Dürscheider kämpfen um die Behelfsbrücke

So sah die Brücke nach dem Hochwasser aus: In der Fahrbahndecke befand sich ein großes Loch, nur zu Fuß ging es auf die andere Seite.
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So sah die Brücke nach dem Hochwasser aus: In der Fahrbahndecke befand sich ein großes Loch, nur zu Fuß ging es auf die andere Seite.
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Anwohner fürchten, dass Schulkinder, Fußgänger und Radfahrer abgeschnitten werden.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Die Dürscheider fühlen sich abgeschnitten vom Rest der Welt. Fühlen sich als Sackgasse, seitdem die Hochwasserkatastrophe im vergangenen Jahr ihre Brücke zerstörte. Und sie befürchten, dass dies noch länger dauern könnte. „Wir freuen uns einerseits, dass endlich mit dem Bau der Brücke begonnen wird, haben aber größte Sorge, dass der dringend notwendige Behelfsweg für Fußgänger und Radfahrer nicht mehr vor Baubeginn fertig gestellt wird“, sagt Veronika Schulz, die gemeinsam mit Heike Klüsener als Sprecherin der Dorfgemeinschaft fungiert.

Das ist die Baustelle am Ortseingang. Dass sie genehmigt wurde, irritiert die Dürscheider.

Denn das war der große Wunsch der Dürscheider gewesen: eine Behelfsbrücke, die Fußgängern und Radfahrern offen steht. So, wie es bislang immer noch die kaputte Brücke tat, über die vor dem Hochwasser auch die Autos rollen durften. „Wir haben hier Schulkinder, die auf die andere Seite müssen“, sagt Heike Klüsener. „Dort fahren die Busse. Und nicht jeder hat ein Auto, um das Kind zur Schule zu bringen.“ Auch ein gemeinsam organisierter Fahrdienst durch einen Verkehrsbetrieb sei nicht umsetzbar: „Die Kinder hier gehen ins Werner-Heisenberg-Gymnasium, ins Landrat-Lucas-Gymnasium, in die Johannes-Löh-Gesamtschule. Das sind mindestens drei unterschiedliche Schulen, die auch zu verschiedenen Zeiten anfangen. Das kriegen wir nicht unter einen Hut.“

Doch ob die von den Dürscheidern herbeigesehnte Behelfsbrücke wirklich kommt, ist offen. Bereits zu Jahresanfang hatte Bürgermeister Dirk Runge dies auf einer Hauptausschusssitzung anklingen lasen, als er sagte, dass eine Behelfsbrücke höchstens zwei Monate früher fertig sei als eine neue. Denn ihre Errichtung sei nicht leicht: „Das hängt mit der Uferbefestigung zusammen.“ Im Januar hatten sich Stadt, ein Vertreter des Ingenieurbüros und die Sprecher der Dürscheider Anwohner vor Ort getroffen: „Damals hat der Vertreter des Ingenieurbüros darauf hingewiesen, dass man in der Planungsphase sei und versuchen werde, eine Lösung für Fußgänger und Radfahrer für den Zeitraum des Brückenneubaus zu finden“, sagt Stadtsprecherin Renate-Bergfelder-Weiss. Ziel damals wie heute: Die neue Brücke soll bis Jahresende fertig sein. Schwierigkeiten macht indes ein benachbartes Biotop.

Es ist für uns nicht nachvollziehbar, weshalb die Stadt erst jetzt nach Lösungen sucht.

Heike Klüsener

Ausschreibung und Auftragsvergabe für eine neue Brücke sind erfolgt, bestätigt Renate Bergfelder-Weiss. Anders bei der Behelfsbrücke: „Weil die Existenz des Biotops im Bereich der Brücke bekannt war, ist der Bau einer Behelfsbrücke für die Übergangszeit ganz bewusst nicht mit ausgeschrieben worden. Die Fertigstellung des Brückenneubaus bis zum Jahresende 2022 sollte dadurch nicht gefährdet werden. Mit einer Genehmigung eines Behelfs seitens der Naturschutzbehörde wäre innerhalb der Biotopfläche nicht zu rechnen gewesen“, erklärt die Sprecherin der Stadt. Eine größere Chance sehe die Verwaltung deshalb darin, mit der bauausführenden Firma Behelfsmöglichkeiten innerhalb des Baufeldes für die Zeit der Neubauphase zu besprechen. „Das Gespräch mit der beauftragten Fachfirma ist zu heute terminiert“, sagt Bergfelder-Weiss.

Ein Einwand, den Heike Klüsener nicht nachvollziehen kann. „Besagtes Biotop ist seit dem Hochwasser Juli 2021 total zerstört. Es gleicht einer Trümmerlandschaft, die erst nach der Herstellung der neuen Brücke zu einem Biotop neu angelegt werden muss“, sagt Klüsener und spricht von einer „Schotterfläche“. „Der jetzige Zustand ist alles andere als schützenswert.“ Zudem verweist sie auf eine Großbaustelle am Ortseingang, wo an der Gasleitung Open-Grid gearbeitet wird. „Da gab es wohl keine Probleme bei der Genehmigung an dieser Stelle.“

Selbstverständlich solle der Brückenneubau durch eine Behelfsbrücke nicht verzögert werden: Da ist Klüsener völlig d'accord mit der Stadt. „Gerade deshalb ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass die Stadt erst jetzt nach Lösungen sucht.“

Das Gefühl, abgeschnitten zu sein, bleibt

Klüsener selbst nutzt gern das Rad. „Denn mit dem Auto haben wir derzeit einen kilometerlangen Umweg“, beschreibt sie die Umleitung via Lambertsmühle und Repinghofen. „Das bedeutet einfach nur den Ausstoß von Kohlendioxid und den Verbrauch von Sprit.“ Und einen größeren Zeitaufwand. „In Repinghofen ist man sicher auch nicht glücklich, wenn ein ganzes Dorf durchfährt.“

Und das Gefühl, abgeschnitten zu sein, das bleibt. „Wie sollen Schulkinder zum Unterricht kommen, Berufstätige ohne Auto zur Arbeitsstelle, wie sollen Arzttermine oder Einkäufe erledigt werden?“, fragen Schulz und Klüsener. Und hoffen auf eine Lösung.

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