Sanierung

Ehepaar mit Blick für bergische Kostbarkeiten

Haben ein Faible für bergische Details: Das Architektenpaar Jelle und Clemens von Dryander.
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Haben ein Faible für bergische Details: Das Architektenpaar Jelle und Clemens von Dryander.

Fassadenprogramm gab den Anstoß für die Sanierung eines alten Hauses.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Eigentlich steht Jelle von Dryander mit beiden Beinen felsenfest im Heute, ist sie doch die umtriebige Vorsitzende des Kulturvereins mit immer neuen Ideen und Visionen. Was jedoch Häuser angeht, da riskiert die studierte Architektin gerne einen Blick zurück in die Historie. In ihrem Zuhause an der Altenberger Straße hat sie gemeinsam mit Ehemann Clemens versucht, Altes zu bewahren, Beschädigtes wieder auferstehen zu lassen, aber auch neue Interpretationen zuzulassen.

Hier nahm alles seinen Anfang: 1992 kauften Jelle und Clemens von Dryander dieses, damals anders aussehende, Haus.

Fast eine kleine Hofschaft ist es, mit zwei Häusern links und rechts, verbunden durch den einstigen Garagenflügel und durch den neu entstandenen Vorgarten mit Baum und Rundbank. Das linke Haus bewohnen Dryanders seit 1992 selbst, das rechte kam später dazu – und mit ihm der Wunsch, ihm wieder zu neuem/altem Glanz zu verhelfen. Den letzten Anstoß zu dieser Kraftanstrengung gab dann das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK), das mit seinem Fassadenprogramm Impulse und finanzielle Unterstützung zu denkmalgerechter Sanierung gibt.

„Der Grundgedanke ist, den Charakter Burscheids als bergisches Städtchen wieder mehr zu fördern“, sagt Jelle von Dryander. „Das schätzen wir beide, und das wollen wir bewahren.“ Zumal als gebürtige Opladenerin und gebürtiger Wuppertaler – die sich im Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt kennenlernten. „Unser Fach hilft bei einem so langjährigen Projekt“, bekennt Jelle von Dryander: „Man hat die visionäre Kraft und sieht alles vor sich.“

Es bleiben immer wieder Menschen stehen. Man kommt schnell ins Gespräch.

Jelle von Dryander
Früher: So sah es mal aus, das Haus Nummer 20. Gebaut wurde es um 1899 von der Familie Lungstrass, in deren Besitz es lange war.

Seinen Anfang nahm für die Dryanders alles 1992, als sie die Altenberger Straße 22, im Jahr 1911 gebaut, erwarben. „Es war bewohnt und entsprechend dem Zeitgeist der 50er und 60er-Jahre innen und außen verunstaltet“, schildert von Dryander. Sie sitzt in ihren Wohnzimmer vor der großen Fensterfront und deutet in den Garten: „Früher gab es keinen Ausgang nach draußen. Das war ein Nutzgarten, in dem gearbeitet wurde.“ „Die Fenster haben wir selbst gebaut“, ergänzt ihr Mann. Sie befreiten das Haus aus seiner Verschalung, bauten wieder Holzfenster und -laibungen mit Schlagläden ein und stockten, weil die Familie wuchs, um ein Stockwerk auf. Durchaus modern und dennoch bergisch kommt das Haus daher, in dessen Inneren sich altes Eichenfachwerk und die originalen Zimmertüren befinden. „Mit passenden Messingklinken“, betont Jelle von Dryander, die sagt, dass sie seitdem im Internet alle Türklinken kenne.

„Opa Lungstrass“ lebte nebenan in der Nummer 20

Jetzt: An der Altenberger Straße entstand durch die Zusammenlegung zweier Häuser (hier die Nummer 20) eine kleine, sehr individuelle Hofschaft.

Lange lebte man in guter Nachbarschaft mit der Altenberger Straße 20, dort war „Opa Lungstrass“, wie ihn Dryanders Kinder nannten, daheim – aber auf getrennten Grundstücken. Dabei gehörte alles einmal zusammen. Die Nummer 20 war einst das Haupthaus und wurde um 1899 von Albrecht Lungstrass erbaut; es folgte ein Anbau, in den die „Alte Wäscherei“ einzog. Dryanders haben noch Aufnahmen aus dieser Zeit, als ein Reklameschild an der Fassade auf die Wäscherei hinwies: „Ich träume davon, es auf dem Dachboden zu finden“, bekennt Jelle von Dryander. 1911 baute Familie Lungstrass dann die Nummer 22, in die eine Schlachterei einziehen sollte, was nie passierte. „Nach dem Krieg wurde die Immobilie verkauft, weil der Sohn gefallen war. Damit waren Grundstücke und Vorplatz voneinander getrennt“, erzählen Dryanders.

Eine traurige Teilung, so empfanden sie es, ud als sich die Möglichkeit ergab, die Nummer 20 von der vierten Generation der Familie Lungstrass zu kaufen, machten sie Nägel mit Köpfen. Und begannen, dem alten Haus sein Gesicht zurückzugeben. „Wir haben mehr raus- als reingetragen“, sagt Clemens von Dryander. Denn zunächst galt es, wieder zum Kern vorzustoßen. Es wurde gedämmt und neu verschiefert, der Dachrand wurde neu gestaltet, weiße Sprossenfenster eingebaut, bergischgrüne Schlagläden angebracht. „Wir wollten aber nicht nur eine Showfassade zur Straße hin“, sagt Jelle von Dryander. Heißt: Auch hinten zum Garten hin setzte man auf eine behutsame Mischung aus Alt und Neu.

Im hinteren Hof war Platz für Spielereien – wie für dieses alte Tor, das nach Nirgendwo führt.

Stolz ist sie insbesondere auf den nun wiedervereinten Hof. Er wurde neu gepflastert, eine bergische Hauszwetsche gesetzt und mit einer Rundbank kombiniert. Eine Anlage, die sich einladend zur Straße hin öffnet. Und das ist dem Ehepaar wichtig, das sich als Teil der Nachbarschaft begreift: „Es bleiben immer wieder Menschen stehen und schauen bei uns rein. Da kommt man ganz schnell ins Gespräch.“

-nal- Das Fassadenprogramm ist eine von zahlreichen Maßnahmen aus dem „Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept Burscheid 2025“ (IEHK), um die städtebauliche Entwicklung voranzutreiben. Begonnen wurde mit dem Fassadenprogramm im 2. Quartal 2019 und es soll bis voraussichtlich Ende Juni 2022 laufen. Eine Verlängerung wird angestrebt. Die Maßnahmen müssen zu einer wesentlichen und nachhaltigen Verbesserung des Stadtbilds und des Gewerbe- und Geschäftsstandorts Innenstadt Burscheid und Ortskern Hilgen führen und gleichzeitig den Wohn- und Freizeitwert für die Anwohner erhöhen.

Als Gesamtbudget stehen 275 000 Euro zur Verfügung, die sich aus Mitteln der Städtebauförderung des Bundes, des Landes NRW und einem städtischen Eigenanteil zusammensetzen. Berechtigt, einen Antrag auf Fördermittel zu stellen, sind EigentümerInnen innerhalb des Fördergebiets. Der Zuschuss beträgt maximal 50 Prozent der als förderfähig anerkannten Kosten. Es darf nur ein Antrag pro Immobilie gestellt werden. Bereits umgesetzt wurden sechs Anträge; zwei weitere Umsetzungen stehen kurz vor ihrem Abschluss. „Aktuell sind viele weitere Anträge eingegangen und derzeit in Bearbeitung beziehungsweise noch in Abstimmungsprozessen“, sagt Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss. Interessierte können sich von Citymanager Linus Klenter beraten lassen, Tel. (01 52) 02 69 65 41 oder: wfb@burscheid.de

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