Flutschäden

Dürscheider kämpfen um eine neue Brücke

Die Brücke in Dürscheid – oder das, was von ihr übriggeblieben ist. Die unsichere Erreichbarkeit macht der Dorfgemeinschaft Angst. Foto: Doro Siewert
+
Die Brücke in Dürscheid – oder das, was von ihr übriggeblieben ist. Die unsichere Erreichbarkeit macht der Dorfgemeinschaft Angst.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Ortsteil ist aufgrund der Flutschäden nur über Umwege zu erreichen – Dorfgemeinschaft wendet sich mit Hilferuf an die Stadt

Burscheid. Sie waren eigens zur Hauptausschusssitzung ins Haus der Kunst gekommen, um auf ihre Sorgen und Nöte aufmerksam zu machen. Diese gelten der Brücke in Dürscheid, die seit der Flutkatastrophe im Juli unbefahrbar ist. „Wir stehen hier als Dorfgemeinschaft, weil wir bislang keine offiziellen Informationen von der Stadt haben. Wir sind mit Fragen hierhergekommen“: So stellte Veronika Schulz aus Dürscheid sich und ihre Mitstreiter vor.

Beinahe aber hätte die Bürokratie dazwischengefunkt. Denn die Dürscheider waren unter dem Tagesordnungspunkt „Einwohnerfragestunde“ aufgerufen worden. Dabei aber sind lediglich Fragen zur jeweiligen Tagesordnung erlaubt – und auf dieser stand die Dürscheider Brücke nicht. „Weil es so wichtig ist, springen wir aber über unseren Schatten“, erklärte Dr. Hartmut Schepanski (CDU), der den Ausschuss leitete, und erteilte den Dürscheidern das Wort.

„Helfen Sie uns dringend, bevor der erste Schnee kommt und vor dem nächsten Sturm oder Hochwasser. Denn wenn dann wieder Bäume umfallen, kommen wir aus Dürscheid nicht raus, und das macht allen hier Angst.“

Dorfgemeinschaft

Nur noch Fußgänger können die Brücke nutzen. Seit des Starkregenereignisses ist die Brücke ansonsten dicht. Für die Dürscheider aber ist sie gewissermaßen das Tor zur Welt. „Uns bleibt seit Juli nur noch eine Umleitung, um nach Leverkusen zu kommen: der Zufahrtsweg über die Lambertsmühle und Repinghofen“, beschrieb Veronika Schulz. Und dieser Weg sei aus mehrfacher Hinsicht beschwerlich und gefährlich (| Infokasten). Die Dürscheider sprachen noch einen weiteren Aspekt an: die Erreichbarkeit des Ortsteils für Rettungswagen und Feuerwehr. Wenn in Lambertsmühle gefeiert werde, sei alles zugeparkt und kein Durchkommen mehr: „Da ist Leben in Gefahr.“

Und: Die Umleitung kostet Geld. Die Bewohner von Dürscheid haben eine Rechnung aufgemacht und veranschlagen 84 Cent für die acht Kilometer pro Auto. Bei 100 Autos pro Tag seien das 84 Euro, summa summarum im Monat mehr als 2 500 Euro und seit Juli somit mehr als 10 000 Euro. „Hinzu kommt der zusätzliche CO2-Ausstoß“, so Schulz. Fazit: Die Zeit dränge. Ob die Stadt bereits Hilfsgelder beantragt habe? Und warum noch nichts geschehen sei?

„Wir sind keine Brückenfachleute. Wir haben bislang nur Zahlen, die nicht gesichert sind. Deshalb wollen wir Ingenieursleistungen für die Brücke vergeben“, erklärte Fachbereichsleiter Marc Baack. „Es ist schwer, überhaupt ein Ingenieurbüro zu finden. Wir haben auch Absagen kassiert“, sekundierte Sebastian Nocon, Technischer Vorstand der Technischen Werke Burscheid (TWB). Just zur Hauptausschusssitzung aber sollten diese Leistungen nun vergeben werden – im nicht-öffentlichen Teil. „Dann können wir Kosten und Nutzen abwägen“, sagte Baack. Denn auch die viel beschworene „Behelfsbrücke“ ließe sich nicht an einem Tag aufrichten. Die Stadt habe noch keine Hilfsgelder beantragt. Denn ob der Bau der Brücke per Definition „zwingend notwendig“ sei, seien für das Land „unbestimmte Rechtsbegriffe“, so Baack weiter.

„Wir werden Mittel aus dem Aufbaufonds beantragen“, bekräftigte Dirk Runge, der derzeit die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters führt. „Das werden wir auch tun, unabhängig davon, ob wir mit der Brücke beginnen. Doch bislang hat uns das Land noch keine Möglichkeit gegeben, zu beantragen.“

Die Dürscheider hatten zur Sitzung sogar ein Positionspapier zusammengestellt. Dieses endet mit einem eindringlichen Appell: „Bitte, helfen Sie uns dringend, bevor der erste Schnee und Glatteis kommt und vor dem nächsten Sturm oder Hochwasser. Denn wenn dann wieder Bäume umfallen, kommen wir aus Dürscheid nicht raus, und das macht allen hier Angst.“

Hintergrund

Umweg: Die Umleitung sei zum einen mit rund acht Kilometern sehr lang, zum anderen sei die Straße sehr schmal, steil und kurvig, berichtete Veronika Schulz im Ausschuss. „Bei Eis und Schnee ist das wirklich gefährlich. Wir hatten bislang kaum einen Winter, wo nicht ein Baum umgefallen wäre“, hob Schulz hervor. Und schon jetzt, bei schlechtem Wetter und Dunkelheit, fahre dort niemand gern entlang: „Die Straße ist in keinem gutem Zustand. Und wenn man Gegenverkehr ausweichen muss, hat man Angst, dass die Straße abbricht und man wegrutscht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Technische Werke erhalten neue Struktur
Technische Werke erhalten neue Struktur
Technische Werke erhalten neue Struktur
Streit unter Nachbarinnen eskaliert - Frau gibt Warnschuss ab
Streit unter Nachbarinnen eskaliert - Frau gibt Warnschuss ab
Streit unter Nachbarinnen eskaliert - Frau gibt Warnschuss ab
Klimarelevanz: Zweite Testphase im Rathaus läuft
Klimarelevanz: Zweite Testphase im Rathaus läuft
Klimarelevanz: Zweite Testphase im Rathaus läuft
Fans der Schallplatte treffen sich
Fans der Schallplatte treffen sich
Fans der Schallplatte treffen sich

Kommentare