unterwegs.“

Damit klappte in Burscheid, was Remscheid-Lennep versagt blieb. Zum dortigen Altstadtfest war kürzlich auch ein verkaufsoffener Sonntag geplant gewesen. Doch den sagte die Stadt Remscheid kurz vorher ab. Hintergrund war ein Verfahrensfehler bei den Beratungen in den politischen Gremien der Stadt Remscheid, die über die Sonderöffnungszeiten entscheiden müssen. Zwar hatte der Haupt- und Finanzausschuss grünes Licht gegeben; eigentlich aber hätte dies der Stadtrat beschließen müssen. Die Gewerkschaft Verdi, die beim Oberverwaltungsgericht in Münster Klage gegen den Remscheider verkaufsoffenen Sonntag eingereicht hatte, hätte somit Aussicht auf Erfolg gehabt.

Für die Remscheider Stadtverwaltung war das der Grund gewesen, zurückzurudern. „Ich würde ausrasten. Es ist doch eine Frechheit, wenn eine Stadtverwaltung ihren Job nicht macht und das zulasten der Einzelhändler“, schüttelt Hentschel den Kopf und lobt das Burscheider Rathaus ausdrücklich: „Das würde hier nicht passieren.“ Sie sieht aber auch die Rolle der Gewerkschaft kritisch: „Gerade in Kleinstädten wie der unsrigen stehen meist die Inhaber hinterm Tresen. Und ich kann doch entscheiden, wie ich meinen Sonntag verbringen will. Da müsste Verdi stärker differenzieren.“

Vier verkaufsoffene Sonntage zählt Burscheid im Jahr: zum Umweltfest, zum Bauernmarkt, zum Kulinarischen Wochenende und zum 3. Advent. „Es geht dabei weniger um den großen Umsatz, als um den Werbeeffekt“, sagt Hentschel. So sei am Sonntag mindestens ein Drittel ihrer Kunden von außerhalb gewesen, die sich in der Stadt umgesehen und bei ihr eingekauft hätten – häufig mit dem Versprechen, wiederzukommen.

„Ich sitze sonntags auch gerne auf dem Sofa“, bekennt Hentschel. „Aber dass die Buchhandlung so gut dasteht, dass wir gut durch die vergangenen drei Jahre gekommen sind, dafür muss man auch eine ganze Menge tun. Das kommt nicht vom Sofasitzen.“ Sie könne sich dabei auf ein ebenso eingestelltes Team verlassen: „Die geben genauso Stoff.“ So habe man Fördergeld durch das Programm „Neustart Kultur“ akquiriert und könne so ein engagiertes Herbstprogramm mit vielen Lesungen auf die Beine stellen. „Das honorieren die Leute.“

Und die verkaufsoffenen Sonntage spielen in diesem Konzept eine wichtige Rolle. „Wir wollen zeigen, dass der Einzelhandel eine schöne Sache ist“, sagt Hentschel für die Werbegemeinschaft. „Man kann sich beraten lassen, man kann mit Leuten reden, Menschen treffen.“ Viele hätten das in der Pandemie vermisst. Andere wiederum hätten diese Art des Einkaufens in der Zeit vergessen und müssten es sich ins Gedächtnis rufen.

Ute Hentschel erinnert sich an ihre eigene Oma. „Sie ging vormittags einkaufen, war zwei Stunden weg. Und kam mit einer Tüte Milch zurück. Aber sie hatte Menschen getroffen, soziale Kontakte gepflegt.“

Es ist genau dieses Gefühl, das Ute Hentschel mit ihren Mitstreitern von der Werbegemeinschaft heute verstärkt vermitteln will. „Einkaufen ist nicht nur Konsum. Es ist viel mehr.“

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