Ausstellung

Drei Künstler finden sich in gemeinsamer Sprache

Stellen gemeinsam im Kulturbadehaus aus: Boris von Reibnitz, Christina Koester und Nataly Hahn (v.l.). Foto: Doro Siewert
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Stellen gemeinsam im Kulturbadehaus aus: Boris von Reibnitz, Christina Koester und Nataly Hahn (v.l.).
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Ausstellung im Kulturbadehaus mit Nataly Hahn, Christina Koester und Boris von Reibnitz

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Wie ein Strahl queren die schwarzen Linien das Bild, um sich dann darunter zum Kreis zu formen: Für Nataly Hahn ist es ein Versuch, das Phänomen der Zeit zu erfassen. Linear zum einen, unendlich zum anderen. „Das ist ja auch vom Empfinden abhängig“, sagt die in Seoul geborene Künstlerin, die seit Jahrzehnten in Wuppertal lebt und arbeitet. Gemeinsam mit ihren Künstler-Kollegen Boris von Reibnitz und Christina Koester hat sie sich zu einem Trio zusammengefunden, das in dieser Konstellation erstmals ausstellt – im Kulturbadehaus in einer Ausstellung, die am Samstag anläuft.

„Impuls – Rotation – Geste“ ist der Begriff, unter dem das Trio seine Arbeiten bündelt. „Wir sind drei unterschiedliche Künstler, die aber doch Ähnlichkeiten aufweisen“, sagt Boris von Reibnitz.

„Wenn ich etwas ausdrücken möchte, werde ich schwarz. Es ist pur.“

Nataly Hahn

Eine unerwartete Entdeckung, die sofort an den Wänden und im Saal des Kulturbadehauses sichtbar wird: die Freude an Bewegung, an Dynamik, die Lust an ausgreifender Gestik. Aber auch die Tendenz zu Klarheit, Reduktion und den fast völligen Verzicht auf Farbe.

Ausnahmen sind zwei Werke Christina Koesters: Plastiken in spiegelndem Bronzeton und eine Arbeit in Rot. „Das habe ich meinem Mann zuliebe gemacht“, verrät Koester lächelnd.

Nataly Hahn aus Wuppertal, Boris von Reibnitz und Christina Koester aus Solingen – sie sind unterschiedliche Menschen und haben unterschiedliche Positionen. Doch sie haben eine ähnliche Bildsprache. Ein Zufall, den die drei nun in einer intensiven Ausstellung ausspielen – und der eine weitere, dann geplante künstlerische Zusammenarbeit nicht ausschließt. Bewusst lassen Heinz-Peter Knoop, Vera Leweke und Jelle von Dryander vom Kulturverein die exakte Zuordnung in Form von Namensschildern weg und lassen die Werke für sich sprechen.

Wie die Darstellung des menschlichen Körpers in Bewegung, an die sich Boris von Reibnitz in zweijähriger Zusammenarbeit mit der Tänzerin Petra Vetter herangetastet hat. Eine Zeit, in der er die Tänzerin beobachtet hat und sie ihre Bewegungen immer wieder wiederholen ließ, um sie dann schließlich zu bannen. „Ich bin kein Maler“, sagt er über sich selbst, der sich auf Skulptur, Zeichnung und Druckgrafik spezialisiert hat.

Seine Keramiken wiederum nehmen Kreis und Ellipse auf, selbst das keramische Porträt eines Freundes wird in Formen zersprengt.

Ganz anders Nataly Hahn, für die der Moment vor der leeren Leinwand ein kontemplativer ist, bevor sich ihre Energie im entschiedenen Impuls des Pinselstrichs entlädt. Klarheit in schwarz-weiß: „Wenn ich etwas ausdrücken möchte, werde ich schwarz“, bekennt die Malerin. „Es ist pur, es lenkt nicht ab.“

Ebenso pur kommen die Plastiken Christina Koesters daher. „Ich arbeite gern mit hellen Materialien“, sagt sie und nennt als Beispiel ihre Arbeiten mit Gips, die eine universelle Formensprache aufgreifen und in denen das Rund dominiert. Keineswegs seien sie lediglich Vorarbeiten für die Bronzen, im Gegenteil: „Gips ist mir ein wertvolles Material“, sagt die Bildhauerin, die bis 2016 im Atelier von Tony Cragg in Wuppertal mitgearbeitet hat. „Ich habe dort viel gelernt, aber ich selbst bin verschwunden“, sagt sie rückblickend. „Kunst ist eine Sprache. Wenn ich sie vernachlässige, geht etwas verloren.“

Der Kunst will die 1960 gebürtige Dortmunderin, die – wie sie sagt –, lange einen „Brotberuf“ ausgeübt hat, mehr Raum geben: „Diesen Brotberuf habe ich in der Pandemie verloren. Dadurch habe ich aber Arbeitslosengeld bekommen, was ein großes Glück war. Ich werde, wenn es kein Geld mehr vom Arbeitsamt gibt, den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und als freischaffende Künstlerin arbeiten.“

Aus den vergangenen fünf Jahren stammen die Arbeiten des künstlerischen Trios. Corona kommt darin bisher nur verstohlen um die Ecke, und jeder der drei hat seine eigene Strategie entwickelt. „Ich war zuerst panisch“, sagt Koester. Dann entdeckte sie die Farbe.

„Es war wie eine Eroberung.“ Und sie holte sich den Humor zurück, schuf eine Arbeit mit Titel „Einzug der Mutanten“. „Als Künstler arbeitet man ohnehin viel allein. Es war nicht so viel anders als sonst“, sagt Boris von Reibnitz. Eine Einschätzung, die Nataly Hahn bestätigt. Gleichwohl habe sie anfangs ein Gefühl der Lähmung durchlitten, sich dann aber ans Blau gewagt. Erstmals. „Vielleicht als Zeichen der Hoffnung.“ Unumstößlich blieb für sie eines. „Kunst ist das, was bleibt. Sie ist Anker, und sie ist Freiheit.“

Impuls – Rotation – Geste

Die Ausstellung im Kulturbadehaus läuft vom kommenden Samstag an bis zum 29. August. Geöffnet ist donnerstags und freitags von 18 bis 20 Uhr sowie samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am Wochenende wollen die Künstler immer wieder mal anwesend sein. Es gelten die üblichen Corona-Regeln. Infos zu den Künstlern:

www.bbkbergischland.de

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