Glaube

Drei Gemeinden sollen zusammenfinden

Markanter Blickfang: St. Laurentius kriegt Zuwachs. Das Erzbistum schneidet die Gemeinden neu zu.
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Markanter Blickfang: St. Laurentius kriegt Zuwachs. Das Erzbistum schneidet die Gemeinden neu zu.
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Erzbistum bereitet andere Zuschnitte vor: Zu Burscheid und Wermelskirchen kommt Leichlingen hinzu.

Von Nadja Lehmann

Noch gar nicht so lange her ist es, dass sich die Katholischen Gemeinden Burscheid und Wermelskirchen zusammenfinden mussten. „Auf der Verwaltungsebene begann das 2019. 2020 kam ich mit dem Pastoralteam“, erinnert sich Pfarrer Michael Knab, der bis dahin allein für Wermelskirchen zuständig war und seinen Amtssitz neben St. Michael an der Kölner Straße hatte und hat. Kein leichter Prozess. Denn es folgte der Lockdown. „Es war schwierig, Kontakte zu knüpfen.“ Eine Zwangspause, die das Zusammenwachsen mühsam werden ließ und in beiden Städten und Gemeinden noch immer nachklingt. Am Horizont indes zeichnet sich schon eine weitere Änderung ab. Betitelt ist sie als #ZusammenFinden und soll in neue pastorale Einheiten im Erzbistum münden. Für Burscheid und Wermelskirchen bedeutet das: Leichlingen wird noch hinzukommen. Irgendwann. Eine zeitliche Zuordnung gibt es noch nicht.

„Das bezieht sich zunächst allein auf den geografischen Zuschnitt“, betont Michael Knab. Und sei als langfristige Veränderung geplant. Zielperspektive: 2030. Auch personelle Änderungen gingen damit nicht sofort einher. „Bei Neubesetzungen wird man diese wohl auf den Großraum ausrichten“, skizziert Knab die denkbare Zukunft.

Wie das Erzbistum Köln mitteilt, sei nach „intensiven Beratungen“ in den derzeit 177 Seelsorgebereichen in den meisten Fällen die Entscheidung gefallen, in welche Pastoralen Einheiten sich das Erzbistum Köln zukünftig gliedern wird. „Damit stehen nun – zumindest weitestgehend – die rund 65 geografischen Räume fest, in denen in Zukunft Seelsorge gestaltet werden soll. In einigen Fällen ist bewusst noch keine Entscheidung getroffen. Mit den Verantwortlichen aus den betroffenen Seelsorgebereichen werden weitere Gespräche geführt, um zu einer Lösung zu kommen“, heißt es vom Erzbistum.

Der unter dem Titel #ZusammenFinden initiierte Prozess hatte seinen Anfang im März 2022 genommen. „Das kirchliche Leben hat sich verändert“, sagt Knab und nennt zunächst den Personalbestand: „Die Zahl der Hauptamtlichen sinkt.“ Prominenteste Beispiel seien natürlich die Priester; gleiches gelte aber ebenso für Diplom-Theologen, Diakone und Kaplane. Und insbesondere auch für Kirchenmusiker. „Ein großer Mangel, der vielen noch gar nicht bewusst ist“, sagt Knab. Zudem sei die Mitarbeiterschaft überaltert, der Nachwuchs bleibe aus. „Die Glaubensweitergabe funktioniert nicht mehr“, bedauert Knab. Das betrifft jene, die in der Kirche arbeiten, aber auch jene, die ihr in der Gemeinde angehören. Deren Zahl sinkt teilweise dramatisch, nicht nur im Erzbistum Köln, das die Gläubigen in Scharen verlassen, hervorgerufen durch den Missbrauchsskandal und den in seiner Aufklärung umstrittenen Kardinal Woelki.

Weitere Gründe liegen in den weniger werdenden Engagierten im ehrenamtlichen Bereich und im Rückgang der Finanzkraft. „Mit #ZusammenFinden ist ein erster Schritt getan, diese Veränderungen zu gestalten“, heißt es hoffnungsvoll aus Köln.

Aufgeteilt ist der Prozess in drei Phasen, die 2023 beginnen. „In der ersten Phase wissen alle, wer mit wem zusammenkommt“, sagt Michael Knab. Der Fokus liegt auf dem Kennenlernen. Territorial ist die neue Pastorale Einheit zwar bereits zugeschnitten, aber es gibt noch mehrere Pfarrer und Pastoralteams in den bisherigen Seelsorgebereichen. In Phase Zwei gibt es in der Pastoralen Einheit einen gemeinsamen Pfarrer und ein gemeinsam ernanntes Pastoralteam. In dieser Phase werden Vorbereitungen für die administrative und pastorale Zusammenarbeit getroffen. Phase Drei ist durch die Errichtung eines gemeinsamen Kirchengemeindeverbandes oder die Fusion aller in der Pastoralen Einheit bestehenden Kirchengemeinden zu einer Kirchengemeinde gekennzeichnet.

Michael Knab kennt Leichlingen bereits. „2015, 2016 war dort die Pfarrstelle vakant“, erinnert er sich. Er wurde dort Pfarrverweser. „Ich habe die Gemeinde provisorisch geleitet und dadurch etwas Einblick gewonnen“, sagt er. Gleichwohl sieht er die Zusammenlegung mit gewisser Skepsis. „Ich glaube, das Lebensgefühl in den drei Städten ist verschieden“, sagt er mit Blick auf Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen. Ursprünglich sei angedacht gewesen, Leichlingen Leverkusen zuzuschlagen. Doch dieses wird einen eigenen Großbereich bilden. „Die drei Städte umfassen den Nordkreis des Rheinisch-Bergischen Kreises. Aber es gibt noch nicht einmal eine Buslinie, die alle verbindet“, sagt Knab.

Er selbst, so bekennt er offen, stehe vor einem Dilemma. „Große Räume sind für Seelsorge nicht gut. Sie verlangt nach Nähe und Kontakt.“ Vieles geschehe quasi zwischendurch und nebenbei: „Ich wohne ja in Wermelskirchen. Manchmal sprechen mich die Leute einfach auf der Straße an.“ Nach Burscheid dagegen fahre er eben nur „anlassbezogen“, das werde für Leichlingen voraussichtlich nicht anders sein.

Gleichzeitig registriere er natürlich die Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft. Wie den demografischen Wandel, die Überalterung, den Mangel an Ehrenamtlichen und die Glaubensferne. „Wenn sich alle Faktoren verändern, kann man nicht so weitermachen wie bisher“, sagt Knab und hat ganz deutliche Beispiele vor Augen: Kommunionsfeiern, die aus plötzlich nur noch vier bis sechs Kindern bestünden. „Wir werden ja nie mehr die Atmosphäre von einst erreichen.“

Es seien Veränderungen, die Corona noch beschleunigt habe. Viele, die sich zurückgezogen haben, kehren nicht zurück. Das gilt für Gemeindeglieder. Für Ehrenamtler. „Wir müssen schauen, was bleibt, was sich wiederbeleben lässt und was dauerhaft zerstört ist“, sagt Knab. Deutlich sei aber, dass die kleinen Gemeinden von einst nicht mehr lebensfähig seien. Vielleicht, so sagt Michael Knab, bliebe in den drei Städten drei, vier Jahre lang alles beim Alten. „Aber wenn jemand aus unserem Pastoralteam dauerhaft krank oder abgezogen wird, um anderswo eine Lücke zu füllen, könnte dieser personelle Prozess schneller beginnen.“

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